24. Silvretta Classic Rallye Montafon (A) 7.- 9.07.2022

Aufi aufn Berg!

Das Montafon kannte ich bisher hauptsächlich vom Skifahren mit tollen Pisten und entspannten Skiorten, wie Schruns, Damüls, Partenen etc. Von den Anfahrten zum Skiurlaub wusste ich also schon, dass es hier auch auf den Straßen mächtig bergauf und bergab geht, mit ganz vielen Kurven.

Umso mehr habe ich mich riesig gefreut, als klar war, dass ich wieder neben meinem Bruder in seinem Ferrari 208 GTS Turbo Platz nehmen durfte und wir zur Rallye zugelassen wurden. Ein erlesenes Feld von fast 200 Fahrzeugen, darunter eine ganze Armada von Porsches in verschiedensten Ausführungen, vom 356 Cabrio über Standard G-Modell bis zum perfekt aufgebauten Carrera RSR, und eine großen Anzahl von Mercedes SL, von den ganz frühen Modellen als Flügeltürer und Cabrio bis zum Youngtimer aus 1997, aber auch schöne BMWs, NSU TTS etc. und einige großartige offene Roadster aus den 30er Jahren starteten am 07.07. in Gaschurn zu drei intensiven Runden mit insgesamt 18 Wertungsprüfungen auf ca. 600 km Strecke. Gefreut habe ich mich auch, nach 31 Jahren mal wieder mit Isolde Holderied quatschen zu können, die auf einer Toyota Celica Supra aus dem Toyota Classic „Museum“ startete.

Mit Startnummer 179 hatten wir das Glück, uns beim Start fast alle Fahrzeuge anschauen bzw. am zweiten und dritten Tag entspannt frühstücken zu können, während die ersten Starter schon um 1/100 Sekunden kämpften. Wir mussten dann schnell wieder feststellen, dass wir echte Amateure im besten Sinn sind: Dabei sein ist alles! Gegen die Teams, die regelmäßig bei dieser Art von Gleichmäßigkeitsrallye starten, haben wir null Chance. Wir machen schlicht zu viele kleine Fehler und sind zu wenig konstant beim Durchfahren der Lichtschranken oder beim Überqueren der Schläuche. Wir hatten uns als Ziel gesetzt, in der ersten Hälfte der Starter zu landen. Mutig!

Dass der Veranstalter auch Gemeinheiten einbaut, um die Spreu vom Weizen zu trennen, war klar. Und er hat sich einiges einfallen lassen. Am ersten Tag gleich zum Beispiel eine Roll-WP, bei der man bergab startet, ohne Gang, Fahrzeug nur rollen lassen und nur mit der Bremse auf 1/100 durch die Lichtschranke. Und als wenn das nicht schon tricky genug wäre, packt er gleich noch eine geheime Prüfung über 100 m ab Ziel der Rollprüfung drauf. Da waren Gott sei Dank nicht nur wir etwas überfordert, das Konto an Strafpunkten schnellte nach oben. Mehrfach wurden auch WPs ineinander geschachtelt und verlangten volle Konzentration und Abstimmung zwischen Fahrer und Beifahrer. Da wurde es manchmal auch etwas lauter im Ferrari, und das kam nicht vom Motor. Als wir uns am ersten Tag auf Platz 67 auf der Ergebnisliste sahen, kam schon fast Euphorie auf.

Aber das relativierte sich an den beiden weiteren Tagen schnell wieder. Die WP-Ergebnisse, die vom Veranstalter regelmäßig nach Ende der WPs über SMS aufs Handy geschickt wurden und in der hervorragenden Rallye-App zeitnah nachzulesen waren, zeigten uns mehr als deutlich, dass es auch weniger gute Tage gibt. Als wir schließlich im Gesamtergebnis auf Platz 90 in der Ergebnisliste standen, waren wir trotz manchem Frust insgesamt sehr zufrieden, Ziel erreicht.

Aber das Großartige an dieser Rallye waren für uns eindeutig die Strecken, die der Veranstalter gesucht und gefunden hatte. Fantastische Bergstrecken, Kurven ohne Ende und beeindruckende Ausblicke ließen uns fast vergessen, dass wir bei einer Motorsportveranstaltung unterwegs waren. Wir genossen jedenfalls jeden Meter, ganz besonders diese 36 Kehren der Silvretta Hochalpenstraße, rauf und runter, wo auch ein alter Turbo-Ferrari richtig Gaudi macht, wenn er beim Hochschalten den Ladedruck abschnalzt, geil! Mein Bruder hatte auf mein Anraten vor der Veranstaltung noch mal die Bremsanlage überarbeiten lassen, eine sehr weise Entscheidung. Andere hatten weniger vorgesorgt und standen dann mit verrauchter Bremse im Notausgang.

Bei dieser Veranstaltung wird auch viel für das Drumherum getan. So wurde der erste Abend oben auf einer Hütte bei Gaschurn gefeiert und alle Teilnehmer mit der Gondel rauf und wieder runter gebracht. Eine tolle Aktion, aber leider spielte das Wetter genau dann überhaupt nicht mit und es goss in Strömen. Insgesamt war auch die Organisation der gesellschaftlichen Events, ob die Mittagspausen oder die Abendveranstaltungen, perfekt und die Verköstigung hervorragend. Das Sportliche tritt bei so viel Drumherum eher etwas in den Hintergrund, leider. In der aktuellen ams (Nr. 17) wurden wir im Bericht von der Silvretta Classic noch nett erwähnt, weil wir dem noch unerfahrenen Reporter beim Frühstück im Hotel etwas Handwerkszeug für die Bewältigung der Gemeinheiten mitgeben konnten.

Jedenfalls wir haben wieder Blut geleckt und uns eine weitere Rallye Mitte Oktober im Schwarzwald vorgenommen. Bis dahin wird noch trainiert. Dann muss zur Abwechslung mal der 1971er Mercedes 280 SE meines Bruders herhalten, der Trip ist schon drin.

heico

24. Silvretta Classic Rallye Montafon (A) 7.- 9.07.2022