Drei Städte 2018 / 120 zu 80, bei 65 (kleines Rätsel)

Kurzfristig war mir die Lust am Rallyefahren gründlich vergangen. Und das kam so: Eingefleischte Magraner verfolgen hin und wieder die Berichte der Aktiven. Da gibt es Jüngere und richtig ältere, Fahrer und Beifahrer. Was mich betrifft, so vermag ich mich nicht richtig einzuordnen. Darum geht es hier aber überhaupt nicht!

 

Nachdem die Rallye Citta di Bassano eine echte Nullnummer war (aber wenigstens nicht im Krankenhaus endete..), dafür schon reichlich Geld verschlungen hatte, war's eh schon Wurscht. Noch einen Job (bringt Geld) abgesagt, zu Gunsten der 3-Städte-Rallye (kostet Geld). Könnt ihr bestimmt verstehen, da lungern 3 prall gefüllte Kanister mit feinstem 102 Watt Sprit von Anal im Serviceauto, nebst 2 flammneuen Michelinen R11, garniert mit einem Satz gebrauchter Regenracing. FT3 Tank ist in heimischen Gefilden auch ned von Nöten (Herr, erhalte uns noch ein wenig die Gruppe F), der Rest ist auf Stand Reglement.

Christian Allkofer fand die Idee auch gut und wurde dann umgehend als Service verpflichtet. Mein eigentlicher Copilot, Jan, war auf ebendieser 3-Städte bei Christoph Schleimer (Vauxhall, oder für Kenner halt ein Kadett.) in Charge. Die durften übrigens ned fahren, weil sich das Zertifikat vom Käfig nicht ganz mit der Konstruktion deckte. Da könnten wir jetzt ein wenig philosophieren, ob das OK geht, oder nicht. Tun wir hier nicht, weil ich sonst meinen Schmarrn nicht loswerde. Dem Jan hing aber die Lätschn ganz schön weit unten.

 

Meine Beifahrerin, Bianca Pfaff, die kannte ich aus der Rallyeschule Nordbayern, hat sich wirklich alle Mühe gegeben, die Rallye perfekt zu organisieren. Besichtigung. Joah, teilweise schon sehr zügig, garniert mit Hof­-Durchfahrten auf Schotter (da muss wohl hübsch Schmiergeld, oder Bier geflossen sein), alles in allem echt dufte. Aber außen an den Straßen, da gibt’s im Bayernland halt immer wieder diese fiesen, gemeinen, hinterfotzigen V-förmigen Straßengräben. Wir kommen gleich noch drauf zu sprechen...

 

Beim Blick auf die Starterliste war auch irgendwie klar, nach ganz vorne kommen wir nicht. Doch im vorderen Drittel der F5 - das könnte gehen. Technische Abnahme soweit ohne Probleme, Pluspol der Batterie noch abdecken, das wars. Achja, den Zuschauerrundkurs nochmals kurz abgehen, so fürs Gedächtnis und das gute Gefühl.

 

Eine Betrachtung muss ich aber hier noch loswerden: Irgendwann müssen sich die Besatzungen ja umziehen, mit feuerfestem Garn und so. Argwöhnisch beobachtet man die Konkurrenten. Wer als erster die Nerven verliert. Einer fängt an und plötzlich ziehen sich alle um. Gleichzeitig.

 

Und irgendwann gegen Dämmerung sind wir dann auch los zur ersten Prüfung. Wie üblich a weng nervös. Wirklich nur a weng, aber das legt sich auch nach gefühlten 100 Jahren Motorsport vermutlich nie. Lief so weit so gut, planmäßig im vorderen Drittel unterwegs. Eigentlich gar ned schlecht, neue Beifahrerin, wieder mal in Deutschland unterwegs, wir waren recht zufrieden.

 

Zweite Prüfung lief auch ganz passabel, bis folgendes passierte: WP2: ABS greift auf Schotter ein und macht die Bremse auf. T rechts 2, wir fliegen geradeaus über den Graben, Vorderachse schlägt stumpf auf, Auto schlägt dann mit der Fahrzeugmitte vertikal nochmals auf.

Es ist umgehend klar, dass wir verletzt sind, Bianca setzt SOS + Medical needed ab. RTW ist nach kurzer Zeit da. Ich komme selbstständig aus dem Auto, Bianca hat zu starke Schmerzen und bleibt im Auto. Feuerwehr schneidet das Türkreuz raus, um Bianca im Sitz zu bergen.

Wir werden beide nach Bogen ins Unfallkrankenhaus gefahren. Bianca wird vom Chefarzt behandelt, ich von einem russischen Kollegen, Michael......irgendwas.

 

Nach Röntgen und CT steht fest, mein dritter Lendenwirbel ist gebrochen und gequetscht. Darf nicht mehr aufstehen, mich nur noch maximal 30 Grad seitwärts drehen. Dr. Michael... erklärt mir, was passiert ist, die damit verbundenen Risiken, und dass ich nach der Operation vermutlich depressiv werde. (Das hat der wirklich so gesagt!)

 

Zwischendurch kommt einmal Dr. B. rein und erklärt mir das auch. Bis auf die Depression, die bleibt das Geheimnis des Michael..... . Da in Bogen am Wochenende keine Rücken-OP‘s durchgeführt werden, schicken sie die Bilder nach Regensburg, falls eine sofortige OP notwendig sein sollte.

 

Gegen sechs Uhr morgens steht Dr. Michael...  im Zimmer und sagt, er hat keine guten Nachrichten für mich. Regensburg hat geantwortet, dass die Gefahr einer Lähmung bestünde und man mich nach Regensburg verlegt, damit ich noch am Samstag operiert werden kann.

 

Auch wurde mir erklärt, dass sicher zwei OPs notwendig seien, eine von hinten zum Stabilisieren, die zweite von der Seite um auch von vorne an den Wirbel zu gelangen. (Und sicher eine Dritte, um den ganzen Krempel irgendwann wieder zu entfernen.) Kurz vor dem Transport schaut Dr. B. nochmal rein und erklärt mir dasselbe. Und ich darf mich auf keinen Fall bewegen. Bianca hat auch einen Bruch des Lendenwirbeldeckels (ich glaube, das heißt so) und bekommt ein Korsett, keine OP. Das ist schon mal ein wenig positiv.

 

Gegen zehn oder elf Uhr ist der Transport da - los geht‘s. Für so einen Transport wirst du in einen Sarkophag eingetütet, dass du dich echt nimmer rühren kannst. Ich bin aber an den Gurt zur Fixierung der Beine drangekommen und hab den sogleich gelöst. Das hat die Sanitäterin nicht gerne gesehen. Habe sofort meinen „Clint Eastwood Blick“ aufgesetzt und gesagt: Das ist meine Entscheidung, Baby. (Ok, Baby ist geschwindelt.)

 

Aufnahme Regensburg, nochmal Röntgen. Arztbesprechung zuerst Dr. Konrad „Gell“ (Der heißt Dr. Gell, weil er jeden Satz mit einem nach oben gezogenen, schallenden „Gell“ beendete) klärt mich über die Risiken und Nebenwirkungen etc. auf und meint im Verlauf des Gesprächs, er wisse eigentlich gar nicht so richtig, warum ich jetzt in Regensburg bin.

 

Keine OP am Samstag, eher Montag. Die Wirbelsäule steht stabil, keine Gefahr einer Lähmung. Weitere Erkenntnis - sicher nur eine OP, von hinten. Das reicht im Normalfall. Noch eine Erkenntnis - ich darf mich bewegen, zur Seite drehen, aufstehen und zum Bad gehen. Zwischendurch hat mich noch ein sympathischer Freak-Doktor (Vollbart und Dutt auf´m Kopf, eher so die Surfer-Fraktion) untersucht und auch gemeint, soweit so gut. Dann war nochmal Ultraschall, einmal normal, einmal zertifiziert. Der anschließende Bayern Doktor (fester Dialekt) klärt mich über die Narkose auf und dann geht‘s ab aufs Zimmer.

 

Erstmal ins Bad. Alles ultralangsam und an jedem Riff entlanghangeln. Stehe noch unter intravenösen Drogen, die aber langsam in die Knie gehen. So wie ich, beim Aufstehen immer an der Wand lang....

 

Ich glaube am Sonntag hat man mir dann erklärt, dass die OP von Montag auf Dienstag verschoben wird. Ich versuche, tagsüber ohne Tabletten auszukommen. Das geht. Ohne Bier geht eher nicht. Obwohl eine Schwester darüber ein wenig verschnupft ist. („Is eana Sach, sie miassn wissn wos sie dean“) Montag, ich stelle fest, dass mein Körper beginnt, sich auf die Situation einzustellen. Kann kurzzeitig frei stehen und die Beine im Liegen wieder anwinkeln. Freude. Denke unter der Dusche darüber nach, ob sowas auch ohne OP heilt.

 

Visite: Frau Doktor Schmitz steht da - sehr sympathisch - und erklärt mir, dass die Druiden mir nach dem Röntgen ein Korsett verpassen wollen und auf die OP verzichten. Bin jetzt a Weng verunsichert: zuerst auf keinen Fall bewegen, Zwangsverlegung nach Regensburg wegen dringender OP am Samstag, dann in Regensburg alles halb so schlimm, nur noch eine OP am Montag, dann am Montag keine OP, Korsett - ich äußere zum ersten Mal Zweifel an der Aussage der Ärzte und spiele die Niko Schneider (das war der Rallyearzt von der 3-Städte, ich kenne Niko aber schon seit 20 Jahren) Karte.

 

Frau Dr. Schmitz geht raus zum Chefarzt, kommt nach 20 Minuten zurück, mit folgendem Vorschlag: kleine OP, keine Versteifung, kleiner Ballon mit Zement zwischen die Wirbel, danach müsste ich weitgehend beschwerdefrei sein. OP-Termin Donnerstag. Ich interveniere. Sie versteht - wir handeln den Mittwoch aus. Zwischendurch noch von Niko Schneider das ok geholt.

Deal! Kein Röntgen, kein Korsett – nur eine kleine OP am Mittwoch.

 

20 Minuten später klopft es: Ist der Herr Müller da? Ja. Ich soll sie abholen zum Röntgen. Nein, sollen sie nicht. Doch. Ok, aber vorher fragen wir nochmal nach. Auf dem Gang erwischen wir die Ärztin. Röntgen gestrichen, zurück aufs Zimmer. Halbe Stunde später, es klopft erneut. Herr Müller? Ja. Ich bin hier wegen dem Korsett. So, ich bekomme aber keins, mein Stand der Dinge. Kollege geht raus, kommt kurz drauf wieder rein, tut ihm leid - Missverständnis. Ja. Noch eine halbe Stunde später, es klopft. Wo ist der Münchner? Hier. Ich bin da, weil sie ja ein Korsett bekommen und da gibt‘s dann Kreislaufprobleme, das wollte ich mit ihnen besprechen. Nein, ich bekomme kein Korsett und habe keine Kreislaufprobleme. Der durchaus sympathische Mann wurde so auch von mir abgewehrt.

 

Dienstag: Komme physisch immer besser klar, positiv.

Arztvisite, alles klar. Morgen OP Bauschaum. Nachmittags nochmal Frau Dr. Schmitz mit dem Merkblatt zu Risiken und Nebenwirkungen.

Heute keine Frühration und keine Tagesration Tabletten genommen. Nachts nehme ich jedoch wieder was. Mit Dosenbier. Gegen acht Uhr bekomme ich Thrombose-Strümpfe. Die sahen ja mal echt scharf aus. Mit Strumpfband. Hab gleich einen Hunni ins Strumpfband gesteckt und Fotos gemacht. Vielleicht gibt’s die hier nochmal. Also die Fotos!

11.30h – es geht los. Die Narkoseärztin begrüßt mich so: Des is oiso der Herr Müller. Auf sie freu ich mich schon den ganzen Tag. (Das war übrigens der einzige Moment, an dem sowohl mein Blutdruck, als auch mein Puls ein wenig über normal „120 zu 80, bei 65“) stieg. Dann folgt ein sehr nettes, informatives Gespräch übers Laufen, Training, Ausdauer, Marathon etc., alles Themen, welche kurz vor einer Rücken OP halt beratscht werden. Zwischendurch fragt mich die Ärztin, ob ich denn nicht müde werde. Nicht sonderlich. Sie erklärt ihrem Nebennarkotiseur, er solle mir nochmal 10 mg (oder waren das kg, oder bar?) nachladen.

Ich möchte noch kurz auf eine Frage von ihr antworten – da werde ich geweckt. Dazwischen – nüscht!

 

Machen wir‘s kurz – sogleich die Beine bewegt, Stabilität überprüft und dem Wachpersonal erklärt, alles prima, rauf aufs Zimmer. Man muss als Patient aber auch wirklich alles ausdiskutieren. Der Wächter erklärt mir, dies sei der Aufwachraum. Ich frage ihn, ob ich aussehe, als ob ich schlafe. 

Nein, aber.....  Los jetzt, oder ich gehe selber. Hat geklappt. Abends wieder ein Dosenbier mit IBU 400 und die Welt sieht wieder ziemlich nach Rallyefahren aus.

Visite – die Frau Doktor meint, ich kann nach 48h hier raus. Wir dealen wieder und machen 30h daraus. Kathrin holt mich am darauf folgenden Tag ab (die Ärzte waren echt froh...), wir fahren, weil wir ja eh über Garching reinkommen, noch schnell in der Werkstatt vorbei. Ich muss doch den Clio noch begutachten. Danach erstmal zwei IBU´s mit einem Weißbier.

Alles wird gut.

Herzliche Grüße

Horst Müller

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