25. Bosch-Boxberg Klassik 26. – 28.06.2026

Als wir den Ferrari 208 GTS Turbo Intercooler am Freitagmorgen auf den Hänger in Freiburg luden und wir dabei schon übel ins Schwitzen gerieten, war uns bereits klar, dass das unsere wohl bisher heißesten Rallye werden würde, zumindest was die Außentemperatur anging. Wichtigstes Utensil während der nächsten Tage sollten dann auch die Alumatten für die Fenster werden, um sich nicht an den brüllend heißen schwarzen Sitzen den A…. zu verbrennen. Gott sei Dank auch kommt dieser 208er aus Italien, wo schlauerweise bereits 1987 die Klima als Sonderausstattung gewählt wurde.

 

 

Schon die Ausschreibung lies erwarten, dass dies eine Mixveranstaltung aus Gleichmäßigkeit, Oriaufgaben, Geschicklichkeit mit dem Auto und nettem Rahmenprogramm werden würde. Es gab auch zwei Klassen, die Sportlichen, für uns, und die Touristischen. Nach Abnahme und Dokumentenempfang ging es am Samstagmorgen von der Motorworld Böblingen früh auf die Reise Richtung Hockenheim. Am Abend vorher hatte ich mir noch das Hirn zermartert, wie die Oriaufgaben aus Kartenausschnitten und Strich-/Punkt-skizzen zu bewältigen seien. Wenn man das nach 45 Jahren erstmalig wieder machen muss, führt auch das zum Schwitzen, zumal es jede Menge Ausführungsbestimmungen gab, die bei der Wahl der Strecken exakt zu beachten waren. Und so ganz einfach macht es der Veranstalter üblicherweise auch nicht, indem er DKs, Parkplätze, Seitenwege etc. mit einbaut, was schon mit normalem Auge in den kleinen Kartenausschnitten kaum zu sehen ist, und schon gar nicht mit Meinen. Also Handy raus und im Vergrößerungsmodus alles abgehen, organic map raus, uff! Aber ich war eigentlich ziemlich optimistisch, dass ich die richtigen Wege und Reihenfolgen gefunden hätte, was sich im Nachhinein im Ergebnis schon bei der ersten Oriaufgabe als reine Selbstüberschätzung rausstellte.

Aber auch mein Bruder hatte seinen Beitrag zu leisten, indem er bei diversen Aufgaben (z. B. Abstand Hauptscheinwerfer zu einem Gatter, Fahrzeug mittig auf einer Linie zwischen Vorder- und Hinterrad positionieren, definierten Abstand Hinterrad zur Bordsteinkante anfahren, …) seine Kenntnisse über die Dimensionen seines Ferrari beweisen konnte. Jeder Zentimeter falsch gab Strafpunkte. Dass er die Dimensionen seines Autos nicht so wirklich einschätzen kann, hat er mit der Sammlung jeder Menge Punkte bewiesen. Aber zu seiner Ehrenrettung muss gesagt sein, dass es wohl nur wenige unübersichtlichere Fahrzeuge als diesen Ferrari gibt.

In Hockenheim war dann Ziel des ersten Tages, und wir durften nach einem Fotoshooting noch einige Runden geführt auf der Strecke rumkurven, also nichts Spektakuläres. Aber für jemanden, der den Ring nur von der Tribüne kennt wie mein Bruder, gab es schon einige Aha-Erlebnisse. Wir waren beide wieder beeindruckt, wie breit die Strecke eigentlich ist. Das sieht man von draußen gar nicht so richtig. Kein Vergleich mit der Nordschleife, oder selbst mit der Nürburgring Grand Prix-Strecke.

Am nächsten Tag war Ziel das Bosch Boxberg Prüfzentrum, wo noch diverse Aufgaben zu erfüllen waren, die zum Teil etwas mit Gleichmäßigkeitsprüfungen zu tun hatten. Und da machte sich dann unsere fehlende Routine wieder deutlich bemerkbar. Weder mein Bruder noch ich liefen zur Höchstform auf und wir sammelten weiter fleißig Strafpunkte, weil entweder der Counter nicht startete, die Zeit nicht unser Freund oder die Aufgabe für den Ferrari deutlich ungeeignet war. Bei einer Prüfung war die Steilkurve ein Element und das war schon nett zu erleben.

Aber über allem schwebte diese Hitzeglocke! Ich glaube, ich habe noch nie innerhalb von 48 Stunden so viel Wasser, Limo, und natürlich Radler (alkoholfrei!) in mich reingeschüttet, wo immer dieses Volumen dann verdunstet sein mag. Unserer Klimaanlage sei Dank, war das für uns noch erträglich. Die vielen anderen Teams, die bei Außentemperaturen von 41 Grad keine Klima an Bord hatten, weil altes Auto, darunter auch diverse offene Roadster und Cabrios, habe ich wirklich bemitleidet und gleichzeitig bewundert, dass sie nicht unterwegs einfach zu einem der Seen abgebogen sind. Erstaunlicherweise gab es bei Mensch und Maschine ganz wenige Ausfälle.

Weil im Rahmenprogramm auf der großzügig gewässerten Handlingsfläche im Prüfzentrum die Slowly Sideways mit diversen Rallyefahrzeugen, z. B. Ascona A und B, 325i, kurzer und langer Audi Quattro, 200erter, 02er, 280CE, usw. kurze Touristenfahrten möglich machten, habe ich meinem Bruder eine Audi Quattro-Fahrt verordnet. Die glänzenden Augen beim Aussteigen danach waren Beweis genug, dass er dieses Erlebnis nicht mehr vergessen wird.

Wir entschieden uns, wegen Warnung vor schweren Gewittern zu Hause schon vor der Siegerehrung die Heimreise anzutreten, Pokal gab es für uns eh nicht. Und so habe ich erst beim Durchschauen der Ergebnisse gesehen, dass ich zwar die erste Oriaufgabe schon beim Start komplett vergeigt habe, siehe oben, die restlichen Oriaufgaben aber tatsächlich sehr gut gelöst hatte und wir dann im Gesamtergebnis noch den 21. Platz von 46 Startern belegten. Darauf ein eiskaltes Bierchen!

HeiCo