Rallye Elba Storico vom 19. - 21.9.2013

...oder wenn einer eine Reise tut!

 

Nachdem die Teams Schöderle/Schölderle und Stock/Stock nach der diesjährigen Tuscan Rewind, welche mit einem Doppelausfall endete, noch eine Rechnung mit dem Thema „Rallye in Italien“ offen hatten, wurde als nächstes lohnendes Ziel die Rallye Elba Storico auserwählt. Da die Familie Schölderle dort bereits seit vielen Jahren als Dauergäste angesehen werden können und uns davon vorschwärmten, fiel die Entscheidung zugunsten der Insel rasch. Dass diese Veranstaltung ganz nebenbei noch mit einem Europameisterschafts-Prädikat aufwarten kann, ließ sich spätestens mit einem Blick in die Starterliste klar in Form von 4 (!) Lancia Rally 037 und unzähligen, sehr potenten 911ern, erkennen. Schön...auch die Stocks reisten mit ihrem 911 Safari an, allerdings kam sich dieser neben seinen italienischen Artgenossen wohl eher wie ein Käfer mit Startnummer vor. Ähnliche Gene, aber dennoch Grund verschieden! Den hinter der Umschreibung „potent“ steckt nichts anderes als der süße italienische Wahnsinn aus den Häusern Pentacar und Balletti, die aus leeren Rohren ihre enorme Kraft in Höhen bis zu 10000 Umdrehungen brüllen. Aber auch für Moni und Sepp kam der schärfste Konkurrent für ihren Lotus Elan aus der Zuffenhausener Autoschmiede, ein Porsche 912.

 

Aber von vorne. Am Anfang einer jeder Rallye steht bekannter weise die Anreise und jeder, der die Geschichten der gemeinsamen Ausflüge vorher genannter MAGRA Teams kennt, weiß, dass wir in Zukunft wohl Abenteuerreisen verkaufen werden getreu dem Motto: wenn einer (mit uns) eine Reise tut, dann kann er was erleben!

 

Jedenfalls verabschiedete sich zuerst aus einem Reifen an Sepps Hänger die Luft. Welcher, nachdem er gewechselt wurde, sich im Fährhafen aus Trotz komplett mit Felge von der Achse löste. Also musste eben der Anhänger mit 3 statt 4 Reifen rückwärts in die Fähre geschleift werden.

Folgerichtig bestand der erste Eindruck, welchen wir von Elba erhielten, aus einigen Hinterhof-Werkstätten. Tatsächlich fand sich eine in Portoferraio, welche sich nach einiger bayerisch-italienischer Diskussion schließlich in der Lage sah, den holländischen Hänger wieder fliegen..Pardon...fahren zu lassen. Die folgenden Tage wurden schließlich mit dem Abfahren der schönen, von unzähligen Kurven gespickten und zahlreiche Höhenmeter überwindenden Teerwertungsprüfungen und dem Verzehren der einen oder anderen Spezialität bestritten. Bis als nächster Streich sich der Stocksche Tiguan in seinem Notlaufprogramm verlor und auch durch „gutes“ Zureden nicht mehr daraus zu befreien war. So wurden nun noch die restlichen Werkstätten der Insel abgeklappert und das Gefährt schließlich bei der mit den meisten VW-Plakaten dekorierten abgegeben. Die Mietwagensuche, welche direkt im Anschluss stattfand, stellt sich als etwas komplizierter heraus. Trotz der Tatsache, dass auf der gesamten Insel keine Leihautos mehr gab, schaffte es unser Hotel doch noch etwas aufzutreiben. Allerdings stellte sich dieses Etwas als ein Fiat Punto Cabrio heraus, welcher seine besten Zeiten vor geschätzten Jahrzehnten gehabt hatte und ziemlich sicher aus privater Hand zu stammen schien. Aber da dies nicht der Zeitpunkt war wählerisch zu sein, wurden eben damit die restlichen WP‘s trainiert und je besser man sich auf die defekte Servolenkung, die kaputten Synchronringe im Getriebe und die äußerst schwammige Lenkung (es erwies sich als hilfreich ca. 25m vor der Kurve einzulenken und dann etwas zu beten) gewöhnt hatte, desto eher war man in der Lage die schlechten Bremsen zu ignorieren. Die Spannung erreichte ihren Höhepunkt als jenes Etwas zum Servicefahrzeug umgestaltet und ein Satz Reifen auf der Rückbank, sowie Werkzeug und Benzin im Kofferraum verstaut wurden. Mit der Moni (Stock) samt Strohhut am Steuer, sowie offenem Verdeck war das sogar für die an einiges gewohnte Rallyegemeinde ein erstaunlicher Anblick und stand doch etwas im Widerspruch zu dem nicht ganz kleinen Serviceaufwand vieler anderer Teams. Da hier, typisch für Italien, freier Service erlaubt war, kam etwas später auch noch zusätzliche Unterstützung für den Lotus in Gestalt von Alex Hagenbuchner mit dem, vom Sepp in liebevoller Kleinarbeit zum perfekten Servicebus umgebauten Vito nach Elba.

 

Donnerstagnacht standen die ersten Prüfungen auf dem Programm. Da das Nachtfahren leider überall aus den Rallyes verschwindet, hatten beide Teams auch gleich auf der ersten Prüfung mit einem sehr speziellen Problem zu kämpfen: Licht einschalten! Während Sepp schlicht und einfach vergaß seinen Tannenbaum zu aktivieren, fiel es Michael noch kurz nach dem Start ein...blöd nur wenn man im Sechspunktgurt nicht mehr an die Schalter kommt! Nachdem nun doch allen ein Licht aufgegangen war konnte sogleich die zweite Prüfung gegen 23 Uhr in Angriff genommen werden. Aus unserer Sicht ein absolutes Highlight der Rallye, da sich besagte WP durch die schmalen Gassen der Altstadt von Capolivere schlängelte, über Ortsplätze und Ausfallstraßen vorbei an tausenden von Zuschauern und Anwohnern die in dieser Nacht einfach erst ins Bett gingen als auch der letzte Teilnehmer im Licht seiner Scheinwerferkegel durch die Häuserschluchten gejagt war. So etwas kann es wohl nur noch in Italien geben!

 

Dennoch verflog der Reiz dieser Prüfung für uns Bayern, als Michael leider 500 m vor dem Ziel von der Straße abkam und wir vehement eine Mauer planierten. Zum Glück für uns können die Italiener offensichtlich nicht besonders gut mauern, denn was in Deutschland zum Totalverlust der Radaufhängung geführt hätte, wurde hier von unserem Kuhfänger eingerissen und wir konnten weiterfahren. Alex schaute nicht schlecht als wir zu ihm an den Servicepunkt kamen und er ein Mauerstück von einem geschätzten halbem Quadratmeter von unserem Kofferraumdeckel sammelte. Bei Tageslicht betrachtet hatten wir sogar noch mehr Glück, denn hinter dieser Mauer ging es doch ein paar Meter in die Tiefe.

 

Für Sepp und Moni kam es völlig unverschuldet noch dicker. In der kurzen Prüfung liefen sie auf das vor ihnen gestartete griechische Team auf, das sie absichtlich blockierte, nicht passieren ließ und so einen Zeitverlust von fast einer halben Minute provozierte. Im Parc Ferme zur Rede gestellt kam es zu wüsten Beleidigungen Seitens der Griechen („Merkel-Nazi“), welche vom Sepp charmant bayerisch entkräftet wurden und nur dem Eingreifen des Veranstalters ist es zu verdanken, dass die bayerisch-griechische Freundschaft nicht noch weiter belastet wurde.

 

Im Vergleich zur ersten Nacht verlief der darauffolgende Tag fast schon ereignislos, aber eben nur fast. Denn schon in der zweiten WP kam der Safari Porsche mit durchgefallenem Kupplungspedal ins Ziel und auch die verzweifelten Reparaturversuche blieben erfolglos. Um das Auto nach unserem Ausfall noch zum Hänger (Zugfahrzeug hatten wir ja keins) zu bewegen, waren artistische Einlagen meinerseits von Nöten. Ich schob solange bis der zweite Gang eingelegt werden konnte und ich in voller Fahrt ins Auto springen musste, was zahlreiche Einheimische und Touristen doch etwas zu verwirren schien. Für die Lotusbesatzung verlief der Tag ohne größere Probleme, nachdem ihnen eine Startzeit vor den Griechen zugewiesen wurde.

Am finalen Tag konzentrierten sich folglich alle Anstrengungen darauf den Lotus als Klassensieger ins Ziel zu bringen. Deshalb wurde der Alex noch durch meine Wenigkeit verstärkt und gemeinsam Service gefahren. Auch ich kannte die ganzen alten Geschichten über Heldentaten welche sich rund um das Thema Service ranken, aber das ganze einmal mit eigenen Augen zu sehen ist noch einmal etwas ganz anderes. Das scheinbar planlose Chaos, wenn ganze Armeen von Servicetrucks mit ihren zugehörigen Mechanikern auf Parkplätzen einfallen und innerhalb von Sekunden mobile Werkstätten errichten, in denen so gut wie alles repariert werden kann, das Durcheinander-Gerede in vielen verschiedenen Sprachen, nur übertönt vom Lärm der Kompressoren und Notstromaggregate, bevor hinterher alles wieder so schnell verschwindet wie es aufgetaucht ist, muss man am eigenen Leib erlebt haben. Und das Bild von mehreren, hintereinander aufgereihten 037 am Straßenrand mit abgenommen Hauben, umgeben von hektischen Mechanikern, während sich eine alte italienische Mama über den Zaun lehnt, um das Ganze zu beobachten, ist wohl eines der schönsten in unserem Sport!

 

Jedenfalls fuhren Sepp und Moni weiterhin eine starke Rallye und bis auf die hinteren Achslager schien der Lotus gut zu halten. Im Ziel der letzten Prüfung begann dann aber auch die grüne Flunder Probleme mit der Kupplung zu machen und noch einmal war der Alex, welcher einen hervorragenden Job während des gesamten Wochenendes machte, gefordert um das Auto ins Ziel zu bringen. Mit Muskelkraft gelang es uns aber letztendlich den Engländer auf die Zielrampe zu bugsieren. Auf die Nachfragen des Sprechers antwortete ihm der Sepp, zur Freude aller bayerischen Touristen, auf „boarisch“ und wir alle konnten ihren Klassensieg sowie einen unglaublich starken zweiten Platz in der Gruppe feiern! Dies war der gebührende Abschluss für eine wunderschöne Rallye.

Und wer sich nach diesem Bericht einmal S&S-Abenteuerreisen anschließen möchte, ist immer herzlich Willkommen: Denn wenn einer eine Reise tut, dann...

Dort drüben liegen die Wertungsprüfungen!
Technische Abnahme
Auf dem Weg zum Start in die Innenstadt
Pause vor herrlicher Kulisse
Kurz vor dem Ziel!
Geschafft!
Die strahlenden Sieger Sepp und Moni

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