57. Rallye Elba Bardahl-IRC 26./27.4.2024 und 39. TIKI Rallye Velenje 23.-25.5.2024

Zu Beginn des Jahres wurde in Italien ein GPS-System eingeführt, über das man trefflich diskutieren kann. Das System besteht aus einem relativ großen Tablett-PC, einem Halter, der im Auto irgendwo angeschraubt werden muss, einem Kabelbündel mit vielen Kabeln, die man gar nicht braucht, und einer GPS-Antenne, die auf das Dach muss. Dazu braucht es ein Loch im Dach, damit das Antennenkabel nach innen verlegt werden kann. Passenderweise hat mein Auto ein Loch im Dach, das normalerweise für die Autoradio-Antenne gedacht ist. Da hat es trotz mehrfacher Bemühungen das abzudichten, immer rein geregnet. Jetzt ist da die Italien-GPS-Antenne drin und im Nebeneffekt ist das Dach dicht. Also schon mal ein Pluspunkt für das neue System.

Den Einbausatz muss man kaufen, der Tablett-PC, salopp auch „Fernseher“ genannt, wird für jede Veranstaltung von der GPS-Firma gemietet, wofür auf Elba 100,- € zusätzlich aufgerufen wurde. Das dürfte ein einträgliches Geschäftsmodell werden.

Am meisten Bauchweh hat mir die Befestigung des Tablett-PC gemacht. Beifahrer und Fahrer sollen es erreichen und einsehen können, in der Nacht soll es nicht blenden, die Sicht nach draußen nicht behindern und so wahnsinnig viel Platz ist auch nicht in meinem Auto. Wir haben dann ein Plätzchen gefunden, wo das Ding nur die Sicherungsautomaten verdeckt und wir beide hinsehen und es einigermaßen auch erreichen konnten.

Bei der Technischen Abnahme wird so viel Geschiss (entschuldigt den Ausdruck) gemacht, um die Halter von Kameras, die Befestigung von Feuerlöschern, das Bordwerkzeug und anderem Zeug im Auto, abzunehmen. Mir war nicht klar, wie ich den Fernseher so befestigen soll, dass das den Kräften bei einem Unfall standhält. Wir haben das Ding, mangels anderer Möglichkeiten, mit vier Schrauben am Armaturenbrett, das aus Kunststoff besteht, festgeschraubt. Ich würde viel wetten, dass das nicht viel aushält und bei einem Unfall im Auto herumfliegt. So hatte ich große Bedenken, wie das der Technische Kommissar bei der Abnahme sieht. Vermutlich ähnlich wie ich, jedenfalls hat er nur sehr vorsichtig den festen Sitz von unserem Gerät überprüft.

Zusätzlich zur Ortung und der Möglichkeit Hilfe anzufordern, kann das System so genannte slow-zones, was in schnellen Passagen nun die Schikanen ersetzt. Dazu gleich mehr, vorher aber zur Möglichkeit Hilfe zu holen. Das erfolgt in dem man auf dem Touchscreen an die richtige Stelle drückt, dann muss man noch auswählen, ob man verletzt ist, oder ob das Auto brennt, oder beides. Sepp und ich waren uns ziemlich sicher, dass wir das im Falle des Falles nicht fehlerfrei zu Stande gebracht hätten. Abgesehen davon, würde sich kein Disponent in einer Rettungsleitstelle auf Aussagen, die unmittelbar nach einem Unfall erfolgen verlassen. Er würde bei dem kleinsten Zweifel immer Feuerwehr und Rettungsdienst schicken und sich im Anschluss mit dir darüber freuen, wenn beides nicht gebraucht wurde. Wobei mir gerade einfällt, ich habe gar nicht getestet, ob der Bildschirm auch mit Handschuhen bedienbar ist!?

Die slow-zones als Ersatz von Schikanen, sind im Bordbuch verzeichnete Abschnitte einer WP, in denen nur eine bestimmte Geschwindigkeit gefahren werden darf. Nicht im Durchschnitt, wir sind ja nicht bei der Gleichmäßigkeit, sondern Höchstgeschwindigkeit. Das System zeigt die vorgeschriebene Geschwindigkeit an und die Geschwindigkeit, die du fährst. Genau die beispielsweise 50 km/h zu fahren, ist ziemlich schwierig. So hat es da auch einige saftige Strafen gehagelt. Im Gegensatz zum normalen Straßenverkehr (maximal 10 km/h drüber), bin ich immer deutlich daruntergeblieben. Lieber etwas Zeit verschenkt als eine Zeitstrafe eingefangen.

Nachdem ich mich so ausgiebig dieser italienischen GPS-Lösung gewidmet habe, lohnt der Vergleich mit der Rallye Velenje in Slowenien. Ein GPS-System gibt es hier schon seit Jahren. Es kostet nichts extra und ist im Nenngeld inbegriffen. Das System braucht eine Stromversorgung im Fahrzeug, ist so groß wie eine Zigarettenschachtel, braucht keine externe Antenne und wird mit Kabelbindern am Käfig befestigt. Das hält auch bei einem Unfall. An dem Kastl ist nur ein einziger Schalter, der mit SOS beschriftet ist. Wenn man auf der WP stehen (oder liegen) geblieben ist und keine Hilfe braucht, dann ruft man per Handy eine Nummer des Veranstalters an und macht Meldung. Was das slowenische Ding nicht kann, sind slow-zones. So gesehen, ist das der einzige „Vorteil“ des italienischen Systems, wenn man denn slow zones als Fortschritt ansieht. Den Rest kann das slowenische System auch und das einfacher und unkomplizierter.

An der Stelle wäre die FIA gefordert, die ein System, bzw. einen Standard für alle Länder festlegen sollte. Jetzt kocht jedes Land seine eigene Suppe und wir Teilnehmer, die in verschiedenen Ländern starten, müssen jedes System vorhalten. Mein Problem ist, ich habe nur ein Loch im Dach und da steckt jetzt die italienische Antenne drin!

Nun aber zum Sportlichen. Vor zwei Jahren sind wir zum ersten Mal die Rallye Elba gefahren. Da sie nun erstmalig zum Mitropa-Cup gehört, wollten wir sie gerne ein zweites Mal fahren. Der zweijährige Rhythmus ist offensichtlich gut, denn die WP‘s waren sehr ähnlich zu denen von vor zwei Jahren, wir mussten kaum etwas neu schreiben. Elba hat halt nur ein paar wenige Straßen und die kann man links oder rechtsherum fahren.

Für Freitagabend und in der Nacht waren drei WP‘s angesetzt. Die WP 1 war ca. 10 Kilometer lang und wurde als WP 3 noch einmal gefahren. Die WP 2 war die 27 Kilometer lange Volterraio-WP. Eigentlich war ich mir sicher, dass wir die schon gar nicht mehr fahren, denn die Italiener neigen ja schnell dazu eine WP zu neutralisieren und bei 170 Startern gibt es ja genügend Wahrscheinlichkeiten das zu tun. Um so erstaunlicher war, dass der Veranstalter alle Prüfungen durchgebracht hat und nichts neutralisiert wurde. Wahrscheinlich ist das ein positiver Effekt des GPS-Systems, wo der Veranstalter nun immer weiß, wer wo liegt. Und allein auf dieser WP lagen ungefähr 10 Autos draußen!

Bei uns liefen die ersten 10 Kilometer auf dieser WP 2 planmäßig, dann kam die erste slow-zone. So ganz hatten wir die via Bordbuch beim Besichtigen nicht getroffen und korrekt im Schrieb notiert. Als der Sepp die angesagt hat, bin ich auf die Bremse, habe im Fernseher meine Geschwindigkeitsanzeige gesucht und dann draußen das 150 Meter Ankündigungsschild gesehen. Also wieder drauf aufs Gas und dann durch die slow-zone getuckert. Vor lauter Konzentration auf die slow-zone-Anzeige im Fernseher waren wir dann aus dem Schrieb und mussten bis zum nächsten markanten Punkt auf Sicht fahren. Der hat ein paar Kilometer auf sich warten lassen und das auf Sicht fahren, ist in der Nacht, bei aufkommendem Nebel so eine Sache. Ich habe dann beschlossen vorsichtig zu machen, denn je weiter wir in der WP waren, desto mehr Autos lagen draußen. Gefühlt hinter jeder Schlüsselstelle lag einer.

Für den nächsten Tag waren noch vier WP‘s angesetzt. Zweimal über den Monte Perone und zweimal die Lacona-WP. Da das Wetter noch immer wechselhaft und regnerisch war, habe ich mich für Regenreifen entschieden. Das war am Perone sehr vorteilhaft und in der Lacona nicht. Da musste ich aufpassen, den Reifen auf fast trockener Straße nicht zu ruinieren. Der Perone zeigte sich von seiner normalen Seite. Nebel, Regen, brüchiger, schmaler Asphalt und die Allradler, die vor uns eine Spur der Verwüstung ziehen und alles auf die Straße schaufeln, sorgten für äußerst schwierige Bedingungen. Dort konnten wir dennoch unsere besten Zeiten fahren, die verkorkste slow-zone-WP vom Vortag hat uns aber ein besseres Ergebnis vermiest. Aber was soll‘s, im Gegensatz zu vielen anderen waren wir mit einem unbeschädigten Auto im Ziel.

Vier Wochen später dann die Rallye Velenje in Slowenien, der vierte Lauf zum Mitropa-Cup und für uns die zweite Rallye in diesem Jahr. Die Velenje kennen wir schon aus den Vorjahren und nur weil sie keinen großen Namen hat, sagt das noch nichts über den sportlichen Wert. Dieses Jahr hat der Veranstalter wieder eine sehr kompakte Veranstaltung auf die Beine gestellt. 130 WP-Kilometer bei 250 Gesamtkilometer, und das an einem Tag. Endlich mal wieder eine längere Veranstaltung, bei der der Faktor Ausdauer schon auch eine Rolle spielt. Üblich sind in Italien und anderswo ja mittlerweile 100 WP-Kilometer verteilt auf zwei Tage.

In Velenje angesetzt waren vier verschieden WP‘s, eine davon als Rundkurs, die bis zu dreimal zu absolvieren waren. Nach jeweils zwei WP‘s ging es zum Service, in Summe sechs Mal, so dass auch der Service nicht mehr über Arbeitsmangel geklagt hat. Teilweise sind die WP‘s eng, kurvenreich, mit vielen blinden Kuppen und dann wieder offen und sehr schnell. Geraden sind äußerst rar. In jeder vierten Kurve stand innen ein Pfosten, der das Cutten verhindert hat, aber in den anderen drei wurde gecuttet wie verrückt und so haben auch hier die Allradler manche Passagen mit Schotter übersät und nur eine ganz schmale Linie war fahrbar.

Pünktlich zur Rallye hat sich bei mir eine Erkältung breit gemacht, die meinem Konzentrationsvermögen nicht dienlich war. Den Ansagen des Beifahrers zu folgen und das dann auch so umzusetzen ist mir nicht immer geglückt.

Mit zunehmendem Fortschritt der Rallye sind die Ausfallraten angestiegen und unser oberstes Ziel war nicht dazu zu gehören. Am Nachmittag haben wir dann aber doch auch einiges Glück gebraucht. In einer Links 3 habe ich die freie Linie im Schotter mit der Hinterachse um 5 Zentimeter verfehlt und schon haben wir uns um fast 180 Grad gedreht. Die Straße war so breit wie das Auto lang, innen war eine Leitplanke und außen ein Betonklotz. Glücklicherweise haben wir an die Leitplanke nur etwas blaue Farbe dran geschmiert. Nachdem man in der heutigen medialen Zeit keinen Fehler mehr undokumentiert machen kann, gibt es das auf YouTube zu sehen.

130 WP-Kilometer an einem Tag zu fahren, das ist man schon gar nicht mehr gewöhnt und so wurde es nicht nur mit meinem gesundheitlichen Handicap gegen Ende anstrengend. Der Tag wurde lang und so waren wir durchaus froh im Ziel zu sein.

Christoph

57. Rallye Elba Bardahl-IRC 26./27.4.2024 und 39. TIKI Rallye Velenje 23.-25.5.2024