22. Fürst Carl Rallye 17. / 18.4.2026

Der Elch in den Wäldern des Fürscht Carl

Einige Magraner werden sich noch daran erinnern, dass der Präsident Stock mit Sohn, sowie meine Wenigkeit, vor einigen Jahren mal ein Eisrennprojekt realisiert haben. Elch auf Eis. Das hat wunderbar funktioniert, der Elch (Volvo 940) hat sich als ein feiner fahrender Wandschrank auf der Eispiste in mein Herz gefahren. Der Beginn einer langen Freundschaft.
Ich habe den alten Schweden nach dem Eisrennen gegen Bares ausgelöst und samt H-Kennzeichen 2 Jahre privat gefahren. Dabei kam mir der Gedanke, wenn ich sowas mal richtig präpariert (Käfig/Gurte/Sitze/Sperrdiff/kurze Ax (das heißt so!) und einem einigermaßen agilen Motor „zufällig“ irgendwo finde – dann werde ich nochmal rückfällig. Naja, der Zufall wollte es, dass ich im Dezember auf Facebook (=Instagram für die Älteren) mehr nebenbei auf solch ein Motorfahrzeug gestoßen bin. Und der stand auch noch ungünstiger Weise in Fischbachau. Quasi ums Eck. Ich glaube den Rest kann man mit dem Begriff „Übersprungshandlung“ abhaken.
Im Januar hat mir dann der Eberhard Mani den Elch mit seinem Gespann nach München gebracht. Was nun also damit anfangen? Ich habe, Insider wissen das, auf den ganzen DMSB Nepp zunächst einfach keine Lust. Meine ganze Ausrüstung ist top in Schuss, der Helm war immer ohne UV Einwirkung im Schrank verstaut – alles für nix mehr gut? Die Regelung für die NAVC ist einfach, aber plausibel: Du bist für deine Sicherheit selbst verantwortlich und sollst einen Overall, Handschuhe, HANS, Sturmhaube und diese Sachen am Start anhaben. Wenn du die nicht anhast, startest du nicht. Und die Starter kontrollieren das.

Da lag mir ein Flirt mit dem NAVC schon sehr nahe. In den Wäldern rund um Ellingen, das liegt in Mittelfranken, ist´s gut fahren. Das haben wir Weiland Anno 2006 schon mal genossen, anlässlich des BMW-IS-Cup. Nennung raus, Tageslizenz geschossen, Jan (Enderle) engagiert, los geht’s.
Ich habe ja weder ein Zugfahrzeug, noch einen Trailer. Mein Zahnarzt, Michi, motorsportbegeistert hat, vielen Dank dafür Michi, das alles organisiert.
Apropòs Nennung, die Klasseneinteilung im NAVC ist ja irgendwie putzig. Seriennahe Autos nennen in der Gruppe 1 und dann nach Hubraum. Die Gruppe 2 hat den Untertitel „Übermotorisiert“ und dann auch wieder nach Hubraum. Das heißt, die Gruppe „H“ darf sich da nach Herzenslust austoben. Und auch die Evo irgendwas oder Subaru Feuerstühle, die dürfen alle ohne Air-Restriktor auf die Piste. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang ein Audi 80 Quattro, Facelift S1. Der Gerät hatte offensichtlich soviel Qualm unter der Haube, dass der Pilot selbst auf einer asphaltierten Geraden seine liebe Not hatte das Auto zu bändigen.

Das Konzept zur Fürst Carl denkbar einfach, 2 WPs, 1 / 3 / 5, sowie ergo 2 / 4. Erstere WP kurz charakterisiert – relativ viel geradeaus, einige Schikanen (sinnvoll und flüssig angelegt), Ortsdurchfahrten, eine wundervolle Schotterpassage durch den Wald, Start-Ziel Prüfung. 2/4 – kleiner Rundkurs mit 2 Schotterpassagen und langem Auslauf. Leider war der Rundkurs nur auf 2,5 Runden begrenzt, das hätten für meinen Geschmack auch gerne 25 Runden sein dürfen. Im Schotter bergab mit dem Elch, der immerhin ein Reiger Fahrwerk verbaut hat! Und den Reifenwahn, der im Einsteigersegment des Rallyesport betrieben wird, den will ich nicht mitmachen. Michelin Pilot Sport 4, Serienreifen. Der geht, das weiß ich aus einem Reifentest, auf trockener Strecke ganz passabel und im Regen sehr gut. Der Satz kostet 440 Euro. Kann man machen.

Zur Rallye selbst: Joah, was soll ich sagen. Nach langer Zeit wiedermal ein eigenes Rallyefahrzeug, sehr lange nimmer gefahren. Das bayrische Nirwana heißt ja: Schaumamoi. In unserer Klasse Gruppe 1, seriennah über 2 Liter Hubraum, waren ursprünglich mal 5 Autos genannt, gestartet sind dann 4. Die Gegner: ein Nissan 350 (Scheidhammer, der Bärentöter!)), ein BMW E46 Compact 323 (glaube ich) und ein Ford Fiesta ST. Und der Elch.
Gedanklich hatte ich mich darauf eingestellt, das Schlusslicht mit nicht allzu viel Rückstand zu bilden. Der Elch ist jetzt kein wirkliches Asphaltauto. Und es waren 85 % Asphalt.

Gut, um 11.36h verlassen wir Ellingen in Richtung WP 1. Mein Endgegner vor der WP heißt HANS! Ich habe jedes Mal meine liebe Not, diese vermaledeiten Drecksclips einzuklicken. Jedes Mal! Wobei die linke Seite noch hin und wieder geht. Aber rechts…naja, für was hat man denn einen Copiloten.

Es geht also los, der Schwede riecht kurz nach dem Start aweng nach Kupplung, Jan betet seinen Psalm runter und ich versuche den Elch zu verstehen. Geht aber recht gut, auch die Reifen sind, naja, irgendwie „ehrlich“. Im Ziel qualmen die Bremsen etwas, aber ansonsten keine besonderen Vorkommnisse. Scheidhammer legt hier gleich mal die Messlatte recht hoch, um nicht zu sagen unerreichbar. Der Rest entzog sich meiner Kenntnis.
WP 2. Das ist jetzt eher was für den Schweden. Vom Start los sofort im Schotter leicht kurvig, bergab auf einen 90 Grad Abzweig zu. Und wenn du als Fahrer deinem Co im Training diktiert hast, dass das alles voll geht, dann kommt es halt zum Schwur. Bis runter zum Abzweig müssen die Drosselklappen zu 100% offen sein. Und der 4te Gang drin. Darüber gibt es keine Debatte. Nach dem Abzweig weiter bergab, im Verlauf eine kurze R/L-Kombi, die aber auch mit offenen Drosseln zu nehmen war. Außerdem auch hier – höhö, Links/Rechts voll diktiert, da darfst du dann auch nicht lupfen. So steht’s geschrieben – so fahren wir das! Die schon erwähnte lange Ausfahrt haben wir aus „organisatorischen Gründen“ nur einmal befahren, zum Schrieb erstellen. Das sollte sich noch rächen.

In der darauffolgenden 40 minütigen Zwangspause hatte ich dann die Muße, die Veranstalter WhatsApp Gruppe mit den Zeiten zu sichten. Das sah schon mal nicht so schlecht aus. Ok, der Alois mit seinem Nissan hat in der ersten WP fürchterlich hingelangt. Ehre, wem Ehre gebührt.
Auf dem zweiten „Wettrennen“ sah das schon a weng ausgeglichener aus. Statt vom Alois 30 Sekunden verpasst zu bekommen, waren’s dann nur noch derer neun.
Zweite Runde: Wir erinnern uns 1 / 3, sowie 2 / 4. Die 30 vom ersten Durchgang wurden auf 17 gedrückt, für diese Asphaltprüfung geht das schon.
Dann unser persönliches Highlight – der Rundkurs. Mit dem Volvo, bergab, mit Schotterintarsien. Wir wurden so reingestartet, dass wir den Arsch vom Nissan noch gesehen haben. Und wir sahen auch, dass Schotter bergab nicht zu seiner Paradedisziplin gehört. Unglücklicherweise gehörte zu dieser WP auch ein elendiglich langer Auslauf auf Asphalt. Den wir, siehe oben, nur schlampig einmal aufgeschrieben, aber nicht kontrolliert haben. Dafür war aber die Zeit (-1,5 Sekunden zur Klassenbestzeit) ganz passabel.
Wir fahren ins Regrouping zurück nach Ellingen. Da lässt sich der 3te Gang nicht mehr schalten. Also schalten schon, aber statt Vortrieb ein fürchterliches Kratzen. Wir schauen uns im Regrouping die Zeiten an – Heureka! Nach WP 4 auf Platz 2 mit einem Polster von 34 Sekunden zu Platz 3.
Jan und ich beschließen, den Elch nochmal mit den Gängen 1, 2, 4 und 5 über die letzte WP, engagiert, aber vorsichtig zu fahren. 34 Sekunden könnten reichen, um Platz 2 zu halten.

Also WP 5, (+!*:-(#!!verficktes HANS System klemmt wieder…). Wir starten zügig, 1ter, 2ter und dann eigentlich 4ter Gang. Der war aber dann auch im Streik. Wir haben uns dann während der WP über alles mögliche unterhalten (und – du so? Ja Danke, geht gut. Dir auch? Ja.) und eben so gut es geht den alten Schweden ins Ziel gebracht.
Machen wir´s kurz: Nach Scheidhammer ( Alois) waren die Zeiten recht ausgeglichen. Und mit den Gängen 1, 2 und 5 wird’s halt a weng fad den Vorsprung zu verwalten. Am Schluss haben wir 40 Sekunden kassiert. Den Rest könnt ihr euch jetzt selbst ausrechnen.
Fazit: Wir hatten einen Mords-Spaß und der Elch ist ein prima Motorfahrzeug.
To be continued

HoLaMü