10 Jahre Scuderia Magra - das Fest

Zur Feier des Anlasses und weil so etwas schließlich nicht alle Jahre vorkommt, beschloss die Vorstandschaft noch Anno Domini 1980 – nicht ohne vorher an Clubabenden die Mitglieder befragt zu haben -, unser 10 jähriges Jubiläum mittels einer Raddampferfahrt auf dem Ammersee leger-bayerisch-feierlich zu begehen. Vorauszuschicken wäre ansonsten noch,  dass dabei nicht das Pompöse der Feier im Vordergrund stehen sollte, sondern eher das  Unkonventionelle, das angeblich die MAGRA kennzeichnet. Dieses Vorhaben ist uns – weiß Gott – gelungen.

 

Nun, damit auch diejenigen einen Hauch des Ammersee-Flairs mitbekommen, die aus irgendwelchen Gründen nicht mittun konnten – oder die sich solche beschafften - sei an dieser Stelle mit angespitzter Feder alles Wissenswerte berichtet.

 

Um 19.00 Uhr sollte in Stegen bei der Gastwirtschaft „Seehof“ der Schiffs-Einlass für Gäste beginnen. Als mitverantwortlich für die Ausstattung des Schiffes fand ich mich folglich schon um 18.00 Uhr dort ein und erwartete, die „Diessen" bereits ruhig am Steg dümpeln zu sehen und ein paar MAGRAner an Bord hektische Aktivitäten entfalten.

 

Ziemlich weit gefehlt! Die bereits eingetroffene Hälfte der geladenen Gäste (!) zelebrierte im Biergarten des Lokals eine provisorische Stehparty, weil unser „Shuffle Boat" angeblich eine Sonderfuhre eingeschoben hatte und erst eine Stunde später einzutreffen versprach. Unser Vorhaben bezüglich der Schiffs-Dekoration löste sich folglich in Rauch, Pech und Schwefel auf.

 

Je nun! In Sportfahrerkreisen ist man um Gesprächsstoff bekanntlich nie verlegen und der Hunger war noch eine Zeitlang zu verdrängen. Allerdings vermisste man die frische Seebriese, denn die lastende Schwüle trieb die am Vorabend genossene Flüssigkeit aus sämtlichen Hautöffnungen (elegant ausgedrückt, gelle?) und versprach darüber hinaus noch ein nettes Sommergewitterchen. Es wurden bereits Vermutungen angestellt, inwieweit ein gewisser Seegang sich auf Gemüter und Verdauung auswirken könnte. Inzwischen wurden Trachtenkrawatten gelockert, Sakkos abgelegt und ich verfluchte ganz un-damenhaft das bayerische Brauchtun - Dirndl in Allgemeinen und Miederstäbchen und Dessous im Besonderen, weil man selbiges bekanntlich weder lockern noch ablegen kann ohne unangenehm aufzufallen.

 

Das Positive der Verspätung allerdings lag auf der Hand, nämlich das des Schatzmeisters: die Geladenen fanden Zeit und Muße, ihren Obolus, zu entrichten, so dass das zu erwartende Chaos des Geldeinsammelns sich wenigstens nur zum geringsten Teil auf dem Dampfer abspielte.

 

Michael, Tina und Klaus mühten sich einstweilen, eine 8 x 115 Meter messende Bayernflagge den Widrigkeiten zum Trotz auf MAGRA zu trimmen.

Mittlerweile waren die Uhrzeiger auf 19.00 Uhr geschlichen, sämtliche Teilnehmer - sogar die Clubmitglieder (!) - an Ort und Stelle, die „Diessen“ weilte immer noch im Nirwana und unsere trüben Gedanken wandten sich einer Spontan-Orgie im Biergarten des Seehofs zu. Es wäre ja auch so ziemlich das erste Mal gewesen, dass eine unserer Veranstaltungen reibungslos geklappt hätte.

 

Da nun der Berg offensichtlich nicht zum Propheten kam, machten sich d.ie Hauptverantwortlichen der Feier auf telefonische und vierrädrige Suche nach dem Dampfer - es konnte sich ja nicht um den Fliegenden Holländer handeln. (Wie sich nachträglich herausstellte, hatte der Kapitän - oder wer auch immer - den Vertrag nicht richtig gelesen und friedlich am Herrschinger Bootssteg der Dinge geharrt. Ein paar Clubmitglieder waren ebenso mit ihrer Einladung verfahren und folglich schon an Bord.)

Gegen 19.30 Uhr endlich, endlich erscholl das erlösende "Schiff in Sicht“ und kurze Zeit später war das Unglaubliche wahr: das „Einborden“ konnte seinen Anfang nehmen!

 

140 Personen, 3 Kinder und 2 Hunde marschierten über die Landungsbrücke und wurden am Eingang von je einem Ammersee-Geist in Empfang genommen. Es handelt sich hierbei um einen Schnaps, der diese poetische Bezeichnung führt, und ich hoffe nur, dass wenigstens die Kinder davon verschont blieben. Der hippiemäßig ausstaffierte Götz-Hund jedenfalls hat die ganze Fahrt über geschlafen.

 

In Windeseile verteilte sich die ganze Schar über und unter Deck, die Zapfhähne wurden in Betrieb gesetzt und nicht lange danach war auch der Pfad zum kalten Buffet durch eine  lange Schlange Hungriger gekennzeichnet. Man kann sagen, was man will, das Buffet im Ursprungszustand ist mir zwar entgangen, aber demzufolge, was ich auf den Tellern der Schmausenden entdeckt habe, muss es sehr gut ausgesehen haben. Es wurde ausnahmsweise auch jeder satt, was Wunder, die Fressalien waren ja für 30 Personen mehr berechnet.

 

Als Geräuschkulisse hatten sich drei Musici eingefunden, die Bayerisches und bisweilen Allzu-Bayerisches von sich gaben.

 

Der offizielle Teil des nicht vorhandenen Programms wurde durch ein paar freundliche, einleitende Worte des ADAC-Abgeordneten Thalmair eingeleitet, der sich in Vertretung des ADAC-Sportpräsidenten Lyding mutig den Wogen anvertraut hatte. Nach ihm ergriff unser Gustl das Wort und das Mikrophon und berichtete in launigen Sätzen vom historischen Geschehen der Clubgründung und dem ganzen Drumherum. Auch die Namensgebung wurde dabei erwähnt und auf diese Weise erfuhren endlich etliche Mitglieder und diejenigen, die es jetzt immer noch nicht wissen, was es mit den mysteriösen „MAGRA“ auf sich hat; nämlich, dass es sich hierbei mitnichten um ein altbayerisches Schimpfwort handelt, sondern schlicht und ergreifend „MArkl“ und „GRAfwallner“ (die Begründer des „Rennstalls") zu bedeuten hat.

Während sich um uns herum die Nacht allmählich auf leisen Schwingen herniedersenkte, verlas "Ex-Mikelaus" Mike Hagemann mit bekannter Nonchalance und Entertainer-Erfahrung markante Auszüge aus der Club-Chronik. Zur Sprache kamen alle nennenswerten Ereignisse der letzten 10 Jahre, u.a. die durchgeführten Veranstaltungen, die samt und sonders mit Minus abgeschlossen wurden.

 

Ansonsten unterhielt man sich dezent - dem Anlass entsprechend - und genoss die Ober- und Unterkrainer-Klänge, verzog sich unter Deck, falls man ihnen entgehen wollte. Unterhaltung wurde weiterhin durch einen Beinahe-Zusammenstoß mit ein paar tollkühnen Windsurfern geboten.

 

Kurz vor 23.00 Uhr nahm der Ammersee programmgemäß ein Ende und unser Kahn warf am Ufer seine Anker aus.

Mit wiegendem Seemannsschritt verließen die Passagiere nach und nach den Dampfer. Etliche hatten von See aus irgendwo ein Gartenfest erspäht, das sie noch heimzusuchen gedachten.

Auch wir sammelten uns zu einem Fähnlein Unternehmungslustiger und starteten zu einer gelockerten Nachfeier, die aber gottseidank nicht mehr hierher gehört und über die zu schweigen ich Beteiligten anflehe.

 

So also fand dieser denkwürdige Abend sein Ende. Eingeweihte werden bemerkt haben, dass ich mich redlich bemüht habe, die ganze Angelegenheit nicht von Standpunkt des Kassiers aus zu betrachten, denn als solcher sind meine Gefühle eher gemischt. Bleibt zu hoffen, dass es den Beteiligten ein bisschen Spaß gemacht hat.

Mit leiser Selbstironie, die uns als Veranstalter hoffentlich zugestanden wird, möchte ich noch hinzufügen, dass - in Anbetracht unserer „unorthodoxen“ Einfälle - wir unser 20-Jähriges wahrscheinlich an Bord eines Jumbo-Jets über dem Atlantik feiern werden. Dann bin ich aber hoffentlich nicht als Schatzmeister, sondern als Ehrengast des ADAC Südbayern dabei.

 

vega

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