Gr.B Rallyelegenden 10. - 11- 7. 2015 in Saalfelden

Einblicke, Eindrücke und Einmaligkeit nach dem Motto „viel Gripp bringt gute WP-Zeiten, aber wenig Gripp geile Drifts und jubelnde Zuschauer“

 

Weitere Infos unter www.gr-b-rallyelegenden.com/news/

 

Nun hat also das Spektakel mit der nüchternen Bezeichnung „Gruppe B Rallye Legenden“ zum zweiten Mal nach 2014 seine Zelte (sprich Fahrer-Lager) in der reizvoll vor hochalpiner Bergkulisse gelegenen Stadt Saalfelden im Salzburger Land aufgeschlagen.

 

Aber Zelte unter freiem Himmel waren es keineswegs, sondern ein komfortables überdachtes Parkdeck auf dem Dach des Interspar Einkaufszentrums. So etwas dürfte bei Rallye-Veranstaltungen ziemlich einmalig sein, dass Rallye-Boliden, Schrauber und Fahrer vor Regen und Sonne gleichermaßen geschützt sind.

Anders als im Vorjahr war es diesmal glücklicherweise der Schutz vor Sonne und Hitze.

 

Ein weiterer Vorteil ist dabei, dass Teilnehmer wie Zuschauer bei Bedarf (und sonstigen Bedürfnissen) einfach mit dem Lift ins Erdgeschoß fahren um dort den Hunger zu stillen oder Kaffee und Eis zu genießen und die sanitären Einrichtungen in Beschlag zu nehmen.

 

Zudem liegt das Einkaufszentrum an der Bundesstraße von Lofer nach Zell am See, sodass man - von München kommend über die A8, Ausfahrt Siegsdorf - quasi direkt auf das Fahrerlager zufährt … und hoppla! … sogar reingelassen wird. Ein „Zuschauer“-Team der Magraner aus der Gegend vom Ammersee hat‘s geschafft, seinen „Service“-Audi dort exklusiv im Schatten zu parken ;-).

Übrigens war die Zahl der angereisten Magra-Zuschauer leicht zu ermitteln (Elke und Peter G., Brigitte und Walter Z.). Vielleicht haben sich noch ein paar unters Rallyevolk gemischt, sich aber nicht zu erkennen gegeben.

Doch jetzt zum Ablauf: Der Wettbewerb erstreckte sich über zwei Tage, mit jeweils 9 WPs am Freitag und am Samstag.
Wer - wie wir (Brigitte und Walter) - bereits am Freitagnachmittag angereist war, konnte an einigen „Brennpunkten“ (heiße Fahrmanöver sowie Sonne pur) auf den in relativ kurzer Entfernung von einander liegenden WPs die Rallye-Schmankerl der unterschiedlichsten Wertungsklassen aus den 80ern und 90ern bestaunen und beklatschen.
Toll ist, dass man viele Teilnehmer aus dem letzten Jahr wiedererkennt, die einem aufgrund eines außergewöhnlichen Fahrzeuges und ihrer Fahrweise in Erinnerung geblieben sind.

 

Besonders spannend ist es, wenn das eine oder andere Auto um die Kurve fliegt, bei dem man die Fahrspaß-Gemeinschaft schon kennt, wie Arwed Hafner im BMW 2002 sowie Thomas Zuppardi im BMW M3 als Vorauswagen oder Kalle Grundel und Klaus Hopfe im (sehr kleinen!) roten Steyr Puch 650 (Startnummer 1), Manfred und Benedikt Eberhard mit ihrem beigefarbenen Ford Escort 1600 (Nr. 12) sowie Alfons Stock mit dem Golf II GTI (Nr. 33).

Ganz besonders hat uns gefreut, dass wieder viele Italiener das Treffen der Fahrspaß-Gemeinschaften komplettiert haben. Den größten Idealismus bewies der Australier David Cavanagh, der mit seinem Porsche Carrera, Baujahr 1976 die weiteste Anreise vorweisen konnte (die längste Strecke aber mit dem Schiff bis England zurücklegte).


Ganz nebenbei zum Thema Fahrspaß-Gemeinschaften:
Da diese Rallye ein reines Schaulaufen ohne Zeitnahme ist, bei dem jedes Team im Rahmen seiner (technischen, fahrerischen und finanziellen) Möglichkeiten mit ganz eigenem Stil unterwegs ist, stehen der Spaß und die Unterhaltung im Vordergrund. Und zwar für die Teilnehmer wie für die Zuschauer!
Am besten konnte man das vor allem bei den WPs auf dem ÖAMTC Fahrsicherheitszentrum am Freitagabend (die „Nacht des Donners*) und am Samstagvormittag (selber Rundkurs in entgegengesetzter Richtung) sowie am späten Nachmittag auf dem abschließenden Stadt-Rundkurs („Hexenkessel“) im Zentrum von Saalfelden erleben.

Wer sich beim Rallye-Sport nicht nur für die reinen Fakten wie Ideallinie, WP-Zeiten und Ranglisten interessiert, sondern vor allem für eigentümliche und selten gewordene Fahrzeuge, Rallye-Helden aus früheren Zeiten und außergewöhnliche Show-Einlagen, der ist bei diesem Ereignis genau richtig!

Dafür lohnt es sich, in knapp 2 Stunden von München nach Saalfelden zu fahren und für ein paar Stunden aufregenden Motorsport hautnah wie in einer Arena (Fahrsicherheitszentrum) zu erleben. Das ist dann purer Spaß mit Ansage (Infos vom Stadion-Sprecher zu den Teilnehmern und zur Historie der Autos).

Man spürt hier, dass die Nähe zwischen Publikum - in diesem Jahr um einiges mehr Zuschauer als im 1. Jahr - und den Rallye-Teilnehmern die Begeisterung auf beiden Seiten in die Höhe treibt, ja dass die Fahrer die Kulisse genießen und manche ihr Können und ihren (alten) Ehrgeiz genauso zum besten geben, wie wenn es um die schnellste Zeit und den Triumph über die Konkurrenten geht.

Da zeigen die einen die tollsten Drifts (notorische Quertreiber), drehen lieber eine Runde mehr als im Bordbuch vermerkt (wer falsch zählt, hat mehr Spaß) oder legen unter riesigem Applaus eine Serie von Donuts auf den Asphalt, bis der Gummi-Nebel aufsteigt.

Zu den begnadeten Driftmeistern zählen vor allem die Teams aus Italien mit ihren BMW M3, Fiat 131 etc., aber auch die Zeltners mit ihrem Zebra-Porsche 911 sowie einige der zahlreichen Audi Quattros. Ja, auch ein Quattro kann quer, wenn er die „richtigen“ Reifen dran hat (z. B. grobstollige alte Winterpneus)!

Und die anderen packt im Angesicht der Vorausfahrenden das Jagdfieber, sodass die Risikobereitschaft steigt, die Fahrer ihr ganzes Können aufblitzen lassen (Hei, da kommt einem das Kribbeln, da musst Du in Gedanken mitfahren!) und ihr Fahrzeug bis an die technischen Grenzen ausreizen. Dann kann es passieren, dass das Wollen des Fahrpersonals mit den Gesetzen der Physik nicht mehr im Einklang ist und so das Fahrzeug die optimale Bahn verlassen muss.
Wenn dabei der Platz für Korrekturen ausgeht, dann wird es eng und irgendetwas muss nachgeben. Beispielhaft zeigte das am Samstagvormittag auf dem Verkehrsübungsgelände der VW Golf II GTI von Alfons Stock.

Der Alfons näherte sich schon mindestens seit einer Runde mit ungebrochener Leidenschaft und fahrerischer Klasse dem Heck eines Konkurrenten. Es war förmlich zu spüren, dass er diesen gerne schnupfen wollte.

Doch war er wohl etwas zu flott auf die Linkskurve zur Auffahrt über den großen Hügel zugeschossen, sodass sein Golf etwas zu weit nach rechts ausholte und dabei einen Reifenstapel abklatschte. Das Auto verlor das Gleichgewicht, stellte sich auf die beiden rechten Räder und balancierte so in Richtung Leitplanke. Dadurch war der Raum begrenzt um wieder auf allen „Vieren“ zu landen. Stattdessen verlagerte sich der Schwerpunkt in die falsche Richtung und der Golf rutschte mit der linken Seite und dem Dach über die Leitplanke, bevor er mit einer eleganten Rolle seitwärts doch noch auf die Räder kam.

Der Golf war zwar wieder auf der Fahrbahn, aber mitten auf der Auffahrt über den Hügel und er rollte auf die linke Seite ins Gras. Alfons konnte zwar mit einem Schlenker nach rechts nochmal zurück auf die Piste, aber an der Steigung ging nichts mehr.

Und das Fazit: Am Ende blieb der „Jäger“ auf der Strecke. Sehr schade, weil wir den Alfons und seinen Beifahrer gerne noch im „Hexenkesse“‘ in Saalfelden gesehen hätten.

Aus gut unterrichteten Kreisen konnten wir erfahren, dass der Alfons noch eine Ersatzkarosse unter dem Werkstattdach hängen hat. Somit darf spekuliert werden, ob er im nächsten Jahr wieder mitmischt. Auf ihn und all die anderen Teilnehmer freuen sich die Zuschauer der Rallye Legenden.

 

PS: Vielleicht ist im nächsten Jahr auch einer der sehr seltenen Opel Kadett D am Start. Näheres könnte im Umfeld der Magraner zu erfahren sein.

 

WZ

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