11. Hegau Historic 13.4.2025

Wer hätte gedacht, dass ich als Rentner selbst noch mal bei einer Rallye ins Lenkrad eines Lancia Delta Integrale greifen darf. Na gut, es war nur eine Historic und eher eine Ausfahrt in die wunderschöne Gegend des Hegaus, nördlich des Bodensees, mit nur drei Wertungsprüfungen, aber diese waren sehr besonders und die ausgewählten Strecken ausgesprochen abwechslungsreich.

Den Integrale hat mir Stefan großzügigerweise und offensichtlich vertrauensvoll zur Verfügung gestellt. Für meinen Bruder und mich war es Premiere in der Form, dass wir die Plätze tauschten, er also zum ersten Mal als Beifahrer. Schon das Einsteigen mit Käfig und Schalensitzen war regelmäßig eine sportliche Herausforderung für uns Senioren, aber man will ja auch im Alter als Team mit einem so geilen Auto eine gute Figur abgeben. Zum Üben mit dem Delta und Vorbereiten auf die Wertungsprüfungen mit Schläuchen und Lichtschranken hatten wir am Vortag leider nur eine Stunde Zeit, aber wir machten uns eh keine Illusionen über eine gute Platzierung. Die Grundlagen von Bordbuch, Gebrauch der Uhren, Schnitt- oder Zeitenberechnung schüttete ich am Vorabend über meinem Bruder aus in der Hoffnung, dass davon am nächsten Tag noch etwas präsent war.

70 Teams mit teilweise offensichtlich langjähriger Erfahrung bei dieser und vielen anderen Rallyes (linkes Heckfenster zugepflastert mit Mini-Stickern!) machten sich nach kurzer Einweisung durch den Veranstalter von Engen aus auf die insgesamt 180 km lange Strecke. Und schon die erste WP war ein Event: Die 2,8 km lange Runde des ehemaligen Alemannenrings in Singen, 1991 – 1995 DTM-Lauf mit Fahrern wie Larini, Schneider, Rosberg, Ludwig,…, mit vorgeschriebenem Schnitt von 36 km/h, über Schlauch gestoppt, mitten im normalen Verkehr mit Ampeln, Kreuzungen etc. Sehr lustig! Da kam manches Team schon mal aus der falschen Richtung zur Zeitnahme zurück.

Nach wirklich sehr schönen Strecken, mit Bergpassage den Schiener Berg rauf und wieder runter, ging es dann zur 2. Prüfung auf der Kartbahn des ADAC-Fahrsicherheitszentrums in Steißlingen, bei der nach einer mit Transponder gezeiteten Runde eine zweite Runde in exakt der gleichen Zeit gefahren werden musste. Das Schönste daran war die dritte Runde als Auslauf, bei der ich den Delta mal ein bisschen bestimmungsgemäß bewegen konnte.

Das leckere Mittagessen führte zu einer gewissen Schläfrigkeit bei meinem Bruder, ich konnte aber die teilweise etwas laxen Befehle aus dem Bordbuch durch meine guten Kenntnisse als „Einheimischer“ ausgleichen. Abwechslungsreiche Stecken mit fast null Verkehr , auf denen man auch gut etwas für einen höheren Schnitt machen konnte, führten zur letzten Prüfung, einem relativ verwirrender Pylonenkurs mit Lichtschranke in einem Industriegelände. Ich musste mir altersgerecht einige Minuten Zeit nehmen, um diesen Kurs sicher zu verinnerlichen. Aber ohne Fehler und mit gutem Gefühl ging es dann zurück zum Ziel.

Wir hatten viel Spaß auf dieser Veranstaltung, auch in der ungewohnten Rollenverteilung, und waren eigentlich recht zufrieden, aber sehr unsicher, wie gut das Geleistete war. Und so war die Überraschung nicht nur für uns groß, als wir als Drittplatzierte aufgerufen wurden und ein professionelles Fahrzeug-Fotoshooting gewonnen hatten. Und der Knüller aus der Ergebnisliste: die letzte Prüfung hatten wir mit einer Abweichung von 0,01s – einer Hunderstelsekunde – absolviert. Das wird wohl leider einmalig bleiben!

Heico

11. Hegau Historic 13.4.2025