20 Jahre Scuderia Magra - eine Chronik

Im Jahre 1968 lernten sich beim Zelteln am Staffelsee zufällig der Medizinstudent Gustl Markl und der Elektrotechniker Franz Grafwallner kennen. Im Gespräch stellen die beiden einige gemeinsame Interessen fest, zu denen unter anderem auch der Motorsport zählt.

 

Franz Grafwallner verfügt über einen zu dieser Zeit außerordentlich heißen Ofen, einen Fiat 850 Sport Coupé. Nachdem die beiden einige Rundstreckenrennen als Zuschauer verfolgt haben (Flugplatzrennen Neubiberg: Niki Lauda fährt Formel Vau), beginnen sie 1969 damit, gemeinsam Orientierungsfahrten zu bestreiten, wobei Gustl Markl die Rolle des Beifahrers übernimmt. Nachdem die Freundinnen der beiden auch an diesem Hobby gefallen finden, wird neben dem Fiat von Franz auch der Renault R4 von Gustl mit aufsehenerregenden Firmenaufklebern versehen und eingesetzt.

Ein Aufkleber jedoch fehlt den Teams Franz/Hanni und Gustl/Karin an ihren Autos: Sie sind bisher keinem Motorsportclub beigetreten. Da ihnen die etablierten Clubs nicht zusagen, entsteht die Idee, einen eigenen kleinen Motorsportclub zum Leben zu erwecken. Auf italienisch heißt kleiner Rennstall "SCUDERIA MAGRA", wobei sich in dem Wort "MAGRA" zufällig auch die Anfangsbuchstaben der Nachnamen der Gründer wieder finden. So erscheint dieser Name zum ersten Mal auf Aufklebern mit sieben Zentimeter hohen Buchstaben an beiden Seiten des R4 und des Fiat. Diese Aufkleber (Stückpreis schon damals DM 15.--) erregten bei den Orientierungsfahrten Aufsehen, da der Club natürlich niemandem bekannt war. Durch die Fragen anderer Teilnehmer, ob man diesem Club beitreten könne, fanden sich schließlich sieben Personen zur ordentlichen Vereinsgründung im Jahre 1971. Die Vorsitzenden des Vereins werden Gustl Markl und Franz Grafwallner, Karin Markl fungiert als Schatzmeister und Erwin Weber als Schriftführer.

 

Im Jahre 1972 hat die SCUDERIA MAGRA bereits vierzig Mitglieder, zu denen auch bereits die ersten Slalomfahrer zählen. Die Clubabende finden jeweils am ersten Freitag des Monats im Bärenwirt am Winthierplatz statt. Unter dem Titel "SCUDERIA MAGRA -Kurz berichtet! Kurz belichtet!" geben Gustl und Karin Markl und Franz Grafwallner als direkten Vorläufer des MAGRAZINs einen monatlichen Rückblick auf die motorsportlichen Ereignisse heraus, in dem bereits die bekannte und oft kopierte Rubrik "Wußten Sie schon ..." enthalten ist. Zu den ersten fleißigen Berichteschreibern gehören die neu hinzugekommenen Mitglieder P. Winkler und K. Rudolph, die mit einem BMW 1602 sehr gute Ergebnisse bei Orientierungsfahrten und Rallyes erzielen. Davon angespornt; fährt das Team Grafwallner/Markl mit dem bewährten Fiat 850 seine erste "große" Veranstaltung, die Rallye München 1972, fällt aber wegen Überschreitung der Karenz leider aus. Der nächste Anlauf, die zweite Herkomer-Rallye des AC Landsberg bringt jedoch einen Klassensieg und weckt Zuversicht. Bernhard Brandauer wird im Rückblick für seine "durchwachten" Nächte (Servicetätigkeit) gedankt. Der Markl-R4 erhält als eines der wenigen Fahrzeuge dieses Typs aus Sicherheitsgründen einen Matter-Überrollbügel. Ein anderes R4-Team, nämlich Doris und Claus Salcher, finden die Mitglieder der SCUDERIA MAGRA so sympathisch, daß sie dem Verein 1973 beitreten.

 

1974 verlassen Hanni und Franz Grafwallner die SCUDERIA MAGRA, aber eine Reihe neuer Namen taucht auf. Ferdl Mayer, Hansjörg Seitz, Axel und Hiltraut Kosicki, Wilfried Höfl und Michael Hagemann, der für das mittlerweile recht umfangreich gewordene "Kurz berichtet! Kurz belichtet" den Titel "MAGRAZIN" erfindet. Michael Hagemann ist auch derjenige, der die bis heute gepflegte Tradition der Pfingstfahrt ins Leben ruft und sie zehn Jahre lang durchführt, bevor er die Veranstaltertätigkeit weitergibt.

Erwin Weber, ein SCUDERIA MAGRA-Mitglied aus der Anfangszeit, kennt einen gewissen Hans Bitto, der in Gräfelfing ein kleines Lokal namens "Tenne" bewirtschaftet. Nach einem Probebesuch wird dort eine jeden Montag tagende "SM-Bierrunde" eingerichtet, die dort bis zum Weggang Hans Bittos als Tennenstammtisch bestehen bleibt und mittlerweile im Bierteufel gelandet ist.

Die Mitliederzahl der SCUDERIA MAGRA steigt ständig, und so wird im Jahr 1975 der Beitritt zum ADAC beantragt. Am 19. Februar 1975 erfolgt die vorläufige Anerkennung, und seither heißt die SCUDERIA MAGRA "e.V. im ADAC". Mit Neuzugängen wie Hans Härtl, Lu Himpel, Heidi Köppl, Johnny und Renate Frei beginnt eine Zeit extremer motorsportlicher Aktivität: Allein Gustl Markl fährt in diesem Jahr mehr als fünfzig Veranstaltungen, von Gaudifahrten über Orientierungsfahrten, Fuchsjagden und Slaloms bis hin zu Rallyes. Die Vorstandschaft aus dieser Zeit: Erster Vorsitzender Gustl Markl, zweiter Vorsitzender Bernhard Brandauer, Schatzmeisterin Karin Markl, Schriftführer Hildegard Brandauer und Sportleiter Wilfried Höfl.

Hans Härtl erfährt sich spektakuläre Rallye-Ergebnisse mit seiner "weißen Kuh", einem Opel Kadett B und Axel Kosicki fährt in seiner Hochzeitsnacht Service für das Team Grafwallner/Markl.

 

Erneut verstärkt durch Aktivisten wie Klaus Stöcker, Georg Plasa, Karl Schieritz, Günther Keller und Claus Jentzsch/Biggi Ellmer reichen in den MAGRAZINen der Jahre 1976 bis 1978 oft zehn Seiten Rückblick nicht zur Auflistung aller Ergebnisse. Im Juli 1978 erscheint bereits die fünfzigste Ausgabe des MAGRAZINs unter der Redaktion von Claus Jentzsch und Biggi Ellmer, die diese Arbeit von Karin Markl und Bernhard Brandauer übernommen haben. Zur Selbstdarstellung und um neue Mitglieder zu werben, erhält die SCUDERIA MAGRA die Möglichkeit, im Rahmen des ADAC einen Stand auf der jährlich in der Münchener Olympiahalle stattfindenden "Greger-Racing-Show" zu unterhalten. Diese Aktion bewährt sich über Jahre hinweg und trägt ebenfalls viel zum Bekanntwerden des Clubs bei.

Neuer erster Vorsitzender der SCUDERIA MAGRA wird Wilfried Höfl, da Gustl Markl aufgrund seines Studiums leider zu wenig Zeit für die aktive Vorstandsarbeit hat. Einstimmig wird Gustl zum Ehrenvorsitzenden und bis zum heutigen Tag einzigen Ehrenmitglied des Clubs gewählt.

Neben der Veranstaltung von Orientierungsfahrten und Clubrallyes beschließt die Vorstandschaft 1978 erstmals anstatt eines "kleinen" Slaloms einen ONS-Slalom auf dem ADAC-Verkehrsübungsplatz in Augsburg zu veranstalten. Die Sache wird ein großer Erfolg und über einige Jahre hinweg immer wieder durchgeführt.

 

Im Jahre 1980 wechselt fast die gesamte Vorstandschaft der SCUDERIA MAGRA, sowie die MAGRAZIN-Redaktion, und eine neue Generation von Motorsportlern betritt die Bühne. Die neue Vorstandschaft hat gleich die Aufgabe, eine würdige Feier für das zehnjährige Bestehen der SCUDERIA MAGRA zu organisieren. Dank eines unorthodoxen Einfalls wird dieses Ereignis mit einer Dampferfahrt auf dem Ammersee begangen, wobei Gustl Markl und Michael Hagemann diese Gelegenheit nutzen, um die vergangenen zehn Jahre Revue passieren zu lassen. Verena Gaems als damalige Schatzmeisterin vermutet, daß das zwanzigjährige Bestehen wohl an Bord eines Jumbo-Jets über dem Atlantik gefeiert werden würde, doch wie wir heute wissen, sollte sie nicht Recht behalten.

Bei der Christkindlfahrt des AC Oberschleißheim-Lohhof werden 28 der 65 teilnehmenden Teams von der SCUDERIA MAGRA gestellt, die den Mannschaftspokal zum dritten Mal in Folge gewinnt und damit behält. Willy Pürkner, einer der erfolgreichen MAGRA-Slalomfahrer, wird Bayerischer Slalommeister mit seinem Simca Rallye Ill und Himpel/ Weiß holen den Titel des Südbayerischen Rallyemeisters auf BMW 2002. Arpad Kiss macht den Hattrick perfekt und gewinnt den Südbayerischen Rallye-Pokal auf VW Golf GTI.

 

1982 zieht sich Holger Eggert, der einige Zeit Sportleiter des Clubs war, aus dem aktiven Motorsport zurück und macht sein Hobby zum Beruf, in dem er in der Sportabteilung des ADAC Gau Südbayern tätig wird. In diesem Jahr verfügt die SCUDERIA MAGRA über 48 nationale und internationale Lizenzfahrer und ist damit größter südbayerischer Lizenznehmer-Club. Als neue Mitglieder können Toni Lachmayr, Hans Schallenmüller und Werner Brust gewonnen werden, womit sich die Mitgliederzahl auf 128 erhöht. Monika Eckardt bestreitet ihren ersten Werkseinsatz mit Gerhard Kalnay auf einem Skoda 130RS bei der Rallye Tatry.

Für die langjährige Veranstaltertätigkeit erhalten im Jahre 1983 Holger Eggert, Klaus Stöcker, Karl-Heinz Mayerl, Franz Gerling und Michael Stock vom ADAC die Ewald-Kroth-Medaille. Frank Gierlinger löst Michael Stock als zweiter Vorsitzender ab, und zusammen mit dem MC Neuhausen und dem MSC "12" werden "Übungs- und Einstellfahrten in der Fröttmaninger Heide" veranstaltet, wozu sich 23 Teilnehmer einfinden. Am Start der Herkomer-Rallye sind mit den Fahrern Schieritz, Pilsl, Plasa, Göckl, Treffurth, Stock, Himpel und Lachmayr acht MAGRA-Teams vertreten. Am Schluß des Jahres gewinnt Karl Schieritz den Mitropa-Challenge-Cup, Willi Pürkner die Bayerische und die Südbayerische Slalommeisterschaft und Heinz Saller den Zugspitz-Slalompokal. Eine der ersten Rallyes des Jahres 1984, die Rallye Bavaria, wird von Kiss/Gierlinger auf VW Golf GTI gewonnen, während Monika Eckardt als Beifahrer von Rüdiger Kern die Rallye Monte Carlo fährt. Bei der 3-Städte-Rallye dieses Jahres fahren Plasa/Weiß ihre berühmte Sandbahn-Sonderprüfung auf breiten Racing-Reifen und begeistern die Zuschauer mit einer vierten Gesamtzeit. Das Team Göckel/Hölzlwimmer wird zweiter in der Bayerischen Rallyemeisterschaft und Oskar Mühlbauer gewinnt den Südbayerischen Slalompokal.

 

In diesem Stil gehen die achtziger Jahre für die SCUDERIA MAGRA weiter. Bemerkenswert sind noch die ständigen Tourenwagensiege von Georg Plasa auf seinem BMW 2002 bei internationalen Bergrennen und das kontinuierliche Weiterkommen von Manfred Hiemer in der deutschen Rallyemeisterschaft, das 1991 in deren Gewinn gipfelte. Michael Stock fährt Rallyes in Istanbul und den Weltmeisterschaftslauf in Schweden, Monika Eckardt lernt England an der Seite von John Haugland bei der englischen Rallye-Meisterschaft kennen.

Nach Karl Schieritz und Karl Pilsl, die als erster und zweiter Vorstand der Jahre 1987 bis 1990 tätig waren, heißen die neuen Vorstände ab 1991 Erdmann Treffurth und Heiko Cordes.

Das waren die ersten zwanzig Jahre dieses nicht ganz alltäglichen Motorsportclubs. Ob es die SCUDERIA MAGRA in weiteren zwanzig Jahren immer noch geben wird, steht in den Sternen, denn die Voraussetzungen für den Motorsport in Deutschland haben sich drastisch verschlechtert. Die Mitglieder diese Clubs werden jedoch alles tun, um diesen Sport - und damit die Lebensberechtigung dieses dynamischen Vereins - zu erhalten.

reive, stomi, ted.

 

Und Heute?

Nach diesen 20 Jahren folgte bei fast allen Mitgliedern aus verschiedenen Gründen eine ruhigere Zeit. Aber so langsam lebt der Club wieder auf. Man stellt fest, dass viele Fahrer noch aktiv sind und sich zwischenzeitlich nur auf andere Clubs verteilt haben. In diesen 10 Jahren der Abstinenz des Vereins konnten sie viele Erfolge verzeichnen. Manfred Hiemer hat den Sprung als Beifahrer in ein WRC-Cockpit geschafft und Georg Plasa ist mehrmaliger Hill-Climb-Challenge Gewinner. Es gibt auch diverse Erfolge bei Sprint-Cross, 200er Rallyes und Slaloms.

Alles in allem findet der Verein so langsam zurück zu den Wurzeln. Es gibt wieder regelmäßige Stammtische und Weihnachtsfeiern, wo man sich gegenseitig austauscht. Inzwischen wird überlegt, die Club-Bewerberlizenz zu beantragen um demnächst wieder MAGRAner in Ergebnislisten zu finden. Auch diese Webpage ist ein Schritt den Club wiederzubeleben. Auf weitere 30 Jahre MAGRA ! (Aber hoffentlich etwas aktiver als die letzten 10, schließlich sind bereits die Kinder mit bei den Aktiven.)

Matthias Stock 

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