25. Hunsrück Junior Rallye 1.7.2023

… oder endlich mal ankommen!

Die Hunsrück Rallye, die legendäre, die gibt’s nicht mehr, das wissen alle. Aber das Sportfahrer Team Hunsrück hat in den letzten Jahren mit der in den Sommer gewanderten Hunsrück Junior Rallye einen würdigen Nachfolger für die Breitensportler aus der Taufe gehoben. Baumholder ist nicht mehr dabei, aber viele tolle Hunsrück Berg-Tal-Wald-Prüfungen, garniert mit ein paar Kilometern durch Schotterwerke als Topping. Die Rallye ist super organisiert und zählt zum DMSB Rallye Cup. Wir fahren sie schon seit drei Jahren, aber wir waren bisher noch nie im Ziel.

Die Anreise war schon mal auf jeden Fall ein Akt für sich. Ich hatte am Freitag noch eine Uni-Veranstaltung in Augsburg, die ich unbedingt besuchen musste, und Jürgen hatte einen Termin in Stuttgart. Also haben wir am Donnerstagabend schon das Auto aufgeladen. Jürgen ist Freitag morgens dann mit dem Gespann nach Stuttgart gefahren, und ich bin freitags nach der Uni mit dem Zug nachgekommen. Nach erfolgreichem Zusammenfinden um 18:30 Uhr abends, nachdem der ICE etwa 40 Minuten Verspätung hatte, gings auf den Weg in die Pfalz. Dort bei einem Freund zeitig ins Bett, weil wir leider am Samstag um 6 Uhr aufstehen mussten, um nach Idar-Oberstein zu fahren. Also gerade noch ganz knapp an der akzeptablen Grenze für uns.

Samstag früh sind wir dann kurz vor 8 Uhr angekommen. Die Abnahme ging bis 8:30 Uhr, warum hätten wir also noch früher kommen sollen? Unerwartet haben wir trotzdem hier schon den ersten Ehrentitel für das beste Nervenkostüm in der Vorbereitung errungen. Wir waren die allerletzten bei den Abnahmen. Die Leute bei der Dokumentenabnahme hatten bereits das Telefon in der Hand, um die Vermisstenanzeige aufzugeben. Nach erfolgreicher Dokumentenabnahme und Klärung jeglicher Verlustmeldungen ging es schnell zur technischen Abnahme, die zum Glück sehr fix ging, und dann zum Abfahren. Die Rallye war eine 70er mit drei verschiedenen Prüfungen: einem Rundkurs und einer Sprintprüfung, die jeweils 3-mal gefahren wurden, sowie einem weiteren Sprint, der 2-mal unter die Räder genommen wurde.

Für das Erstellen des Aufschriebs haben wir ca. 2:30 Stunden gebraucht, um alle WPs doppelt abzufahren. Das war hier auch auf jeden Fall nötig, da wirklich jede WP anspruchsvoller als die andere war. Kurve an Kurve durch kleine Wäldchen gespickt mit uneinsehbaren Abzweigen, die plötzlich auftauchten, und garniert mit immer mal wieder anspruchsvollen Schotterecken. Gegen 11:30 Uhr waren wir mit dem Abfahren fertig und hatten gerade noch Zeit, um uns anzuziehen und schnell etwas zu essen, bevor es dann kurz nach 12 Uhr mit Startnummer 18 für uns losgehen sollte.

WP 1, Werzbacher Bruch war eine Sprintprüfung, die in Teilen schon im Vorjahr gefahren wurde. Los ging es mit flüssigen, schnellen Kurven durch den Wald, die immer wieder durch einige enge Serpentinen, also Spaßkurven, gewürzt wurden. Bis man dann im letzten Teil der Prüfung im Werzbacher Steinbruch landete, durch den noch einige Schotterkurven bis zum Ziel an der Ausfahrt vom Steinbruch führten. Ich war hochmotiviert, hatte ein gutes Gefühl und kannte die Strecke auch noch ein bisschen aus dem Vorjahr. Und ich muss sagen, die Prüfung lief vom Start weg richtig gut. Die Ansagen haben perfekt gepasst, und ich war teilweise selbst erschrocken, wie schnell es plötzlich durch den Wald ging. Bis kurz vor der Einfahrt in den Steinbruch war ich zuversichtlich, dass wir auf dieser Prüfung eine erstklassige Zeit haben würden. Dort trafen wir jedoch auf eine Schikane, die anderer Meinung war. Es ging leicht bergab, und ich hatte sie tatsächlich etwas weiter hinter der Kurve aufgeschrieben, als sie in der Realität war.

Viel zu schnell ankommend, hatte ich natürlich noch versucht, die Situation durch sehr hartes Bremsen zu retten, was auf dem ziemlich dreckigen Asphalt zu blockierenden Rädern führte. Daraufhin habe ich natürlich die Bremse gleich wieder gelöst, und logischerweise noch mehr Bremsweg verschenkt, was letztendlich dazu führte, dass wir die Schikane aus Baustellenabtrennern komplett abgeräumt hatten. Zu allem Übel kam uns auch noch der letzte Bakenfuß der Schikane mitten vors Auto, was dazu führte, dass die Front ungefähr einen halben Meter in die Höhe katapultiert wurde. Trotz des Treffers war ich mir ziemlich sicher, dass am Auto kein ernsthafter Schaden entstanden war. Alles fühlte sich noch ganz normal beim Fahren an. Also sind wir erstmal die restliche Prüfung ziemlich verhalten ins Ziel gefahren, haben danach geguckt, ob irgendwas beschädigt ist, und ich hatte mich ordentlich geärgert, dass mir so ein dummer Fehler passiert ist. Allerdings war ich auch froh, dass wir so glimpflich davongekommen waren und ich nicht an einer anderen Stelle so einen Fehler gemacht hatte oder die Schikane oder der daneben liegende Graben uns schlimmer getroffen hatten.

Also haben wir unsere Gedanken sortiert und sind zur zweiten Prüfung aufgebrochen. Diese war eine Sprintprüfung, etwa 10 km lang und von der Charakteristik sehr ähnlich wie der Anfangsteil von WP 1: also sehr schnell, flüssig, immer wieder blinde Kurven, teils ziemlich dreckiger und rolliger Asphalt, mit einer Ortsdurchfahrt und einigen Schotterabschnitten. Die WP lief eigentlich ganz gut, außer dass ich aufgrund des Fehlers von der ersten Prüfung etwas verhalten unterwegs war. Dann ging es zur dritten Prüfung, dem Rundkurs, den wir im Vorjahr in umgekehrter Richtung gefahren sind. Der Rundkurs war wieder ähnlich zu den beiden anderen WPs, jedoch ging es nicht mehr durch den Wald. Die Prüfung lag auf einer Anhöhe, so dass eigentlich alle Kurven einsehbar waren. Das hat sich dann auch gleich in den Zeiten bemerkbar gemacht, da die anderen Teilnehmer gleich mal mächtig aufgedreht haben und unsere Zeit nicht sehr gut war. Nach dem erfolgreichen Absolvieren von WP 3 ging es das erste Mal ins Regrouping nach Idar-Oberstein.
Kurz mit Kaffee und einem Stück Kuchen gestärkt, ging es dann zur zweiten Schleife. WP 4 und 5 waren wieder Werzbacher Bruch und der Rundkurs. Beide Prüfungen haben Mega-viel Spaß gemacht, und wir sind fehlerfrei durchgefahren, allerdings jetzt auch absichtlich mit ziemlich wenig Risiko. Als wir von der Ziel-DK der WP 5 wieder losfahren wollten, um zum Regrouping in Idar-Oberstein zu gelangen, hörten wir plötzlich ein komisches Klackern beim langsamen Anfahren. Wir entdeckten tatsächlich, dass sich die Lauffläche eines Reifens auf der Hinterachse gelöst hatte. Wir waren beide ziemlich schockiert, damit hatten wir echt nicht gerechnet, dass die Reifen so stark leiden würden. Vor allem, nachdem wir noch keine 40 von über 60 WP-Kilometern hinter uns hatten und die Reifen vor dieser Veranstaltung nur eine 35er Rallye gelaufen waren.
Also fuhren wir zum Regrouping, wo auch die vorgesehene Reifenwechselzone der Veranstaltung war. Hätten wir gewusst, wie stark der Reifenverschleiß bei der Rallye ist, hätten wir logischerweise, wie viele andere Teilnehmer auch, weitere Ersatzreifen mitgenommen, um sie bei Bedarf wechseln zu können. Da wir jedoch nicht mit diesem heftigen Verschleiß gerechnet hatten, mussten wir mit den 5 Reifen haushalten, die wir am Auto hatten. Also verwendeten wir unser Ersatzrad, das noch ziemlich gut aussah, und einen Reifen von der Vorderachse, den wir nach hinten montierten. Vorne fuhren wir mit dem ziemlich glatten, aber noch fahrbaren Reifen der Hinterachse. Mit dem Vorsatz, das Gaspedal vielleicht etwas sanfter zu betätigen, starteten wir in die letzte Schleife, die von den WPs her wie die erste Schleife war.

Die beiden Sprintprüfungen verliefen wieder ohne Probleme, allerdings diesmal wirklich mit gemäßigtem Tempo und höchster Vorsicht auf dem Schotter, da hier das Risiko für einen Platten besonders hoch war. Als wir uns auf dem Weg zur letzten WP befanden, dem dritten Durchgang über den Rundkurs, brach plötzlich ein kleiner Wolkenbruch über uns herein und machte die Strecke zumindest für die vorderen Teilnehmer komplett nass. Mit mittlerweile extrem abgefahrenen Reifen ließ ich äußerste Vorsicht walten, da der Grip auf dem nassen Asphalt natürlich ziemlich niedrig war. Zudem war das Stück Schotter auf diesem Rundkurs mittlerweile extrem ausgefahren, weshalb auf die ursprünglich geplante zweite Runde über den Kurs bei dieser WP verzichtet wurde. Wir wurden 13. im Gesamt mit 10 Sekunden Strafzeit und immerhin drittbester Hecktriebler. Und vor allem haben wir es endlich ins Ziel dieser tollen Rallye geschafft!

Alexander Grohs

(Titelfoto: rally3.de, Sebastian Loepp)

25. Hunsrück Junior Rallye 1.7.2023