Schon beim Kauf vom roten BMW E30 reifte der Plan damit an Youngtimer Veranstaltungen teilzunehmen. Ein Jahr später war es dann soweit. Nur noch ein bißchen mit “Sanduhr – Klasse” konformen Equipment nachgerüstet und dann konnte es losgehen.
Uschi fährt, ich auf dem Beifahrersitz. Die aus dem familiären Umfeld gestellten Fragen, ob wir gleich nach der Veranstaltung zum Scheidungsanwalt gehen oder gar bewaffnet unterwegs seien, haben wir einfach mal ignoriert. Das Vertrauen in die Fahrkunst meiner Frau stand leider in keiner Weise im Kontext zu den mir selbst zugetrauten beifahrerischen Fähigkeiten.
War es doch im Jahre des Herrn 1979 als jemand meinen Anweisungen folgend ein Kfz durch das Land der Bayern bewegt hat. Mit mäßigem Erfolg, wie ich bemerken möchte. Auch die Tatsache, dass die “Beifahrer – Lehrgänge” der Magra die ich besucht hatte schon ein paar Tage her sind machte es nicht leichter. Hoffnung schöpfte ich lediglich aus dem Wissen, dass bei der Landkarte oben Norden ist und dass man nicht auf Höhenlinien herum fahren sollte.
Los ging es am Sonntag, den 26.06.22 gegen 09.00 Uhr am Vorplatz der Stadthalle Germering. Die Veranstalter sperrten halt mal den ganzen Platz zuzüglich der Straße von der Landsberger Straße bis zum Bahnhof. Respekt!! Perfekt organisiert, viele Zuschauer und auch für Essen und Trinken war unterwegs gesorgt. Es folgte eine umfangreiche, kurzweilige Fahrerbesprechung mit allerlei Informationen. Lustig war es für mich in Uschi’s fragendes Gesicht zu schauen und mich dabei zu erinnern, das Meiste vor über 40 Jahren schon mal gehört zu haben.
Los ging es für uns dann um 10.58 Uhr, gestartet vom Germeringer OB.
Es folgte eine Etappe Richtung Starnberg, immer einem sehr exakten Roadbook folgend. Es galt hie und da entlang der schönen Strecke einige Fragen zu beantworten, auf Dinge zu achten und in die Bordkarte einzutragen. Kurz vor Andechs die erste Sonderprüfung. 4 Seiten Bilderrätsel. Zu welchem Auto gehört diese Radkappe, von welchem Modell ist dieser Schalthebel. Kurzer Blick meiner Frau, darauf hin, “Deine Baustelle“. Ich habe es wie immer gemacht. Gespielte Souveränität bei weitestgehender Ahnungslosigkeit.
Man bewegte sich dann auf herrlichen Strecken Richtung Pähl, Raisting, immer wieder von Fragen begleitet. Weiter Richtung Ammersee. Dort die nächste SP. Auf einem Parkplatz Runden drehen. Die erste 30, die zweite 20 Sekunden. Irgendwann waren wir dann in einem Gewerbegebiet, in dem, ich weiß es heute noch nicht wo, dann Mittagspause bei einem Großhandel für spanische Spezialitäten war. Wieder alles bestens organisiert. Lediglich die Tatsache, dass es keine kalten Getränke gab, schmälerte den guten Eindruck. Auch hier galt es eine SP zu bewältigen. Einer der vielen Sponsoren der Veranstaltung, die Firma ORM (Oldtimer Reifen München) stellte einen Vorkriegsreifen zur Verfügung, den es durch einen Pylonenparkur zu Rollen galt. Wohl dem der an Krücken geht.
Weiter ging es dann Richtung Landsberg, Kaufering, Penzing zur “Angstetappe”: 24 Kilometer nach Kartenausschnitt, O m G !!
Sicherheitshalber haben wir vorher vollgetankt. Wieder erwarten lief es ganz gut, alle DK’s gefunden, nur einmal kurz diskutiert und zwei mal umgedreht. Die zwei mehr Kilometer schieb ich mal auf eine unzureichende Kalibrierung des Tripmasters. Was sonst?
Der Rest war zügiges Dahingleiten nach Chinesenzeichen durch die bayrische Moränenlandschaft, in Gesellschaft einer 310 Turbo Alpine und eines De Lorean. Untermalt vom Germurmel von Uschi, ob die da vorn nicht schneller, usw. Da fiel mir ein was ich vergessen hatte. Die 4-Punkt Gurte liegen ja noch in der Werkstatt. Am Ziel im Sportpark Kottgeisering wieder ein großes Buhei, mit allem Drum und Dran. Food-Trucks, allerlei Getränkestände, Musik und Bühne für die Siegerehrung. Leider mussten wir aus familiären Gründen gleich nach Hause fahren.
Es war eine perfekte Veranstaltung, schöne Strecken, top organisiert. Wir kommen wieder. Und, für die 10-Seen Rallye im Herbst, ebenfalls vom Pascal Kapp Rallyeteam veranstaltet, haben wir schon genannt. Unbewaffnet und ohne Anwalt.
PS: Letzte wurden wir auch nicht!
Lato
