Nach einer fünfjährigen Rallyepause soll es endlich wieder los gehen. Der Sepp hat geheiratet, ein Kind gekriegt (also er nicht unbedingt) und ein Haus gebaut (also er nicht allein). Der 206 hat endlich seinen guten Motor bekommen, 177 gesunde PS. Bei mir war es weniger spektakulär, aber das Leben konstant gut und schön.
Im Jahr 2020 als wir endlich alles beisammen hatten, um Rallye zu fahren, da hat die Welt Corona bekommen. Schöner Scheiß! In Deutschland und der Welt ging nix. Erst nach den Sommerferien erste Veranstaltungen, ausgerechnet in Italien welches die Pandemie so heftig getroffen hat.
Endlich wieder Rallye! Endlich wieder international Rallye fahren! Endlich wieder Italien! Endlich wieder Bassano! Corona hat verursacht, dass wir nicht langsam wieder mit dem Fahren anfangen konnten, wir nicht irgendwo vor der Haustür den Funktionstest für den Motor machen konnten. Nein, es ging voll los. In Italien, in Bassano, in Valstagna zweimal bei Nacht! Ein italienischer Rallyefahrer hat mir erklärt, Valstagna ist nicht irgendeine WP. Das ist die WP schlechthin in ganz Norditalien. Quasi das Mekka für Rallyefahrer. Im unteren Bereich nur Kurven, keine Gerade länger als 50 Meter. Auf der einen Seite Fels, auf der anderen Seite Leitplanke, zum Teil so schmal, dass keine zwei Autos aneinander vorbeikommen. Oben dann aber relativ schnell. In Valstagna sind am Freitag dann mehr als 20 Autos zu Grunde gegangen.
Am Mittwoch vor der Rallye war die Anreise nach Bassano, mit dem 508 und dem Rallyeauto im Schlepptau. Nur noch das Bordbuch abholen, zum Supermarkt und das Zelt auf dem Zeltplatz aufbauen. Abends in Romano d‘Ezzelino, dem Geheimtipp der schönen Zeltlagerrezeptionistin, hervorragend gegessen. Bella Italia! Ich meine das Essen.
Der Donnerstag wurde ein langer Tag. Den Schrieb erstellen und jede WP dreimal fahren. Sehr viel mehr Kilometer als auf der Rallye selbst. Vor allem Valstagna ist aufwändig. 10 Kilometer Verbindung, 13 Kilometer WP und dann 40 Kilometer Verbindung wieder bis zum Start. Das dreimal, da geht auch ein halber Tag dabei drauf. Das letzte Mal bei Dunkelheit und beginnendem starken Regen. Dabei habe ich die Türen auf der rechten Seite verkratzt, weil irgendwo unten an einer Leitplanke was rausgestanden sein muss. Wer es nicht glaubt, ich finde die Stelle: „Rechts 4 wird Eingang rechts für links 2 Kehre“.
Auf der Rückfahrt zum Zeltplatz gab es ein Gewitter und Starkregen. Das Wasser lief 10 Zentimeter hoch aus dem Zeltplatz, die Straße runter und uns entgegen. Glücklicherweise ist alles trocken geblieben, sogar die Kühlbox hat überlebt, obwohl der Stecker schon unter Wasser war. Die italienische Sicherung hat gehalten.
Am Freitag haben wir den Rest der Abnahme bewältigt, den Serviceplatz bezogen, Startnummern geklebt, GPS eingebaut und dann auf die Ankunft des Service gewartet.
Nicht nur den Motor haben wir verstärkt, sondern auch den Service rund um Flo und Harry. Neu ist der Max, der mich entlasten soll und sich um die Technik und die technischen Probleme und Wehwehchen kümmern soll. Davon hatten wir dann aber keine. Mit einstündiger Verspätung und dem Quirin seinen Anhänger im Schlepptau waren wir dann vollständig.
Valstagna präsentierte sich feucht, mit einer trockenen Spur. Von der Spur runter kommen heißt zwangsläufig Fels oder Leitplanke, sicher aber Auto kaputt. Das wollten wir auf jeden Fall verhindern. Lieber langsamer, sicher und schauen was der Motor macht. Nachdem es nicht regnete, habe ich mich für Trockenreifen entschieden, was sich als richtig erwiesen hat. Die Italiener fuhren fast alle Pirelli-Regen, warum auch immer. Am Start vom zweiten Durchgang hat es dann doch zu tröpfeln angefangen, aber das Wetter hat gehalten. Regen, das hätte uns gerade noch gefehlt.
Nachts um zwei wieder am Zeltplatz. Alkoholfreies Bier trinken, runterkommen und den schlafenden Service aufwecken. Der erste Teil lief schon mal nach Plan.
Am Samstag ging es erst sehr spät weiter. Leider, denn dem Veranstalter ist der Zeitplan völlig entglitten. Vor der WP 3 San Lucca haben wir fast zwei Stunden warten müssen. Ständig Abbrüche und Unterbrechungen. Laufend ist irgendwo irgendeiner raus. Überall Spuren und kaputte Hecken und Zäune. Die Ecken und Abzweige waren schon sehr schmierig oder wahlweise rollig, aber mit etwas Hirn durchaus machbar. Für unseren Reifen war es zu warm, er hat schon nach ein paar Kilometer zu schmieren angefangen. Also etwas langsamer machen, dann ging es. Nach der WP ein Schreck, 120 Grad Kühlwasser, aber nur 90 Grad Öltemperatur. Wie geht das zusammen? Nach einiger Zeit hab ich es kapiert, die Sicherung für den Kühlerlüfter ist geflogen, sofort war wieder alles gut.
Cavalletto 1 wurde dann neutralisiert, ebenso San Lucca 2. Die Zeit war mittlerweile soweit vorgerückt, dass wir nach längerer Wartezeit Cavalletto 2 dann schon wieder bei völliger Dunkelheit fahren mussten! Der Reifen hat hier zwar gepasst, aber die Prüfung hatte es in sich. Viel schwieriger als die anderen beiden. Der Charakter ändert sich mehrfach, es geht hoch hinauf, da ist es kalt und feucht. Oben eine nasse mit Laub bedeckte Straße, wo nur eine Spur herausgefahren ist. Alles mit vielen 4er-Kurven. Da standen (oder lagen) auch wieder einige Autos herum. Ich hatte beschlossen langsam zu machen und keinen der 1000 möglichen Fehler zu begehen. Am Anfang zu langsam, ich konnte mich nicht konzentrieren, also etwas schneller. Wir wollten jetzt nur noch durchkommen, was Essen und nach Bassano.
Bis zum Ziel und den Parc Ferme sollte es noch dauern. Jede Veranstaltung ist ausbaubar, ein Wahnsinn, das Palaver am Ziel nahm kein Ende! Ich glaube es war halb zwölf, bis wir endlich im Zeltplatz-Restaurant beim Essen saßen.
Natürlich sind wir keine schnellen Zeiten gefahren, aber: Wir haben keinen Fehler gemacht, und Gelegenheiten gab es dazu viele! Das Auto ist unbeschädigt! Der Motor funktioniert, und zwar sehr gut! Der Service konnte ausprobieren und verbessern. Wir hatten alle zusammen eine gute Zeit und sind mit vielen neuen Ideen heimgekommen.
Da am Sonntag die Autobahn bei Bozen gesperrt war, weil sie eine Bombe entschärfen mussten, kamen wir zu einem Frühstück in Bassano und erst mittags dort los.
Alles lief gut und macht Lust auf Mehr! Corona aber schickt uns nun leider aber in die Winterpause.
Christoph
