Vergangenen Sonntag erreichte mich die Meldung, dass der Manni gestorben ist. Ich möchte versuchen, ein wenig Einblick in unsere gemeinsame Zeit im Motorsport, aber auch in den Menschen Manni, „die Hiemerin“, aus meiner Sicht zu geben. Für diejenigen, denen schwarzer Humor fremd ist – bitte nicht weiterlesen.
Wir schreiben das Jahr 1984, Fröttmaninger Heide, Trainingstag der Scuderia Magra. Anwesend so ziemlich alles, was in „Sachen Rallyesport Südbayern“ Rang und Namen hatte. Mittendrin, der Manni Hiemer. Regional bereits erfahren als Co von Michi Stock, ich fuhr zu dieser Zeit die Toyota Corolla Trophy, ein Beifahrerwechsel für die kommende Saison stand an. Wir kamen ins Gespräch, Manni war sofort Feuer und Flamme. Wir fuhren, um uns gegenseitig zu testen, noch zusammen die Sachs Rallye Baltic. Das passte auf Anhieb. Manni war zu dieser Zeit bereits ein Copilot, der sich der Sache mit Haut und Haaren verschrieben hatte. Mit einer Akribie, die einem als Fahrer sämtliche Schwierigkeiten fernhielt, widmete Manni sich der Organisation.
1985, wir gewannen fast im Schongang die Trophy. Toyota spendierte uns den ersten Werkseinsatz zur Deutschland 1985. Manni durfte sich damals schon ohne rot zu werden mit den ganz großen seiner Branche in einem Atemzug nennen lassen. Nach eben dieser Deutschland Rallye war der Weg für Manni eigentlich klar. Die Verhandlungen damals mit Toyota führte er auch und wir wurden für 1986 ins Werksteam nominiert, DM zu fahren. Die Lehrbuben durften jetzt ihren Traum vom Rallyeprofi leben. Auch wenn uns 1986 das Quäntchen Glück zum ganz großen Erfolg fehlte, Manni, die „Hiemerin“, ließ sich die gute Laune nur selten verderben. Einmal, da kam die emotionale Seite von Manni ungebremst zum Vorschein. Leider war der Anlass ein trauriger. Marc Surer war zusammen mit Michel Wyder kurz vor uns auf der Hessen Rallye im Rundkurs Schotten schwer verunglückt. Sein Copilot war sofort tot, Surer schwerst verletzt. Da ist der Manni mir weinend in die Arme gefallen und war kaum mehr zu beruhigen.
Da war aber auch noch der Lebemann Manni, der für die ein oder andere Anekdote sorgte.
So zum Beispiel, als wir uns ein Zimmer anlässlich einer Rallye teilten und ich mein Nachtquartier vor dem Heizkörper bezog. Manni kam zu früher Morgenstunde zurück ins Zimmer, es war ihm wohl kalt. Und dann hat er die Heizung aufgedreht. Voll. Ich lag mit dem Kopf direkt am Heizkörper. Nach ca. 30 Minuten war meine Murmel auf Siede-Temperatur, kurz bevor das Waste-Gate aufmacht.
Oder auf der Zypern-Rallye, wir hatten wieder gemeinsam ein Zimmer. Armin Schwarz und Manni hatten sich nach einem nicht zu parierenden Big Moment mit einer mehrfachen Rolle ins Aus geschossen. Manni war wohl wieder in Feierlaune (wer ihn kannte, der weiß, was das bedeutet) und hatte sich eine durchaus ansehnliche Abendbegleitung angelacht. Dabei hatte er wohl vergessen, dass ich in einer Nische des Appartments meine Liege stehen hatte. Ich wachte irgendwann durch, nun ja, laute Geräusche auf. Manni, seine Begleitung und ich sahen uns gegenseitig in die Augen. Ein bisschen wie bei Loriot. Manni rettete die Situation mit folgendem Satz: Hey Müllerin, magst a?
Decken wir den Mantel des Schweigens drüber.
Ende 1986 bahnte sich für mich, nach einer Saison im Werksteam der Ausstieg aus dem professionellen Rallyesport an. Ich legte Manni nahe, es mit seinen Fähigkeiten bei anderen Teams zu versuchen. Das hat für ihn dann bei VW mit Jochi Kleint hervorragend geklappt. Von da an ist Manni eigentlich kometenhaft aufgestiegen, Demuth, Weber, Schwarz, DM, WM, Paris-Dakar, Moskau- Peking, um nur fragmenthaft seine Stationen zu nennen.
Eigentlich hat er alles richtig gemacht und sich am Gipfel des Erfolgs einer Geschäftsidee verschrieben. Elektrische Mobilität. Kaum zu glauben, aber wahr. Manni, der oktangeschwängerte Petrolhead, widmete sich der elektrischen Mobilität. E-Bikes. Aber wer Manni kannte, der wusste umgehend, dass das nicht irgendwelche E-Bikes zum gemütlichen Radlfahren waren. Nein, das waren Raketen mit Pedalen. Da war der Manni der Zeit ca. 15 Jahre voraus. Vielleicht hätte er seine Ziele nicht gar so ambitioniert setzen sollen und das alles erstmal auf kleinerer Flamme erwärmen, aber das war einfach nicht sein Naturell. Flat out, auch in Verhandlungen. Möglich, dass er in dieser Zeit irgendwo falsch abgebogen ist und die Zeichen, die ihm sein Körper gesetzt hat, nicht wahrgenommen hat. Oder auch nicht wahrnehmen wollte.
In den letzten Jahren, bei den Magra-Stammtischen, oder auch Clubausflügen, manchmal auch als Fahrer-Verbindungsmann, haben wir den Manni hin und wieder gesehen. Und wir haben auch gesehen, dass es ihm nicht gut ging. Vielleicht wusste er, dass er nicht mehr allzu viel zu erwarten hat in diesem Leben. Und das mag auch der Grund gewesen sein, dass er sich, wenn überhaupt, nur sehr wenigen Menschen gegenüber geäußert hat. Zum Glück hatte er einen sehr kleinen Kreis um sich herum, der ihn vor einem völligen sozialen Absturz bewahrt hat. Jetzt ist er gegangen und hinterlässt viele Fragen, aber auch das Geschenk, einen Menschen wie „die Hiemerin“ in guten Zeiten gut gekannt zu haben.
HoLaMü
