Sanremo Rally Storico vom 4. - 6. April 2013

Sepp und ich sind am 5. und 6 April die Sanremo Rallye Storico, Lauf zur ERC historic 2013 mitgefahren. Das Wetter war sehr durchwachsen mit teilweise Nebel,  Regen und Sturm, aber an den Sonntagen vor und nach  der Rallye auch mit Sonnenschein.

 

An Autos waren vier Lancia 037, jede Menge Porsches in allen Variationen und dann noch einige wenige Exoten wie BMW 2002, Ford Escort, Renault Alpine, usw. und wir mit unserem Lotus als eines der ältesten Fahrzeuge (Baujahr 1966) am Start. Das älteste Auto war ein Triumpf Vitesse Baujahr 1963 mit den Finnen Lajunen / Rautiainen an Bord.

 

Unter den 79 Startern waren dieses Mal neun deutsche Teams. Es war wieder eine Super-Veranstaltung. Die Prüfungen am ersten Tag fanden für uns fast ausschließlich bei Dunkelheit statt, da wir mit Startnummer 63 erst um 18.04 Uhr gestartet sind.

 

Bei der ersten WP „Coldirodi“ gings auch gleich gut los – die Gegensprechanlage funktionierte plötzlich beim Start nicht mehr und so musste Sepp trotz meines lauten Geschreis, das leider den Lotusmotor kaum übertönen konnte, überwiegend auf Sicht fahren. Entsprechend hat uns unser direkter Konkurrent mit dem 912-Porsche auch gleich 27 Sekunden mitgegeben. Nachdem die Gegensprechanlage durch neue Batterien wieder zum Leben erweckt worden war, übersah Sepp in der letzten WP „Baiardo“ mit 28,6 km Länge ziemlich am Anfang ein etwas tieferes Loch. Die Öllampe leuchtete auf und das Auto gab undefinierbare Geräusche von sich, die auf einen Motorschaden schließen ließen. Als endlich bei einem Feuerwehrauto die Möglichkeit zum Anhalten bestand, stellten wir mit Erleichterung fest, dass das Geräusch nicht vom Motor kam. So fuhren wir „piano“ die Prüfung zu Ende, wurden dabei  aber von 4 bis 5 Autos überholt.

 

Vor dem Parc Fermé kam dann unser Service Bennie und Alex zum Einsatz und wir stellten fest, dass die hintere rechte Felge gebrochen war.  Da unser Freund vom Pirelli-Service auch wieder da war, ließ Bennie den Reifen gleich in der Früh ummontieren und kurz nach der Startrampe wurde dann schnell das Rad gewechselt.

 

Wir fuhren los und schon klapperte es wieder. Parkbucht – stehen bleiben – Service anrufen, das war eins. Schon war der Service da und zum Glück waren es nur die Gewichte vom Wuchten, die innen am Querlenker schleiften. Weg mit den Gewichten und los ging‘s zur ersten WP der 2. Etappe, „Coldirodi II“. Dieses Mal mit Gegensprechanlage, 22 Sekunden schneller als am Tag davor und 6 Sekunden schneller als der 912 Porsche. Leider musste ausgerechnet die längste WP  Madonna della Neve  mit 31,04 km wegen eines total zerstörten Porsches neutralisiert werden, so dass wir keine Chance mehr hatten, etwas mehr Zeit gegenüber dem 912 gutzumachen. Auch ein Lancia 037 hat den plötzlich nach einer Kurve auftretenden Nebel nicht überlebt und hatte schwere Blessuren im Frontbereich.

 

Nachdem wir in der vorletzten Prüfung „Langan II“ zwar noch einmal 27 Sekunden schneller als der 912 waren, sind wir die letzte Prüfung etwas verhaltener gefahren, um den Lotus, der uns dieses Mal keinen Kummer mit der Kupplung bereitet hat, gut ins Ziel zu bringen und zumindest den 2. Platz in der Klasse zu sichern. Von den 9 gestarteten deutschen Teams kamen immerhin 7 ins Ziel.

 

Am Abend fand dann wie immer im Hotel Royal die Siegerehrung mit anschließendem Sektempfang, kleinen Häppchen und vielen Benzingesprächen statt. Auch unsere langjährigen Rallyespezln  Klaus Ellermann und Harald Siems waren wieder dabei.

 

Ihr kennt Klaus Ellermanns weißgrünen 911 sicherlich noch von dem Vorspann der früheren Motorsportsendung Motorklassik im Fernsehen. Sein Beifahrer Harald Siems  war mit unserem Lotus und seinem damaligen Fahrer Nies 1996 Gesamtsieger der Sanremo Rallye storico. Leider wollte der neu aufgebaute Golf auf seiner Jungfernfahrt nicht so recht wie Klaus es wollte und krachte in WP 3 ein bisschen gegen die Mauer, so dass sie die Rallye leider nicht zu Ende fahren konnten.

 

Der ehemalige deutsche Rallyemeister Ludwig Kuhn (72 Jahre alt!) belegte mit seinem Beifahrer Rouven Burger auf Porsche 911 den 22. Platz im Gesamt, unser italienischer Freund Rino Righi, ebenfalls 72 Jahre alt, kam mit seinem Ford Escort auf Platz 23 noch vor Michael Stoschek ins Ziel, der mit seinem 911 Bj. 1965 den 33. Platz belegte. Wir wurden 40. im Gesamt.

 

Besonders geehrt wurden bei der Coppa di Fiori (Gleichmäßigkeitsfahrt) zwei japanische Teams für die weiteste Anreise, die tatsächlich mit original japanischen Rallyeautos, nämlich einem Datsun Violet Baujahr 1979 und einem Toyota S Trueno Baujahr 1973 teilgenommen hatten.  

 

Kurz gesagt, Sanremo ist immer wieder ein Erlebnis und für uns eine der schönsten Rallyes.

Alle Fotos: Renè Photo - Mombaroccio (Pu) - Italy

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