5. Tuscan Rewind Storico 28. – 30.11.2014

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Am ersten Adventswochenende dieses Jahres machte sich das Team Stock/Stock auf den Weg nach Montalcino, um ihre letzte Rallye des Jahres unter die Räder zu nehmen.

Während sich die Prominenz (oben "Lucky" mit Fabricia Pons, unten Harald Demuth mit Wolf-Dieter Ihle) beim Shakedown schon mal eine Dusche gönnte....

...bereitete sich das Team (unten) und das Fahrzeug (oben) auf den Start vor.

Dann ging es über die unstaubigen Wertungsprüfungen, durch pittoreske Städtchen..

... und die Weinberge zu den verschiedenen, sehr nahrhaften Zwangspausen und den arbeitsintensiven Serviceplätzen....

... und nach dem zweiten Rallyetag mit spannenden Elektikproblemen, schmutzverkrustet aber glücklich, auf die Zielrampe!

5. Tuscan Rewind Storico 28. – 30.11.2014

...oder der Motorendauertestlauf!

 

Italien - Toskana - 100% Schotter - 1. Advent....Häh? Ja, richtig gehört! Die diesjährige Tuscan Rewind wurde auf Grund einiger organisatorischer Probleme tatsächlich vom 28. bis zum 30. November rund um Montalcino ausgetragen, so dass wir am 1. Advent statt eine Kerze anzuzünden und uns mit Plätzchen den Bauch vollzuschlagen auf alten San Remo Prüfungen versuchten, den Italienern zu zeigen, was die Bayern so an Driftwinkel zu bieten haben.

 

Der Termin verhinderte zu unserem großen Bedauern leider auch den Start der Familie Schölderle und die Begleitung unseres "Wildlife-Kameraexperten", "Erfahrenen Whirlpooltesters" und "Promovierten Versogungsmanagers für alkoholische Getränke" Jakob (Auszug aus seinem Bewerbungsschreiben). Auf der anderen Seite wäre die Poolparty dieses Jahr auf Grund von leichtem Regen und Temperaturen um die 10 Grad sehr wahrscheinlich eh ins Wasser gefallen (Achtung: Wortwitz!).

 

An- und Abreise gestaltete sich in diesem Jahr entgegen aller Prognosen als äußerst unkompliziert, schon fast langweilig. Ob das daran lag, dass das zweite "S" aus S+S-Abenteuerreisen fehlte, mag ich hier nicht zu mutmaßen. Jedenfalls befanden sich mein Fahrer und ich bereits am Mittwochabend zur ersten Pizza in unserer Stammkneipe, der Belvedere-Bar in Montalcino, wo wir von den Besitzern freudig begrüßt wurden. Ob das wiederum in irgendeiner Weise mit unserem Konsum von Pizzen, Spritz und Bier in den letzten Jahren zu tun hat, kann ich ebenfalls nur mutmaßen.

 

Die Besichtigung der Wertungsprüfungen am Donnerstag hingegen wurde dem Ruf der Abenteuerreise schon wieder eher gerecht, denn eine "Wasserdurchfahrt", welche sich die letzten Jahre gut versteckt hatte, war vom lauen Wässerchen zur reißenden Flut geworden und unpassierbar. Da ich zum Glück eine gute Topo-Karte dabei hatte, konnten wir mit einem kleinen Umweg die Prüfung trotzdem komplett besichtigen. Die restlichen WPs waren nur teilweise vom starken Regen, der Italien in den letzten Monaten heimgesucht hatte, etwas ausgewaschen aber sonst in tadellosem Zustand und bestanden neben einer neuen, sowie einer geänderten Prüfung aus alten Bekannten. Ähnlich verhielt es sich bei der Konkurrenz: einige alte Bekannte (Guggiari auf Fiat 131), einige Veränderungen (Lucky mit Fabrizia Pons auf Lancia 037!) und einige Neue (Callum auf Ford Escort).

 

Über Nacht reiste schließlich auch unsere Servicecrew, bestehend aus der Moni, an, welche dankbarer Weise noch spontan einen Fahrer für sich auftreiben konnte. Dass dieser Harald hieß,  Deutscher Rallyemeister war, international auch nicht ganz unbekannt und auch noch das selbe Reiseziel hatte, kann bloß als reiner Zufall bezeichnet werden! Aber es waren schließlich doch nicht nur die einheimischen Spezialitäten, welche das Ehepaar Demuth in die Toskana zog, sondern pilotierte der Herr einen originalen Manta 400 Safari von Wolf-Dieter Ihle als Vorausauto. Und das tat er dermaßen spektakulär, dass es nicht einmal die Italiener mehr störte, dass Walter Röhrl kurzfristig absagen musste. Vor der Rallye bekamen sogar Michael und ich, sehr zum Entsetzen der Moni ("Du bist fei ned versichert!") die Gelegenheit, dem Opel mal auf den Zahn zu fühlen. Und auch wenn ein gewisser M. Ring uns per Ferndiagnose nahelegte, unsere Klamotten hinterher zu verbrennen ("Die sind jetzt Opel-kontaminiert!"), war es beeindruckend wie die 310 Pferdchen aus 50er (!) Weber-Doppelvergasern einem bei 1000 kg Fahrzeuggewicht (inkl. Sprit) ins Kreuz springen!

 

Aber auch unser Porsche hatte eine kleine Leistungskur hinter sich. Nach dem Kupplungsdefekt auf Elba bekam er bei der notwendigen Motor- und Getrieberevision gleich noch etwas schärfere Nockenwellen, zusammen mit einer Sechs-in-(fast)Nix-Auspuffanlage spendiert. Dadurch waren akustisch locker 450 PS mehr vorhanden, und die italienischen Fans nahmen es mit Wohlwollen auf, dass nun offensichtlich auch endlich diese Bayern ihren Käfermotor gegen was Richtiges getauscht hatten. Da wir auch noch an der VHS zwei Kurse italienisch belegt haben, was zum Leidwesen aller Italiener auch gleich fleißig ausprobiert wurde, fühlten wir uns am Start zur Rallye so gut vorbereitet wie noch nie.

 

Und so krochen wir am Freitag, nach einem lustigen Abend mit viel Steak, Wein und Rallyeanekdoten von dem richtig sympathischen Harald Demuth und dem äußerst witzigen Harri Toivonen (Richtig! Toivonen...der Bruder von dem Henri Toivonen und selber richtig schnell), mit einem guten Gefühl ins Bett.

 

Die erste Prüfung am Samstag begann dann auch schon richtig gut, schließlich ist man nicht jeden Tag schneller als ein Skoda Fabia S2000 (!), auch wenn gegen unseren schnellsten Historischen, nämlich Lucky auf seinem 037, kein Kraut gewachsen war. Im weiteren Verlauf hatte Michael dann aber noch mit dem neuen, ungewohnten Drehzahlverhalten durch die neue Nockenwelle zu kämpfen, so dass nicht immer der richtige Gang zur richtigen Zeit zur Hand war.

 

Als wir dann jedoch an einer ZK von Fans darauf aufmerksam gemacht wurden, dass es sich mit Luft im Hinterreifen wohl doch besser fahren lässt, begannen die Probleme. Mangels einer geraden Fläche wo uns das Auto nicht vom Wagenheber zu fallen drohte, mussten wir verbotener Weise an Ort und Stelle wechseln, was zu einer Zeitstrafe von fünf Minuten führte und so unsere Rallye beendete, bevor sie richtig beginnen konnte.

 

Mit beginnender Dunkelheit und einsetzendem Nieselregen wurde es nicht einfacher. Die tückischen Gripp-Verhältnisse wurden schließlich Lucky in einer Rechtskehre nach einer blinden Kuppe zum Verhängnis und im Licht unserer müden Lampen (Zusatzscheinwerfer waren noch mit ihren Schutzkappen versehen! Dazu lesen sie bitte "Probleme beim Nachtfahren" aus meinem Elba-Bericht!) konnten wir ihn ohne größeren Schaden im Graben ausmachen. Um den Tag abzurunden fiel uns im Tagesziel noch auf, dass der Motor zwar einwandfrei läuft, aber sich leider nicht mehr starten lässt, wenn man ihn abstellt.

 

Damit schliefen wir in der zweiten Nacht schon bei weitem nicht mehr so gut, und sonntagmorgens wurde mit Hilfe des Service von Wolf-Dieter (an dieser Stelle ein riesen Dankeschön an Sven, Arndt und Wolfgang, welche uns neben der Moni super unterstützt haben!) einige Notfallpläne zurecht gelegt. Das Auto aus dem Parc Fermé zu bekommen gestaltete sich dann einfacher als gedacht da, ganz italienisch, sämtliche Offizielle mit anpackten und uns heraus schoben. Aber auch mit improvisiertem Masseband und Starthilfebox ließ sich der Boxermotor nicht zum Leben erwecken, so dass letztendlich nur noch anschieben half. Dass wir ihn zum Laufen bekamen, bedeutet schließlich für uns zweierlei: Erstens war unsere Rallye noch nicht vorbei, und zweitens durften wir auf keinen Fall den Motor ausgehen lassen! Und um es vorweg zu nehmen, wir erreichten nach einem 6,5 stündigen Motorendauertestlauf über 4 WPs und zahlreiche Regroupings ohne auch nur einmal den Motor abzuwürgen tatsächlich das Ziel. Dass wir "nur" als 6. über die Rampe fuhren war uns letztendlich egal... es überhaupt wieder bis Montalcino geschafft zu haben begossen wir, müde und dreckig wie wir waren, direkt mit zwei großen Spritz im Belvedere.

 

So füllten wir, ohne es zu wollen, doch wieder eine neuen Seite im großem Buch der Abenteuerreisen und erlebten Geschichten, die wohl bloß der Rallyesport so schreiben kann...und wir kommen wieder!

 

Matthias

 

Hier dann noch ein Video im "Hollywood-Style" (nicht ganz ernst gemeint ;-)

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