Classic Eis Marathon Lungauring (A) 6.01.2017

„HASI“ Teil I / Impressionen


Wenn‘s dem Esel zu wohl wird, begibt er sich aufs Glatteis. Viele Esel, einige Pferdestärken, viel Glatteis, Baujahr bis max. 1995, ausschließlich Heckantrieb, Glühwein, Tee, Chili con Carne, Wiener mit Semmel (ah, die heißen ja in Österreich Frankfurter).

Das sind im Großen und Ganzen die Eckdaten zur Classic Marathon Eisrennserie in Österreich. Gesamteindruck: Geil! Bis auf die Wiener/Frankfurter, also die waren wirklich sensationell geschmacksneutral und für den Verdauungstrakt eine amtliche Herausforderung.

 

Ich muss Euch da a weng gedanklich drauf einstimmen, dann kann man sich das besser vorstellen. Man nehme eine Handvoll Enthusiasten/innen, eine/n wohlgesonnenen Bürgermeister/in und ein Gelände im Lungau, welches zum Fahrsicherheitszentrum erklärt wird. Das Ganze in einer Gegend, die von der Sonne nicht gerade verwöhnt wird und der Föhnwind durch die umliegende Berglandschaft irgendwie umgeleitet wird. Dazu passt der Hinweis während der Fahrerbesprechung (im Freien...)ganz gut: Beim Nachtanken bitte nichts verschütten, da sich das Gelände in einem Wasserschutzgebiet befindet.
Tu felix Austria!

 

Und selbst wenn der Wetterbericht für den Tag Sonne vorhersagt – Freunde, das wird nix werden. Das ist alles hervorragend einem eventuellen Suizidgedanken zugetan. Bis ca. Anfang Februar, dann steht der Berg nimmer gar so im Weg. Das Reglement ist denkbar einfach, man verkauft das Rennen als Gleichmäßigkeitsfahrt mit einer Sollzeit. Und diese Sollzeit ist dann so niedrig, dass man da einfach schnell fahren muss um nicht allzu viel Strafzeit aufgebrummt zu bekommen. Da geht’s im Qualifiying einfach um den gefühlvollsten, aber doch schwersten Gasfuß. Das ist selbst für mich relativ einfach zu verstehen. Mit den Boxenstopps wird das schon schwieriger, aber der Benedikt hat mir dann schonend beigebracht, dass wir mit meiner geplanten Strategie einen Boxenstopp zu wenig hätten. (Der hat ja auch s´Abi)

 

Wir haben die Gegend angesichts der vorherrschenden Temperaturen (-20° Grad) zu „Lungaugrad“ umgetauft, in Anlehnung auf Leningrad.

 

Dann stellt man da ein paar Container auf, versieht das Ganze mit einem Stromanschluss für die Gemütlichkeit, eine Garnitur Plastiktoiletten (unbeheizt, man sollte schnell sein...) und zack, fertig ist die Laube. Ich hör grad, für die Mädels war´s beheizt.... Männer aller Länder, emanzipiert euch!

 

Streckenbeschreibung....ja mei, viele enge Kurven, ein paar schnelle Ecken, eine Gerade für evtl. Überholmanöver (aber das geht in den Kurven auch), bisserl bergauf, a weng runter, alles mit Pylonen begrenzt. Und wer die Poller mehrfach berührt/wegschiebt/ignoriert, wird von der Rennleitung auf ein „Beratungsgespräch“ in die Boxengasse gebeten.

 

Den ersten diesbezüglichen Rüffel hat sich dann unser Abiturient eingefangen. Und wie bei uns vor 30 oder mehr Jahren hat sich der Beni sofort verteidigt, so von wegen: kann gar nicht sein, lagen in der Mitte, mir ham nix berührt etc. Aber wenn der Streckenposten einen anhält, weil der Poller noch unterm Auto mitschleift, ja, was soll man da noch sagen.....die brauchen den Poller ja schließlich. Corpus Delicti!

 

Ach so, eigentlich sollten noch ein paar Facts bzgl. Team Auto, Begleitpersonen und so zum besseren Vorstellungsvermögen hier stehen.

 

Los geht’s: Mani und Beni´s Escort, 1600er, Anhang „K“, vom Veranstalter vorgeschriebene Vredestein Arctrak mit Ösi-konformen Straßenspikes. Und die müssen zwingend alle Teilnehmer fahren, was die ganze Sache schon mal sehr fair macht. Mani, Beni und ich, entsprechende Boxenstopps vom Abiturienten berechnet, 4h Stunden Rennen, 3 Stopps.

Kathrin, meine Frau, der ist auch nix zu dusselig, hat sich bei meinem Turn mit reingesetzt (Doch, das geht bei dem Rennen. Ist ja eine Gleichmäßigkeitsfahrt im Wasserschutzgebiet.) Naja und da will man ja auch ned doof aussehen und hat sich entsprechend angestrengt. Allerdings ihre Kommentare zwischendurch, z. Bsp. : die Gruppe da vorne, die könntst ja schon noch einholen.... ja Schatz, gleich.. Ich weiß ja auch nicht.

 

Beni hat sich auf den Beifahrersitz eine Cristina gesetzt, die laut eigenen Informationen gerne das Beifahrerinnen-Handwerk erlernen würde. Vielleicht würde sie auch gerne dem Beni das Handwerk legen - wir wissen es nicht. Cristina ist - sage und schreibe - insgesamt, mit Training/Qualifying und Rennen, während ca. 4h auf dem heißen Sitz gehockt, womit man ihr schon mal eine gewisse „Schussfestigkeit“ attestieren kann. To be continued.

„HASI“ Teil II / Rennen


Nach dem Qualifying gibt’s ne Einführungsrunde hinter einem Führungsfahrzeug (Subaru 4WD, Feigling der...), das sich dann aus dem Staub macht und 30 völlig geistig vernebelte Eisfahrer ihrem Schicksal überlässt. Aus der Pole Position setzt sich ein Käfer-Cabrio mit einem exzellenten Fahrer am Steuer sofort mit unspektakulärer, aber cleverer Fahrweise vom Hauptfeld ab. Porsche 911 (Patrick Simon, immerhin..) und Kollegen mühen sich zwar redlich ab, sehen aber nach ca. 2 Runden nicht mal mehr den Käfer Doppelrohr-Auspuff. Das Ding hat aber auch eine Traktion aufgebaut, da könnte sich mancher Allradler ne Achse davon ausbauen.

 

Mani, als Sandwich Startfahrer zwischen allen der Welt Entrückten, wehrt sich wie Weiland Aragon gegen die Orks im Kampf um Mittelerde. (Für Nicht-Insider – Herr der Ringe, Teil II, Schlacht in Helm´s Klamm). Und der Escort („the Brave“) ist total brav gefahren, vorausgesetzt man hat die Drehzahl immer schön über 3000 U/min gehalten.

 

An der Spitze ergab sich nach ca. einer Stunde folgendes Bild: Dieses unsäglich unsportlich aussehende Cabrio, dahinter ein 911er (Moser), dahinter noch ein 911er (Simon), dann nochmal Käfer, aber wenigstens geschlossen (Memminger) und weiter weiß ich nimmer. Die ersten Fahrerwechsel, teilweise strategisch, teilweise konditionell, stehen nach ca. einer Stunde an. Ich übernehme den „Braven“ von Hasi, hehe......, also Mani. (Den „Hasi“ hamma ihm bei der Abfahrt zum Hauptstart noch schnell drauf gemalt. Kam gut!)

Ich hab mich dann unter den ständigen Kommentaren meiner Frau (z Bsp.: jetzt geht’s!) redlich abgemüht. Eins muss ich ja schon sagen, des is a Mordsgaudi! Du saugst dich da in die Schneewolke von einem Pulk rein, alle 200 Puls, alle Messer zwischen den Zähnen und alle zusammen dann zu spät auf der Bremse. Aber die ballern sich jetzt nicht gegenseitig in die Autos. Keine Sorge, zum Schluss siegt schon die Vernunft. Kleine Blessuren kommen halt eher selten vor, das ist im Rennsport auch nix Außergewöhnliches. Ich meine, wenn der Hintermann dir vertraut, weil du vorne immer an einem bestimmten Punkt gebremst hast, dann kann der schon mal erschrecken, wenn dein Bremspunkt auf einmal fünf Meter früher kommt.

 

Vorne ergab sich zwischenzeitlich folgendes Bild:

 

Das Cabrio litt unter Inkontinenz im Ölkreislauf, was selbst unter hartgesottenen Freunden der Vollgaszunft in einem Wasserschutzgebiet nicht gerne gesehen wird. Over and out. Patrick Simons Teamkollegen kamen mit dem 911er auf Eis nicht sonderlich gut klar, der zweite 911er, Smallbody vom Team Moser dafür umso besser. Die hielten derweil die Spitze. Zwischenzeitlich hatte sich aber ein 320 BMW in die Top Drei geschleudert, Team Raab, völlig serienmäßig, gefolgt von irgendeinem 944er oder 924er Porsche. Eine eidgenössische Abordnung aus der Schweiz mühte sich redlich mit dem 944er ab und strandete geradezu grandios vor den Augen des Verfassers hilflos untersteuernd im zeitraubenden Tiefschnee.

 

Zwischenzeitlich übernahm -Jugend forscht- im Team Eberhard, der Junior, mit der unermüdlichen Cristina aufm Beifahrersitz. Dann hat sich der Junior 5 Runden lang hinter einem wirklich dämlich fahrenden 190er Benz abgemüht, ihn endlich zur Strecke gebracht.....und sich dann selber weggedreht. Puls 210, bordeauxrote Birne, solchermaßen hochmotiviert war Beni nach 4 Runden wieder dran und dann auch vorbei.

 

Zur Schlussphase (oder schreibt man das jetzt Schlussfase?) übergibt der Junior wiederum an den Senior, auf Platz äh.... irgendwas zwischen 13 und 15.

Hasi, Verzeihung, Mani bringt den Braven, der wirklich Runde für Runde ohne Zicken läuft, routiniert, mit kleinen Scharmützeln auf Platz 13 zurück auf die Plane. Wir erinnern uns, Wasserschutzgebiet.

 

Einige Dinge, die wir final noch nicht ganz wasserfest haben: War Hasi jetzt der Kosename für den „Braven“? Oder für Mani?

 

Und - das beschäftigte ja irgendwie alle - Cristina, die angehende Beifahrerin....die bringen wir, irgendwie zwischenmenschlich betrachtet, ein wenig mit Beni in Verbindung. Ohne Rallyeauto, wenn das Eis mal gebrochen ist, in Lungaugrad.

 

Ach so ja, dieses noch: Gewonnen hat Team Moser auf einem 911er, vor einem E30 BMW 320 und ich glaube ein Käfer war dahinter. Aber so genau interessiert das auch niemand. In jedem Fall a Fetzngaudi!

 

HoLaMü

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