Voller Vorfreude setzte ich mich am 16.07. in Singen in den Zug nach Zürich, um dann weiter nach Vicenza, dem Startort für die Rally Campagnolo Storico, zu fahren, Stefan am nächsten Tag dort zu treffen und uns auf die Besichtigungsrunde für die 93 km Sonderprüfung der Veranstaltung zu machen. In Zürich war es dann schon vorbei mit der Freude, als der Zug von Trenitalia wegen Türproblemen kurzerhand storniert wurde, alle Fahrgäste raus und zum nächsten Zug hechteten, der dann natürlich brechend voll war und keine Sitzplatzreservierung mehr gültig. Das war aber nur der Beginn meiner Odyssee (doch das ist eine andere Story!), bis wir dann am nächsten Tag die 6 Sonderprüfungen, davon 4 zweimal zu fahren, unter die Räder eines Pandas nehmen konnten. Das ging ja schon gut los! ICH HASSE ZUGFAHREN!!!
Wir stellten schnell fest, dass die vom Veranstalter zugelassene Zeit zum Besichtigen der Prüfungen viel zu kurz bemessen war und wir in den 5 Stunden nur die beiden Prüfungen des ersten Tages zweimal fahren konnten, die Kontrollfahrt der anderen dann verbotener Weise auf den nächsten Tag legen mussten. Die italienischen Teams hatten mit Sicherheit das Wochenende davor schon bestens genutzt. Die zum Teil engen und winkeligen Sträßchen dort und die gefühlt 50000 Kreisverkehre in dieser Gegend reduzieren die machbare Durchschnittsgeschwindigkeit massiv.
Das bunte Starterfeld von 66 Fahrzeugen bestand aus diversen hochkarätigen Porsches, Cossies, M3s und Integrales etc., aber auch vielen kleinen Flitzern wie Fiat Uno Turbos, Ritmos und Autobianchis A 112. Wir waren mit unserem Mazda 323 GTX und als einziges ausländisches Team echte Exoten.
Nach längerer Rallyeabstinenz mussten wir bei den 2 Prüfungen am ersten Tag erkennen, dass wir beide noch gutes Potential für Verbesserungen hatten. Der Flow war noch nicht da. Das wurde uns besonders klar, als uns der hinter uns startende Renault 5 GT Turbo zum Ende der 2. Prüfung ein- und überholte. Allerdings drehte da wohl ein Wahnsinniger aus der Gegend dort am Lenkrad, der ganz offensichtlich jede Kurve und Kuppe schon zig-mal gesehen hatte, denn er wurde schließlich im Gesamtergebnis NEUNTER. Krass!
Die etwas gedrückte Stimmung wurde mit leckerem italienischem Abendessen und ausreichend Wein wieder in Richtung Optimismus gebracht. Darüber hinaus erhielten wir am nächsten Morgen von den Göckels, die das Team Bassano unterstützten, das mit 38 (!) Fahrzeugen vertreten war, im Servicepark einen schönen Motivationsschub.
Als frustrierte 58. im Ziel des ersten Tages konnte es für uns am zweiten nur besser werden. Und es wurde besser! Auf den zwei Schleifen mit den jeweils 4 Prüfungen wurden wir von Prüfung zu Prüfung immer schneller, einmal allerdings ausgebremst durch eine ausgefallene Gegensprechanlage. Besonders die 15 km lange Prüfung Santa Caterina, ein bekannter Klassiker, lag uns gut und schon im ersten Durchlauf waren wir mit der 38. Zeit einigermaßen bei der Musik. Sehr zufrieden waren wir dann mit dem 2. Durchlauf der Prüfung und dem 26. Platz im Gesamt. Ungefähr da hätten wir uns auch gesehen, wenn wir nicht die übliche Anlaufschwäche am ersten Tag gehabt hätten.
Und so waren wir dann schließlich mit dem 34. Platz im Gesamtergebnis doch recht zufrieden, zumal der Mazda auch einen super Job machte und nichts zerstört wurde. Dass diese Veranstaltung und die teils wirklich sehr anspruchsvollen Prüfungen mit ihren vielen Kehren und Engstellen es in sich haben, zeigt auf die immense Ausfallquote von einem Drittel der gestarteten Fahrzeugen. Da ginge es schon richtig zur Sache, offensichtlich typisch italienisch!
Bei dieser Veranstaltung wurde uns auch ein Trackingsystem ins Auto gesetzt, mit dem die Route verfolgt wurde und Unfallmeldungen während der Prüfungen hätten abgesetzt werden können. Dumm nur, wenn das GPS immer wieder ausfällt und die Organisation mich 5 Minuten vor Start einer SP per WhatsApp auffordert, die Kiste runter und wieder hochzufahren. Das geht irgendwie nicht! Und auch die Spezialisten von BeTraced waren nicht in der Lage, über Nacht im Parc Ferme das Problem vollständig zu lösen. Na ja!
Aber Ende gut – alles gut, wir freuen uns schon auf die Schotter-Rallye im September auf Sardinien. Da fliege ich aber hin!!!
HeiCo
