Petting!
Als ich 2019 (Oberland Rallye) zum letzten Mal ins Lenkrad griff, hatte ich danach irgendwie das Gefühl, dass es eigentlich nach 40 Jahren mit dem Rallyesport nun auch gut sein könnte.
Dazwischen kam dann Corona. Eine für viele Veranstalter willkommene Gelegenheit, den Rallyesport einer Überprüfung zu unterziehen. Die Erkenntnis, dass es auch ohne Rallye geht und man mit der hinzugewonnenen Freizeit auch gut mal in den Urlaub fahren kann, hat sich in vielen Veranstaltungsabsagen widergespiegelt.
Aber es gibt sie noch, die Idealisten und Enthusiasten, die trotz steigender Ablehnung der Genehmigungsbehörden und trotz zunehmender Ablehnung bei Anwohnern, immer noch eine Rallye, oder einen Rallyesprint organisieren. So auch die Freilassinger.
Warum ich wieder fahre? Weil ich mit einigen Kollegen aus meiner früheren Flughafentätigkeit vor ca. 6 Wochen einen feuchtfröhlichen Stammtischabend hatte. Und einer meiner Kollegen, Christian Grote (ein bekennender Petrolhead), den Wunsch äußerte, einmal als Co bei einer Rallye dabei zu sein. In bierseliger Laune hab ich dann wohl sinngemäß gesagt – des kemma sicher irgndwia macha. Daß ebendieser Kollege das ernst gemeint hat, damit hatte ich so nun nicht gerechnet. Hat er aber. Dann wollten wir die „Fränkisches Weinland“ fahren, die aber, siehe oben, abgesagt wurde. Zum gleichen Termin stand eben auch der Sprint in Freilassing zur Debatte, und dann fahren wir halt dort. Das ist für einen Novizen in Sachen Beifahrerei eh eine sehr schöne Gelegenheit mal auszuprobieren, ob sich nicht bereits beim schrieberstellen der gesamte Mageninhalt mit einem kräftigen „HUALP“ nach außen stülpt.
Ich für meinen Teil sehe das so: Solange ich das alles aus der Ferne betrachte, brauche ich nur dran zu denken wie das ist, die extrem unangenehme Unterwäsche, sowie den dreilagigen Overall, Baklava, HANS (allein schon das anclipsen macht mich narrisch..), den ganzen Plunder anzuziehen und schon fühle ich mich auf dem Radl sehr wohl. Aber wenn alles angelegt ist und man an der Startlinie steht, der Starter einem die 5 Sekunden runter zählt – 6500 U/min Kupplung kommen lassen und los geht’s…. das ist auch nach über 40 Jahren Rallyesport immer noch geil. Apropos, ich musste dann daran denken, wie wir vor 40 Jahren Clubsport Rallyes gefahren sind: Kurze Hosen, wenn‘s warm war, T-Shirt, Helm ausm Motorrad-Shop. Das wars. Fahrerhandschuhe waren da schon Luxus.
Das Nennsystem für den Sprint war a weng rudimentär. Hab´ dann mit unserem Fahrzeug einfach in der Gruppe der anderen Opel Adams genannt. Ich war bei der Doku-Abnahme noch nicht ganz aus dem Auto raus, da kommt schon einer aus unserer Klasse auf mich zu und erklärt mir, dass ich mit unserem Auto so in der Klasse gar nicht starten kann, oder sollte. Weil Bayerische Meisterschaft und FIA Reglement und überhaupt. Ich hab dann erwidert, dass ich das so in der Klasseneinteilung gelesen hatte, Homologation vor 2018, ein Opel Adam R2 startet in der RC5. Ich bekam umgehend eine Belehrung, wie die ASN´s und FIA´s und welche Hoheit und warum….. naja, so halt.
Im Endeffekt wars mir wurscht, wir wurden dann umgetopft in die nächsthöhere Klasse. Aber an die Konkurrenten gerichtet: Wenn ich einen alten Sack, der überdies seit drei Jahren nix mehr gefahren ist, in meiner Klasse hab, dann laß ich den da und versuche, ihn niederzufahren. Das hat einer der Fahrer zumindest in der WP 2 geschafft, also geht das auch. Aus Magra-Sicht hatten wir ja volles Haus. Grohs², Zuppardi und wir. Als Wander-Copilot hat der Ring Mane seine offensichtliche Freude am Handwerk gehabt. Ich hatte jetzt gerade noch eine andere Formulierung für „Wander-Copilot“ am Start, aber die war nicht jugendfrei.
Zum Wetter: Leicht bewölkt, zwischendurch immer mal wieder kurze, kräftige Regenschauer. Aber so richtig eindeutig war‘s nicht. Der Kachelmann muß da mal wieder ran. Ich hab dann erstmal den „Sicherheits-Joker“ gezogen und für den ersten Durchgang (bestehend aus 2 Wettrennen) Regenracing geordert. Was ebenfalls wurscht war, da hättest du, bis auf Spikes alles mögliche fahren können. Mein lieber Schwan, wenn du seit drei Jahren nix mehr gefahren bist, neuer Co, erste Veranstaltung für ihn und das Wetter halt auch ned so toll ist – dann scheißt du dich erstmal richtig an. So war‘s. Im zweiten Durchgang, da hat man schon gemerkt, dass das vermutlich auf recht trockene Verhältnisse rausläuft. Und das war dann auch so. Die Jungs vom Schmack haben mir vorher noch gesagt, dass die Reifen trocken recht bald an Grip einbüßen. Hat er natürlich wieder nicht geglaubt, der Müller. Und schon hat‘s gerumpelt an einer Schikane. Aber nur gaanz wenig, ehrlich. Jedenfalls war der Rumpler keine 10 Strafsekunden wert. Für mich. Die Sportkommissare haben das aber anders gesehen und zack, aus Gesamtrang 13 wurde dann 17. (Nörgelsmiley). Christian und ich waren aber trotzdem hochzufrieden und auch weiterhin hochmotiviert.
Zwischendurch immer mal wieder ein kleines Schwätzchen mit unseren Magranern gehalten, aber keine verwertbaren Informationen über irgendwelche „Unpässlichkeiten“ oder ähnliches bekommen. Und wenn ich keine Inputs erhalte, dann kann ich auch nix schreiben. Ah doch, jetzt seh ich’s grad. Der Thomas Zuppardi hat wohl auch eine Schikane umgemäht. Ja da schau her, der Grohs Jürgen hat ebenfalls 10 Miese erhalten. Und das bei dem Beifahrer, der wird dir was erzählt haben. Getreu dem alten Motorradfahrer-Motto „do hint´werds heller“ hat sich zum zweiten Heat tatsächlich die Sonne Platz verschafft. Ja und dann saßen alle Fahrer vereint um Blümls Schreinerei und haben wohl das selbe gedacht: Soll ich, oder soll ich nicht? War ein bisserl wie bei einem Indianer-PowPow (das nennt man heute Brainstorm, oder Kick-off). Hat nur noch das Kalumet (Winnetou-Fans wissen, was das ist) gefehlt, um die Götter der Wolken zu befragen.
Ich geb´s zu, ich war der Erste. Und zwar beim Reifenwechseln. Ich schwör‘s, die Schmack-Burschn haben das Auto noch nicht ganz auf dem Wagenheber gehabt, als rund um unser Auto fast alle Teilnehmer auf einmal dann auch gewechselt haben. Der Domino-Effekt, live.
Jedenfalls war das die richtige Entscheidung, das war bereits in der ersten ernstzunehmenden Kurve klar. Ein kleiner Ausrutscher unsererseits wäre da noch fürs Protokoll. Und wenn dann noch die Routine wieder kommt, daß man beim sequenziellen Getriebe für’s Zurückschalten nach vorne drücken muß und nicht nach hinten ziehen, dann kann das noch was werden.
Ah, noch was am Rande erwähnt: Jedes Mal, wenn ich den Schrankl Sigi sehe, dann werde ich an eine der schönsten Zeiten für mich im Rallyesport erinnert. Inn-Chiemgau-Rallye, Herkomer-Rallye und so weiter. Der Mann ist mit seinen 70 Jahren immer noch unerschrocken genug, um sich bei Alt und Jung als Copilot reinzusetzen. Er hat mir was über den Hund erzählt, der ihm treu immer nachgetrottet ist. Das war wohl sein Hund, aber irgendwie dann doch nicht.. hat er gesagt.
Jetzt fällt mir noch was ein: Kann man nicht einen Pokal am Jahresende für die treuesten Zuschauer vergeben? Ich weiß auch schon, wer den erhält. Walter und Brigitte! So ganz nebenbei habe ich auch noch erfahren, daß Brigitte die Tochter vom Kastenberger Johann ist. Vom Johann Kastenberger, der mit den roten BMWs mit der Lammfellwalzen-Lackierung.
Die Ergebnisse entnimmt der geneigte Leser bitte den Ergebnissen auf www.msc-freilassing.de oder auf der Magra-Seite. Wir waren jedenfalls mit unserem Ergebnis hochzufrieden und planen fürs kommende Jahr den einen oder anderen Einsatz.
Und warum die Headline „Petting“ heißt? Weil ich diesen Ortsnamen sehr lustig finde und wir am Vorabend dort gegessen haben. Das erinnert irgendwie an die eigene Jugend, wie der Sigi und der Johann.
HoLaMü
