34. Rally Città di Bassano (I), 29./30.09.2017

Italienisch für Fortgeschrittene

Buon giorno a tutti. Servus zusammen.

 

Nachdem Slowenisch keine Sprache ist, zu der ich auch nur den geringsten Zugang habe, probier ich das mal mit Italienisch. Ich kann Euch da jetzt nicht helfen, da müsst ihr einfach durch. Slowenisch verstehe ich übrigens dermaßen schlecht, dass ich mich zusammen mit meinem Beifahrer auf der Rallye Velenje in einer Linkskurve bergab diagonal ins Aus begeben habe. Damit wäre im Großen und Ganzen der Bericht zur Fuchs Rallye Velenje schon mal abgehakt.

 

Allora andiamo - auf geht´s, pack ma´s.

Ich hab ja mit meinem Beifahrer schon richtig Massel (Fortuna). Der ist aber sowas von penibel wenn‘s um optische Sachen geht, da darf ein Clio nach einem Ausrutscher (siehe oben) keine kleine Beule im Radlauf haben. Erschwerend kommt hinzu, dass er auch noch gelernter Karosseriebaumeister ist. Ich hätte die Velenje-Beule a weng ausgedengelt und poliert - basta! Der Jan nicht, da muss das alles wieder wie neu aussehen, mit neuer Lackierung und so. Tutti completti!

 

Jetzt aber mal zum Thema, bzw. zur Rallye Città di Bassano. Dort bin ich gefühlt vor 10 Jahren, in echt aber vor 20 Jahren mal gefahren. Eine WP, finito!

 

Das sollte jetzt besser werden. Dazu muss ich gleich eine Erklärung abliefern, wieso wir mit einem lustigen Auto die Besichtigung absolviert haben. Das ist ein Nissan Cube, mit einem Radlträger hinten dran. Könnt ihr ja mal gugeln, wie der aussieht. Kommentar M. Steininger: Mia ham uns scho denkt, was für Pfeiffn mit so ana Missgeburt von Auto den Ruf des Rallyesport schädigt. Und dann a no mid am Radlträger!

 

Das ging einfach logistisch nicht anders. Erster Ausfall: Servicemann aus der Pfalz (assistenza), zweiter Ausfall: Jan´s Anhänger (rimorchio), auch aus der Pfalz . Alles wie üblich, wenige Tage vor der Rallye.

Mani Eberhard mit Sohn Beni (Benedetto), den beiden ist aber auch nix zu dämlich, haben nach einer organisatorischen Bedenkzeit von circa 1,5 Sekunden zugesagt. Und deshalb blieb uns als Besichtigungsauto nur der Cube. Jan hat inständig gehofft, dass ihn niemand erkennt. Ich lass‘ da aber nix drüber kommen über den Cube, der hat seinen Job richtig gut gemacht. Capito? Obwohl der Jan nach der zweiten Runde zur WP Campo Croce nach eigenem bekunden um eine kurze Pause bat, da er ein wenig seekrank war. (Io sono un poco male/mia is´s a weng schlecht...)

 

Il regolamento / das Reglement

Unser Auto ist für solche Rallyes als Gruppe N zu verstehen. (Motori seriale) Aber die durchaus sportlich elegant anheimelnde Dachhutze steht dem optisch a weng entgegen. Ergo bat ich um nachträgliche Umstufung in Gruppe A, was auch so vermerkt wurde. Bei der Abnahme einigten sich die Sportkommisare auf folgendes: Unser Auto klingt brav nach Gruppe N, der fährt Gruppe N. Selbstverständlich ohne uns darüber zu informieren. Mehr dazu später.

 

Zu den WP´s (Prova Speciale)

Wenn du in Deutschland versuchen würdest, für eine WP wie z. Bsp. Campo Croce, eine Genehmigung der Behörden zu erhalten, so würden vermutlich direkt nach der Anfrage zwei  wohlproportionierte Sanitäter mit einer Zwangsjacke neben dir stehen und dir da reinhelfen. Oder auch die zweitlängste Prova Speciale, Valstagna. Da liegt der Start an der Passstraße (neue deutsche Rechtschreibung, 3 normale "s", ein scharfes....mir graut...), malerisch zwischen Felsen und einem kleinen Fluss (fiume). Nach ca. 300 m Geschlängel geht´s zünftig mit einer Rechtskehre (tornante) nauf auf´n Berg. Die Kehre baut man in Italien für die Rallye um,  zu einer Art Theatron für die Zuschauer (spettatori), darüber standen noch die Zelte der Hardcore Rallyefans von der Nacht. Und so geht das 12 km weiter. An Zuschauern wird alles aufgeboten, was die Familie (la famiglia) hergibt. Frau/Freundin/Kinder/Vater/Mutter....und die Oma (nonna) schieben wir mit ihrem Rolli auch noch dazwischen. Allora, los geht´s - 5 – 4 - 3 - 2 - 1 . Zunder! Hach, grad schön is´s, die Michelinen bauen zügig Grip auf, schwupps, die erste Kehre mehr oder weniger gut erwischt, Auto fühlt sich gut an, Jan ist nimmer seekrank.

 

Nochmal regolamenti:

Bei uns in Germania ist das auf der WP meines Wissens so, dass du in dem Moment, wenn gelbe Flaggen wild geschwenkt werden, vom Gas gehst und dich anhaltebereit machst. Code 60. Der Fahrer (concurrente) vor uns hat sich in der Ortsdurchfahrt chefmäßig weggefeuert, die Straße mit allerhand Fahrzeugzubehör garniert und stand quer auf der Fahrbahn. Die Besatzung war a weng fahl im Gesicht, aber nix passiert. Nach etwas über einer Minute Standzeit alles palletti, wir wollen normal, eben Code 60, weiter bis ins Ziel fahren. Die Flaggen waren immer noch draussen, da ballert der nachfolgende „concurrente“ an uns vorbei und verschwindet unter Einbeziehung der Handbremse ums nächste Eck.

 

Im Ziel wurde dieser Umstand (Zeitgutschrift/bonificazione) auch gleich an die Commisari Sportivi weiter gegeben - man kümmert sich darum. Um´s vorweg zu nehmen - nix (niente) ist passiert, die Minute war unser. Was in der Gruppe A auch wurscht war, da wirst eh nach hinten durchgereicht. So dachten wir zumindest.

 

Nachtrag - im Ziel der darauffolgenden Prüfung habe ich dann nur mal so aus Interesse meine Stoppuhr gestartet, um zu sehen um wie viel besagter Pilot wieder schneller auf der Piste war. Man hat das Ziel da gut einsehen können. Aber der kam nimmer, der hat für die nächste Startunterbrechnung gesorgt. Gottes Mühlen mahlen langsam.... aaber, sie mahlen.

 

Unsere Assistenza-Burschn hatten außer routinemäßigen Arbeiten, reichlich Treibstoff nachschenken und Reifen wechseln glücklicherweise nicht viel zu tun. Nur, gegen Ende der Rallye hat der Clio dann im unteren Drehzahlbereich das Gas schlecht angenommen und die Meldung "Abgassystem überprüfen" angezeigt. Hat sich aber wieder gebessert, wir bleiben da trotzdem dran.

 

Ach ja, ich habe dem Clio im Vorfeld einen feinen Lampenbaum mit Xenon-Befeuerung spendiert. Ich mag das ja, nachts fahren, am besten noch bei Regen oder Nebel - am besten alles zusammen. Entsprechend gut gelaunt sind wir in die Dunkel-Runde gefahren und der Müller hat auf der Überführung (trasferimento) das Ganze schon mal a weng probiert. Doch doch, in Italien kann man das schon machen. Muss man auch manchmal, weil die Etappenschnitte alles andere als gemütlich sind. Ob´s vom Veranstalter so geplant war, oder einfach ein Fehler bei der Berechnung der Etappenzeiten sei dahin gestellt, jedenfalls mussten wir 80%iges WP-Tempo auf der Überführung fahren um "al punto" in die ZK-Zone einzufliegen. Schweissperlen auf der Stirn, Helm auf, dieses verfickte HANS anclipsen (das nervt mich unendlich...), 3 Minuten später<. 5 – 4 - 3 - 2 - 1 los....Campo Croce noch halbwegs hell, da brauchts den Christbaum noch ned.

 

Zur zweiten Runde war‘s dann schon recht finster, die Überführung wieder zügig.....ich hab mich sooooo gfreut. Und dann wird die Prüfung abgesagt. Annullata! Aaannullaaata! Ja spinnt ihr Tifosi? Ihr macht die besten Pizzas, die tollsten Spaghetti (al dente), den gehaltvollsten (oh ja!) Rotwein und dann wird die geilste, dunkelste, die längste Prüfung aaannullata/abgesagt? Grande Depressione....

 

In der felsenfesten Annahme, dass wir in der Gruppe A/2Liter nicht viel, bzw. niente zu vermelden haben, sind wir über die Dunkelprüfung wenigstens drüber gerollt und anschließend direkt nach Bassano, Piazza Libertà zur Zielrampe. Was für ein Alarm! Die ganze Stadt ist rund um die Piazza auf den Beinen. Kathrin reicht uns zur Ankunft gleich zwei Flaschen (bottiglie) Oktoberfestbier ins Auto. Huih, die ziehen direkt ins Kleinhirn. Fürs erste dümpeln wir so ein wenig sediert im Auto vor uns hin, haben Durst (sete) und Hunger (fame). Und dann werden wir aufs Podium gebeten und die beiden Mädels (die waren übrigens echt fesch und für italienische Verhältnisse sehr groß) reichen uns zwei Pokale! Passiert war folgendes: Wir wurden den ganzen Tag in der Gruppe N3 gewertet, haben davon aber nix mitbekommen. A weng ärgerlich dennoch, weil wir in Unkenntnis der Sachlage, uns um die Minute nicht gekümmert haben. Aber frei nach Lothar Matthäus:  wäre, wäre Fahrradkette!

 

Es hat uns gefallen, nicht zuletzt weil wir da mal mehrere Magra-Teams waren, die Schölderles, die Göckels, der Alex Hagenbuchner, der Arwed Hafner (hat mei Kathl mit nach Bassano genommen, Dank dafür) Benny Singer, Gassners - grad schön wars. Piacere tanto!

 

Allora ragazzi, adesso è finito. (Frei nach Giovanni Trappatoni - ich habe fertig!)

 

Nachtrag: Die italienischen Supermercatos haben teilweise sonntags (Domenica) geöffnet (aperto). Das war teuer, aber die Prosecco Vorräte, Vino Rosso, Barrilla (Pasta), Kekse (Biscotti) etc. dürften nun bis Weihnachten reichen. Da macht der Feinkost Spina erst mal keinen Stich mehr. Psst, der Valdo kostet in Bassano 4,90€ - 4,90€!

 

HoLaMü

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