9. Rally Costa Smeralda Storico (I) 24. / 25.4.2026

Nach zwei unrühmlichen Ausfällen bei italienischen Rallyes im letzten Jahr wollten wir es dieses Mal besser machen, und das ist uns – um das gleich vorwegzunehmen – auch gelungen. Das bewährte Team, bestehend aus Pfluftl als Beifahrer, Moni als Tankservice und mir ist ja hinreichend italienerprobt und hatte bei der Rally Costa Smeralda Storico 2026 allen Grund zur Freude.

Die Anreise nach Olbia mit der Fähre über Livorno ist recht angenehm, da man über Nacht auf dem Meer unterwegs ist und Schlafkabinen buchen kann. Wir waren natürlich schon frühzeitig in der Gegend von Livorno und hatten daher noch die Gelegenheit, uns in der Stadt Lucca umzusehen und dort zu Abend zu essen. In Lucca bekamen wir erstaunlicherweise Italiens schlechteste Pizza, aber das war auch schon der einzige negative Punkt des gesamten Unterfangens.

Seit wir vor einigen Jahren die letzte ausländische Besatzung waren, die vom Team Bassano als Serviceorganisation aufgenommen wurde, haben wir bei Rallyes in Italien einige Vorteile vor Ort, einschließlich Hotelbuchung. Unser Italienisch ist zwar rudimentär, aber mittlerweile beherrsche ich neben dem Basiswissen auch die Bezeichnung aller wesentlichen Fahrzeugteile und Werkzeuge, und damit komme ich ganz gut durch. Seit dieser Rallye weiß ich jetzt auch, daß Schraubenzieher auf italienisch cacciavite heißt …… Und die Italiener, daß cacciavite auf Deutsch ein Schraubenzieher ist 😉

Die Rally Costa Smeralda Storico war in diesem Jahr nicht nur ein Lauf zur italienischen historischen Meisterschaft (Campionato Italiano Rally Automobile Storiche, CIRAS), sondern auch ein FIA-EHRC-Lauf (European Historic Rally Championship), was einige internationale Starter brachte, allen voran Jari-Matti Latvala, der mit seiner Toyota Celica 185 alle Läufe zu dieser Meisterschaft bestreitet. Die Porsche-911-Dichte dieser Rallye war – wie oft in Italien – extrem hoch, aber es gab auch selten zu sehende Fahrzeuge wie den Gruppe-4-Lancia Stratos des Engländers Perez. Dazu kamen verschiedene Gruppe-4-Ford Escort sowie einige BMW M3 E30, so daß der Startpark am Hafen in Porto Cervo insgesamt eine Augenweide war.

Die Rally ist über zwei Tage angelegt und vom Umfang her so, wie es früher auch mal in Deutschland war: 500km Gesamtstrecke, davon 156km Wertungsprüfung, wobei die längste Prüfung 24km lang war, mit Ortsdurchfahrten. Zum Besichtigen ist man daher zwei Tage unterwegs, hat aber immer die tollen Eindrücke der sardischen Landschaft vor Augen. Das Wetter hat während der gesamten Rallye mitgespielt, es war duchgehend schön und trocken, nur anfangs mit niedrigeren Temperaturen. Damit waren Michelin TB5+ die richtige Wahl, und die Intermediate-Reifen (TB15+) blieben am Serviceplatz und dienten dort zur Fixierung des Vorzelts gegen Windeinflüsse …. Damit waren sie sozusagen ein “dual use”-Produkt.

Der Hauptsponsor der Costa Smeralda ist Martini, und unser Porsche 911 SC “Safari” ist ja das einzige Rallyeauto, welches schon damals von Martini gesponsort wurde, aber kein Lancia 037 oder Delta Integrale ist. Dadurch kam unser Auto jetzt zwei Jahre in Folge zu der Ehre, die Rallyeplakate, Broschüren und sogar das Titelblatt des Bordbuchs zu zieren. Sehr schmeichelhaft, und daher ist es für uns natürlich auch jedes Jahr eine Ehre, bei dieser Rallye zu starten.

Start war am Freitag um 12:00 in Porto Cervo. Auf dem Programm standen drei Wertungsprüfungen südlich von Olbia, die je zweimal befahren wurden. Die Prüfungen waren hinsichtlich ihrer Charakteristik teilweise ähnlich wie Bergrennstrecken, also breit und mit großen Höhenunterschieden. Allerdings gab es in diesen Prüfungen auch sehr enge Streckenanteile mit 2er Kurven, und sandige Stellen in einigen Kurven sowie wechselnder Fahrbahnbelag machten die WPs sehr anspruchsvoll. Der erste, dem dies zum Verhängnis werden sollte, war tatsächlich Jari-Matti Latvala mit der Startnummer 1, der nach einer R4 kurz über Kuppe auf einer solchen Stelle ausrutschte, womit für ihn die Rallye schon nach einigen Kilometern zu Ende war.

Und das war erst der Anfang. Die Ausfallquote bei dieser Ausgabe der Cost Smeralda durch Unfall war atemberaubend, bis zum Ende warfen 30 Fahrer ihre Autos von der Strecke oder landeten in Felswänden. Wir vermieden das und waren daher nur im Mittelfeld der Zeiten, aber am Ende des Tages 37. Gesamt und 4. in der Klasse (EHRC und CIRAS kombiniert). Damit war ich erst einmal zufrieden, denn nach zwei Ausfällen hintereinander ging es mir vor allem darum, ins Ziel zu kommen. Auf den Prüfungen war vom 1. Gang bis zum 4. Gang ausgedreht alles gefragt, und das erfordert volle Konzentration.

Am Start zur WP5 hatte Pfluftl ein kleines Problem mit der Kombination von Sitz, Hans, Helm Gurt und Gegensprechkabel, was eigentlich nicht der Rede gewesen wäre. Aber: Einer der Zeitnehmer wollte unbedingt erzwingen, daß wir schon an der ZK vollständig vorbereitet sind, und nicht erst am Start der Prüfung, und ließ uns nicht weiterfahren. Letztlich ließen die Zeitnehmer vier Fahrzeuge an uns vorbeifahren, und diese vier Minuten bekamen wir als Zeitstrafe. Das war natürlich nicht reglementskonform, aber eine Beschwerde bei den Sportkommissaren über den Fahrerverbindungsmann blieb einfach unbeantwortet. So etwas sollte im Sinne des Sports nicht passieren. Letztlich kostete uns diese seltsame Strafe 6 Plätze im Gesamtklassement, aber nicht im Klassenergebnis, so daß wir das Ganze auf sich beruhen ließen. Die Lehre aus dieser Sache: Jeder sollte sich die Verfahren zwischen ZK und Start vor der Teilnahme an einer Veranstaltung genau durchlesen, denn während der Rallye ist man viel zu beschäftigt und am WP-Start natürlich unter Strom. Nur wenn man die Verfahren verinnerlicht hat, kann man vor Ort darauf bestehen, daß seitens der Funktionäre reglementskonform gehandelt wird.

Der erste Tag endete italienisch: Nach den sechs Prüfungen war vor der Rückkehr in den Parc Ferme in Porto Cervo zuerst Service und dann eine Zwangspause am Hafen von Olbia, wo man als Teilnehmer nach freier Wahl zwischen 5 Minuten und drei Stunden (!) verbringen durfte. Zur Überbrückung dieser Zeit erhielten wir Zugang zu einer Bar, die von Martini gesponsort, und in der wir fürstlich verpflegt wurden. Also eigentlich mehr worden wären, denn auch der Martini-PR-Tross hatte Zugang, und damit war das Bufett leer, bis wir ankamen. Der Bar-Betreiber gab sich dann allerdings erfolgreich Mühe, das Bufett für die Teilnehmer noch einmal aufzufüllen, uns sicherte damit unser Abendessen.

Der nächste Tag brachte dann die sechs Prüfungen im Norden, mit WP-Längen bis zu 24km. Diese Prüfungen waren enger und teilweise sehr schnell, mit 5er-Kurven über Kuppen, gefolgt von sehr engen Bergabkurven. Der Schwierigkeitsgrad dieser WPs ist extrem hoch, und Fehler enden sofort im Ausfall. Wir arbeiteten uns mit unserer Zeitstrafe wieder nach vorne, und fuhren als 2. in der Klasse und 33. im Gesamt über die Zielrampe.

Zusammenfassend ist die Costa Smeralda einer der schönsten Asphalt-Rallyes, die ich bisher gefahren bin. Hinzu kommt die Herzlichkeit der Italiener, und deren Begeisterung für den Rallyesport. Dort wird man mit lauten und bunten Autos seitens der Einheimischen gefeiert, und wir bekamen viele Komplimente für unser Martini-Fahrzeug. Wir kommen wieder!

stomi

(Fotos: Francesco Zedda)