Als Tobi und ich Anfang des Jahres den Plan für die Saison machten war schon klar, dass ich zur Rallye Fränkisches Weinland einen Ersatzbeifahrer brauche. Da ich aber unbedingt diese Rallye fahren wollte stand für mich sofort fest, wen ich frage, nämlich Jakob Hagemann. Da es mir eigentlich darum geht meine eigenen Ziele zu erreichen fand ich uns eine gute Kombi. Unsere Klasse ist meist nicht voll und bei den NC6ern machen wir keinen Stich. Ergo, ich kann ohne große Erwartungen fahren und Jakob kann etwas dazulernen. Und vor allem, er hatte die Erlaubnis von mir bekommen, Fehler machen zu dürfen. Außer beim Vorlesen natürlich.
Die Anreise war zaaach, OmG, Freitagmittag 350 km mit Hänger, da braucht´s Nerven. Die sollten aber später noch auf eine härtere Probe gestellt werden.
Die Organisation in Hammelburg war zu diesem Zeitpunkt Top, der Platz für Auto, Hänger und Zugfahrzeug großzügig und da ich früh dran war, hatten wir auch schnell abgeladen. Die Parkplätze waren markiert nach Startnummern, daneben der Platz fürs Zugfahrzeug. So muss das sein! Optimal wäre es gewesen, wenn man das kurz vorher abgemähte Gras noch entfernt hätte. So war das pfurztrockene Zeug noch Tage später im Auto, in Schuhen, Socken und was weiß ich wo noch zu finden.
Dann die Papierabnahme, kurz und schmerzlos und da war ich auch noch gut gelaunt.
Ich muss vielleicht an dieser Stelle einleitend vorausschicken, dass in meinem DNA-Strang die Gene Diplomatie gar nicht, und Geduld nur sehr begrenzt vorkommen. Dafür kommt Impulsivität, besonders in Verbindung mit der Wahrnehmung groß raus und einem Vollpfosten gegenüber, sogar sehr gehäuft. Sprich, meine Zündschnur wird stetig kürzer je mehr mir jemand auf den Zeiger geht.
Und dies hat das Männchen vom DMSB, man nennt ihn „TK“, in kürzester Zeit geschafft. Ich nannte ihn im Verlauf „unseres Gespräches“ Halbgott in Dunkelblau. Zugegeben, das trug nicht unbedingt zu Deeskalation bei.
Bitte, an der Stelle die Frage, was willst sonst machen wenn dir der Typ 10 Minuten lang erklärt, dass dein Auto in x Punkten nicht dem Regelwerk entspricht. Vor allem wenn er sich selbst nicht auskennt und Slalom- und Rallye-Reglement durcheinanderbringt. Erst als ich gesagt hatte, dass ich jetzt unter anderem den Georg Unholzer und den Hans Dichtl anrufe und unter Nennung seines Namen den Herren erkläre wie unfähig sie sind weil sie mein Auto die letzten Jahre immer haben starten lassen, wurde es ruhiger.
Ich bin mir sicher, es gibt beim DMSB eine Blacklist, und ich steh da nun ganz weit oben drauf. Jedenfalls hat er uns dann, OHNE irgendwas Wichtiges wie die Sitze, Gurte, Feuerlöscher, Klamotten oder, oder, anzuschauen durchgelassen.
Wir sind anschließend mit unseren Freunden von der RGR ins Hotel gefahren. Sehr nett, gut, preiswert.
Am Samstag, um 13 Uhr irgendwas, war dann für uns Start, und schon kümmerte sich der Kumpel vom Männchen um meine Zündschnur. Wir saßen „reisefertig“ im Auto, 8 Kilometer zur WP 1, also schon Helm auf. Wir sollten den Helm abnehmen, wurde uns gesagt, da Polizei und auf der Verbindung Spion-Posten stehen, StVO, usw. blaa blaa. Wir haben geschaut wie die Teletubbies, sind raus gefahren in Richtung Straße, steht der nächste „Dunkelblaue“ und fragt, ob wir wegen den Helmen „angefegt“ wurden. Wir, Ja! Er: Lasst euch am A…… und fahrt einfach. Ich bin ja jetzt auch schon 2,3 Veranstaltungen gefahren und IMMER mit Helm auf, und NOCH NIE war da was! Ich weiß, StVO, aber ehrlich, da gäbe es andere Möglichkeiten für die Polizei. Egal.
Nun zum Rallyegeschehen.
WP 1, ein kleiner Rundkurs mit einer verzwickten Ausfahrt. Die Kunst an sich beim Rallyefahren ist ja im Allgemeinen möglichst schnell zu fahren, nix kaputt zu machen UND im geeigneten Augenblick den Rundkurs zu verlassen.
Im letzten Punkt sind wir etwas von dieser Grundregel abgewichen. Jedenfalls, als wir zur ZK kamen, stand die Startnummer Nr. 50 vor uns. Da wir die 49 hatten wirft sowas Fragen auf. Kurzes Brainstorming mit Beifahrer: a) überholt wurden wir nicht; b) der fuhr eine Runde zu wenig oder c) wir eine Runde zu viel.
Ergebnisoffen begaben wir uns dann zur WP 2. An sich eine geile Prüfung. Start in der Ortschaft, kleines Hüpferl über eine Querstraße runter zum örtlichen Fußballplatz, selbigen umkreisen (wie oft, darüber ist noch zu sprechen), dann erneuter Hüpfer auf eine größerer Ortsverbindungsstraße, welche serpentinenartig bergauf den Ort Richtung oberfränkisches Nadelgehölz verließ. Spätestens da beschloss ich, illegalerweise, im Winter die 3-Liter-Maschine einzubauen.
Dummerweise erfuhren wir erst im Ziel, dass es im Sinne des Rallyeleiters gewesen wäre, den Sportplatz zweimal zu umkreisen.
Nachforschungen meinerseits, dass die zu wenigen Meter aus WP 2 und 5 (jede WP wurde zweimal befahren) ausgeglichen mit den zu vielen Metern aus WP 1, fanden bei der Zeitnahme leider keinen Anklang, aber mei, der Bub (Jakob) soll ja was lernen.
Nochmal, ich habe dem Jakob von Anfang an das alleinige Kommando übertragen, alle Entscheidungen lagen bewusst bei ihm und ich möchte ausdrücklich betonen, dass er seine Sache hervorragend gemacht hat.
Mei, des bisserl verzählen, Wurscht! Beim nächsten Mal macht er es 100% richtig.
Rundenfehler haben schon ganz Andere gemacht. Fahrfehler übrigens auch. So wie ich im Auslauf der 5. Wertungsprüfung, um Welten zu schnell in die Links 4. Da hatte der BMW dann das Bedürfnis tangential die Straße zu verlassen. Dummerweise wurde selbige rechts durch einen tiefen Drainagegraben begrenzt und auch das angrenzende Getreidefeld wäre dem äußeren Erscheinungsbild meines Autos nicht zuträglich gewesen. Also beschloss ich dem Drängen meiner Wärmekraftmaschine nicht nachzugeben und entschieden dagegen zu wirken. Irgendwann, zwischen Straße, Graben und Feld (das Heck ging schon mal voraus) hörte ich im Intercom „Uuiijuijuiie“ oder so ähnlich. Ob das dem galt was da kommen könnte oder dem was ich dagegen tat, wird für immer ein Rätsel bleiben.
WP 3 und 6, die bekannten Prüfungen rund um Lager Hammelburg. Wieder ein Rundkurs, wir bestens vorbereitet und jedes Mal korrekt unterwegs. Wir lernen ja schließlich dazu! Alles drin was man so braucht: Enge Abzweige, kleiner Sprung, schnelle Schikanen, a bisserl Schotter danach sofort ein T rechts und sauschnelle 4er und 5er Kurven bergab. 4ter Gang Anschlag, die Tachonadel kratzt an der 2 und da fällt mir dann ein, dass meine Bremsanlage für diese Art der Freizeitbeschäftigung eigentlich völlig ungeeignet ist. Aber BMW und Bremse, das ist ja, wie wir inzwischen wissen, irgendwie immer ein Thema.
Jedenfalls wusste ich nach der WP wo ich dieses Bremspedalgefühl neulich schon mal hatte, nämlich im Stall meiner Frau als ich bei ihrem Pferd „wo reingetreten“ bin.
Aber schee wars, alles in allem. Zum Schluss warf die kulinarische Versorgung bei der Siegerehrung in der Sporthalle zumindest bei mir Fragen auf. Warum bietet man in Franken nur bis 18.30 Uhr Bratwürste an, die saulecker waren, und danach viereckige panierte Schnitzel, die so mit Fett vollgesogen waren, dass man damit einen kompletten Wagen hätte Hohlraum versiegeln können. Ach ja, und es gab noch TK-Pizza. Wer es mag…
Nach Öffnung des Parc Fermes haben wir noch zusammen verladen und sind dann, jeder für sich, nach Hause gefahren. Ich muss aber sagen, dass dies ein Fehler war. Den ganzen Tag Rallye und dann noch 350 Kilometer mit Hänger nach Hause fahren, nur mit 2 Liter Kaffee, 4 Red Bull zu schaffen und noch dreimal zum Rauchen stehen geblieben.
Leute, dafür bin ich echt zu alt. Ich geb´s zu. Meine Freunde von der RGR waren da schlauer. Nochmal ins Hotel, Zeitreise in die späten 70iger, sowohl von der Kulinarik als auch von der Einrichtung; aber lecker und sauber, und erst am nächsten Tag nach Hause fahren.
Ich denke, Jakob und ich kommen nächstes Jahr wieder, zur technischen Abnahme mit Nerventee und Baldrian, aber sonst gerne.
Und wann immer ich einen Beifahrer brauche, weil Tobi nicht kann, kann der Jakob sofort einsteigen.
Thomas Lang, Starnberg-Percha
