Nach der Costa Smeralda im April war die Valsugana für uns die nächste Veranstaltung auf Asphalt für dieses Jahr. Die Anfahrt nach Borgo Valsugana ist deutlich kürzer als in die Toscana, und daher rechneten wir mit vier Stunden Fahrzeit. Durch größere Staus wurden es dann leider doch fast sechs, aber was will man machen. Das Wochenende war das der großen Überschwemmungen in Bayern, und auch unterwegs sowie im Suganertal war Dauerregen, Nebel und schlechte Sicht. Gottseidank hatten wir Donnerstagnachmittag und Freitagvormittag zum Besichtigen, so dass wir für unseren Aufschrieb immer mal wieder nebelfreie Streckenabschnitte hatten
Die Rallye bestand nur aus drei Prüfungen, die aber jeweils zweimal, und eine davon dreimal gefahren wurden. Durch die Länge der einzelnen Prüfungen (14 – 22 km) kamen insgesamt 93 WP-Kilometer bei einer Gesamtlänge von 270 km zustande, was ein gutes Verhältnis darstellt.
Die Valsugana-WPs sind äußerst anspruchsvoll. Schnelle und breite Passagen wechseln sich mit sehr engen Abschnitten im Wald ab, auf denen rechts und links kein Spielraum für Fahrfehler besteht. Abkürzen in den Kurveninnenseiten kann da richtig schiefgehen, und durch den Dauerregen war der Untergrund durch herausgetragenen Dreck unberechenbar. Hinzu kommen viele Spitzkehren, zum Teil nach Kuppen, und sowohl bergab wie bergauf. Wir sind jede Prüfung vier Mal abgefahren, um nichts zu übersehen und einen möglichst guten Aufschrieb zu haben.
Zusammen mit Peter und Elke Göckel waren wir außer einem Team aus der Schweiz die einzigen nicht-italienischen Teilnehmer, was uns etwas Exklusivität verliehen hat. Nachdem wir in Italien für das “Team Bassano” starten, sind insbesondere Peter und Elke aber dort schon ein bisserl daheim. Die Starterzahlen in Italien sind im Gegensatz zu Deutschland immer noch sehr hoch, und so kamen zu 100 “normalen” Teilnehmern noch fast 20 Autobianchi A112 Cup-Fahrzeuge und nochmal etwa 20 Starter in der Gleichmäßigkeitsklasse hinzu. Die Porsche 911 könnten in Italien schon fast eine eigene Rallye fahren … Es waren insgesamt 24 Stück, und die allermeisten davon im Bestzeitbereich.
Am Samstag, dem Rallyetag, regnete es nicht mehr, und damit war die Reifenfrage für uns schnell entschieden: Michelin TB5+, denn die einzige Alternative waren Michelin-Straßenreifen, und mit denen gewinnt man im Trockenen natürlich keinen Blumentopf. Letztlich war ich aber in den ersten beiden Prüfungen übervorsichtig, und die Zeiten daher katastrophal schlecht. Andererseits wollte ich keinerlei Risiko eingehen, denn ein einziger Fehler auf diesen WPs konnte den Totalschaden bedeuten. Ein Golf-Fahrer hat das für uns getestet, und wir wollten es nicht nachmachen. Die schwierigen Straßenverhältnisse führten dann auch zu extrem vielen Ausfällen, und wir mussten schon in WP 1 nach einigen Kurven den ersten abgeflogenen Porsche außen umfahren. Das ging die ganze Veranstaltung so weiter, und letztlich war die Ausfallquote 40% (!). Wir wurden im Verlauf der Rallye deutlich schneller, blieben aber trotzdem auf der sicheren Seite. Nach vielen Jahren bin ich bei dieser Rallye auf einer Wertungsprüfung tatsächlich mal von einem anderen Teilnehmer mit einem Lancia Delta Integrale Gr. A überholt worden (peinlich, peinlich, …), andererseits sind wir selbst aber auch zweimal auf einen Ford Sierra Cosworth aufgelaufen, der uns nicht vorbeigelassen hat.
Peter und Elke hatten das Pech, in der Prüfung hinter dem Golf zu fahren, der sich auf der Wertungsprüfung zerlegt hat, und so wurden sie durch das neue “Tracking-System” zum sofortigen Anhalten aufgefordert. Zusammen mit den anderen Teilnehmern hinter ihnen wurde dann für sie eine WP-Fahrzeit “ausgewürfelt”, was sehr unglücklich war, aber leider den Regularien entspricht.
Letztlich sind aber beide MAGRA-Teams ohne Kratzer an den Autos ins Ziel gekommen, und das mit einigermaßen vorzeigbaren Platzierungen.
Der Safari-Porsche hatte ja vom letzten bis zum Anfang diesen Jahres eine “Verjüngungskur” bekommen, und das hat sich deutlich bemerkbar gemacht. Fahrwerk, Bremsen und Lenkung funktionieren jetzt wieder tadellos, und der Ersatz des bisherigen Auspuffendtopfs durch zwei Italien-kompatible “Brülleisen” hat den Drehmomentverlauf erheblich verbessert. Auch Gerhard und ich waren schon etwas eingerostet, aber nach zwei Rallyes in diesem Jahr sind unsere Standschäden wieder behoben, und es kann wieder losgehen. Elba, wir kommen!
stomi
