Wie fängt man da an zu erzählen? Vor gefühlt 10 Jahren, 7500 km, 16 Tage, nach Karte, kein Navi, richtige Männer, Oldtimer, was hältst du davon? Sollten wir nicht, hin und her, vorwärts, rückwärts und hast du nicht gesehen? Nicht mehr geredet – vergessen. Bis – letztes Jahr Weihnacht. Telefon, Spezi und Beifahrer! Weißt du noch – was hältst du davon – wir sind zu deinem Familienfest wieder da – wenn nicht jetzt, wann dann. Hin und her, etc. – OKAY – dann meld uns an, und ich schau ums Auto. Nach geraumer Zeit – siehe da – ein Opel Omega Caravan 20 Jahre alt. (Die Regel wurde geändert, Auto min 10 Jahre). Mit der Bahn (pünktlich!) nach Reutlingen, Geld auf den Tisch und mit Auto zurück. Durchgeschaut, etliche Kleinigkeiten gerichtet und — Überraschung – keinen Rost gefunden. Die Parkschrammen (Senior 90 Jahre) werden ignoriert. Ölwechsel, etwas längere Probefahrt (2000 km). Fazit: wir fahren los und kommen an!
Am 21. Juni mach ich mich auf nach Norden, Syke bei Bremen. Beim Spezi übernachtet und am Morgen machen wir zwei uns frohen Mutes auf den Weg. Gut Basthorst bei Hamburg. Anmeldung und Ausgabe vom Roadbook – Ernüchterung! – unser Kopfkino sah anders aus! Keine Strecke, nur Orte, die man anfahren könnte, und Aufgaben (Schmarrn-Aufgaben) erledigen. Und alles in Englisch. Nun ja, Adventure. Meeting at the Startline. Begrüßung in Englisch/Deutsch. Neben viel Tamtam auch eine Ansage: wer wolle kann ca. 300 km Autobahn fahren und eine Fähre nutzen. Aha. Also BAB bis Puttgarden, Fähre nach Schweden. Hier die erste Aufgabe, binde dir ein deutsches Eisen auf den Rücken, auf allen Vieren am Strand und baue eine Burg. Mit Foto ins Roadbook! Musst du wem was beweisen – Nee – Du? Auch nicht – Weiterfahren! Einen Schlafplatz gesucht.
(Siehe Bild 1 – Schlafplatz, Auto mit Zelt auf dem Dach)
Hätte nie gedacht, dass ich im Auto so gut schlafen kann. Der nächste Punkt: Autofriedhof Bästnas in Schweden. Ca. 1000 Fahrzeuge stehen auf dem Gelände und im Wald umeinander. Teilweise hat die Natur das Gelände zurückerobert, Bäume wachsen durch die Autos. Sowas hab ich noch nicht gesehen. Kleine Pause, Kaffee – bei einem mitfahrenden Damenteam ist noch Platz am Tisch. Wir kommen ins Gespräch, Smalltalk, Fahrzeug, wo kommt ihr her? Es stellt sich heraus: Schwiegermutter und Schwiegertochter. – AHA – und wie kommt ein Team wie ihr auf diese Veranstaltung? Ganz einfach, wir haben mit unseren Männern gesprochen. Die hatten keine Lust – da sind wir selber gefahren. – Respekt! – Weiter geht’s. Nächste Aufgabe: eine Dose „Surströmmings“ (angegorener und “geruchsintensiver” Hering) kaufen, probieren, Foto, und mit der geöffnete Dose 2 Stunden fahren. — Musst du wem was beweisen etc.-?
Weiter!!! – Richtung Trondheim kommen wir am „Storelgen“ vorbei. Es ist mit 10,3 m Höhe die weltgrößte Elch-Statue der Welt aus poliertem Edelstahl.
(Siehe Bild 2 – silberner Elch)
Und wenn du dich richtig vor die Statue stellst, hast du ein schönes Selfie mit Geweih am Kopf.
Und weil wir keinem mehr was beweisen müssen, machen wir unser eigenes Ding! Weiter geht’s Richtung Bodö. Es geht vorbei am Polarkreiscenter.
(Siehe Bild 3: Steinsäule – Polarkreiscenter)
Des Weiteren schauen uns u.a. eine Stabkirche in Beiarn an, bevor wir in Bodö die Fähre zu den Lofoten befahren. Von Moskenes übers Wikinger Museum in Lofotr zum Veranstalter-Event auf dem LOV Campingplatz. Sehr schön gelegene Bucht. Dort trafen sich alle Teilnehmer der Veranstaltung. Am „Abend“ ein Event mit Essen, Trinken, Baden (wer wollte), Lagerfeuer, etc. Definition „Abend-Nacht“: Der Tagesrhythmus ändert sich. Zu dieser Jahreszeit läuft die Sonne über dir im Kreis, sie geht nicht unter.
(Siehe Bild 4: Picknick, Aufgenommen um 00:30 Uhr Mitternacht, die Sonne touchiert nicht mal den Horizont. Eine schöne Erfahrung.)
Von dort ging es weiter Richtung Norden. Über Henningsvär und Tromsö zum Alta Museum. Dort sind 4-6000 Jahre alte Felsritzungen zu sehen.
Weiter durch den Nordkap Tunnel (6,8 km) zum Kap. Ein spärlich beleuchtetes schwarzes Loch. Plötzlich zwei silberne Flecken am rechten Rand? Trotz Nebelscheinwerfer und Fernlicht kaum zu erkennen. Es ist ein Radfahrer ohne Beleuchtung. Nur die Reflektoren der Packtaschen waren zu erkennen. Alles andere schwarz. Junge, Junge!
Am Kap, Nebel, 60/70 km/h Wind (Schiet Wedder!) D.h. Selfie und weiter! Richtung Süden! – Nach einem Reifenwechsel kamen wir nach Finnland. Bis Helsinki sind wir 2 ½ Tage durch Wald- und Seen-Gebiete gefahren und geregnet hat‘s auch. In Helsinki ein schöner Campingplatz, 2 Übernachtungen, Stadtbummel und die Fähre nach Tallin. 50 km östlich von Tallin nach abenteuerlicher Anfahrt.
(Siehe Bild 5: Raudsilla puhkekeskus.)
Ein schönes Event mitten im Wald. In einem riesigen Holz Tipi mit Feuerstelle gab es Essen und Getränke. Ein sehr schöner Abend, viele Gespräche mit anderen Teams. Auch das Damen Team wieder getroffen. Sie präsentierten stolz im Kreise anderer Teams eine Dose Surströmmings. Das genaue Betrachten der Dose lies die Vermutung aufkommen das der Gärprozess in der Dose noch nicht abgeschlossen war.
Am nächsten Morgen führte uns der Weg vorbei am alten Gutshof Kolga. Ein etwas wehmütiger Blick zurück in die geschichtliche Vergangenheit. Weiter durch Riga Lettland, Mariumpole Litauen, Übernachtung, weiter über Lodz nach Polen. In Lodz hatten wir die insgesamt die 4. Hotelübernachtung. Den Abend genossen wir in einem Gasthaus an der Ulica Piotrkowska. Das ist mit über 4 km Länge eine der längsten Einkaufsstraßen Europas. Auf den Fernsehern im Gasthaus lief die Fußball EM Deutschland: Spanien (1:2). Ein bisschen bitter – aber trotzdem ein sehr schöner Abend.
Der nächste Stopp war Campingplatz Berlin Gatow, bevor es weiter ging es zur letzten Etappe nach Hamburg. Der Zieleinlauf erfolgte am Fischmarkt in Hamburg.
Das Damenteam haben wir leider nicht mehr gesehen. Schade!
(Siehe Bild 6: Glücklich im Ziel)
Fazit: Es war sehr schön, teilweise aber auch sch— anstrengend, d.h. ganz schön verrückt, sich mit 70 sowas an zu tun. Mit An- und Abreise in 18 Tagen 9000 Km. Ein schönes Abenteuer, Erlebnisse, neue Eindrücke, Erkenntnisse. Die Strecke bis zu den Lofoten etwas anders gestaltet – könnte ich mir sogar noch mal vorstellen.
Franz
(Siehe Bild 7: gefahrene Strecke)
