Angefangen hat es mit der Frage, „Fährst Du die Saarland Rallye?“. Nein, fahre ich nicht, … zu weit weg, da bin ich schneller in Italien…. Kurz darauf das Angebot, ob ich bei ihnen Vorauto fahren will. Hmm, eigentlich wollte ich die Rallye gar nicht fahren, aber Vorauto, das wäre mal was Besonderes. Als klar war, dass der Sepp, mein Beifahrer, Zeit hat, der Rest vom Team zum Zuschauen mitwill und ich gehört habe, wer noch als Vorauto fährt, dann war es klar. Erich Müller kommt mit einem Peugeot 205 Turbo 16 Gr. B und Stefan Malter mit seinem Peugeot 306 Maxi Kitcar. Mein Auto fällt dagegen schon sehr als geschichts- und bedeutungslos ab und ich hab mich schon gefragt, wie sie auf mich kamen. Vermutlich sollte es ein Peugeot sein, aber da hätte es noch andere gegeben.
Vorausauto fahren? Aber was heißt das genau, was ist meine Aufgabe? Halbherzig habe ich vorher im Internet gekramt, aber auch beim DMSB nichts gefunden. Egal, sie werden uns schon vorher sagen, was sie von uns erwarten.
So war es dann auch. Der Leiter Streckensicherung hat uns zur Audienz gebeten und uns unseren Job erklärt. Allem voran, wenn wir abfliegen, dann hätten wir was falsch gemacht. Vorautos sind zwar Teil der Veranstaltung, gehören aber nicht zum Teilnehmerfeld, sondern zur Streckensicherung (soviel habe ich mir selbst zusammenreimen können). Die Aufgaben der Einfach-Null unterscheiden sich von denen der Mehrfach-Nullen. Die Einfach-Null soll wie ein Teilnehmer fahren und ist sozusagen der letzte Test vor dem Teilnehmerfeld. Er soll (möglichst) nicht anhalten und „schnell“ über die Prüfung fahren. Die Mehrfach-Nullen hingegen sollen bei Gefahr- oder Problemstellen anhalten und diese möglichst beseitigen. Beispielsweise Zuschauer, die an einer (sau)blöden Stelle stehen. Zu den Aufgaben der Mehrfach-Nullen gehört aber auch ein Auge auf den Ablauf der gesamten Veranstaltung zu haben. Also, sind die ZK‘s richtig positioniert und richtig ausgeschildert. Steht die Zeitnahme bereit, sind die Schikanen an der richtigen Stelle usw., alles was einem halt so auffällt. Jedes Vorauto hat dann noch Checklisten dabei, jeweils so viele wie es WP‘s gibt. Diese wird dann vor und nach der WP ausgefüllt, unterschrieben und am Zeiteintrag am Ende der WP abgegeben. Auch wurde ich dort noch befragt, ob alles in Ordnung sei.
Wir wurden als Vorwagen eingeteilt, der 10 Minuten hinter dem Rallye 35 Feld und vor den Retro-Fahrzeugen fährt. Daher hatte ich schon etwas Bedenken, dass einige Zuschauer auf der WP herumlaufen würden. Dem war dann aber nicht so. Hinter uns war dann noch ein 911er Porsche mit der Einfach-Null. Anfangs dachte ich, dass ich im Rückspiegel auf den auch schauen muss, nicht dass er entweder im Rundkurs auf mich aufläuft oder spätestens dann, wenn ich irgendwo stehen bleiben muss, um Zuschauer zu vertreiben. Das kann aber eigentlich gar nicht passieren, denn er soll (oder darf) erst dann starten, wenn wir aus der Prüfung raus sind.
Da die Veranstaltung sehr gut organisiert ist, war es für uns dann ein sehr ruhiger Job – wobei einen Vorfall hatten wir dann doch. 400 Meter nach dem Zeiteintrag von WP 4 lag ein Motorradfahrer mit aufgeschlagenem Kopf und Knie im Graben (einen Helm hatte er auch dabei). Nachdem er aber telefonierte beschloss ich, dass es so schlimm nicht sein könne. Der Sepp hat dann den WP-Leiter angerufen und die haben dann den Krankenwagen und den Notarzt in bzw. durch die WP geschickt, was insgesamt zu einer Verzögerung von knapp 20 Minuten geführt hat.
Den richtigen Speed beim Fahren zu finden ist gar nicht so einfach. Eine gesperrte Strecke und den Schrieb des Beifahrers im Ohr lässt einen fahren, wie man halt Rallye fährt. Dann kann man aber an manchen Stellen nicht mehr reagieren, wenn doch plötzlich ein Zuschauer vor der Motorhaube auftaucht. Fährt man zu langsam, dann reißt die Konzentration und man hört dem Beifahrer nicht mehr zu und fährt dann Mist zusammen.
Besagte WP 4 bin ich sehr langsam gefahren, weil wir nach WP 3 ein Problem mit der Wassertemperatur bekommen haben. Der Kühlerlüfter ging nicht mehr. Langsam fahren hat das Problem nicht wirklich gelöst, also sind wir den Rest der Veranstaltung mit voll aufgedrehter Heizung und Lüftung gefahren. So heiß war‘s, wir wurden richtiggehend entsaftet und luftgetrocknet. So war es anstrengender als geplant, aber immerhin konnten wir unsere Aufgabe zu Ende bringen.
Dem Veranstalter ein herzliches Dankeschön für die Einladung, einmal Vorwagen sein zu dürfen.
Christoph
