Freiburg Schauinsland Klassik 31.7. / 1.8.2026

Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten! Wobei nicht alles, was fortschreitet, unbedingt für alle gut sein muss. Mir war schon klar, als ich die Ausschreibung zur Schauinsland Klassik 2026 gelesen und keine separate Wertung mehr für eine Sanduhrklasse gefunden habe, dass wir mit unseren zwei mechanischen Uhren wahrscheinlich im großen Feld der 120 Teilnehmer, von denen die meisten mit allerlei Elektronik vor dem Beifahrersitz bestückt sind, schon ziemliche Exoten sein würden.
Mit Startnummer 106 trieben wir die ganze Meute vor uns her, die bei schwülen 37°C an der Messehalle in Freiburg startete. Gleich auf dem Messegelände fand die erste Prüfung mit 4 Ziellichtschranken statt und zeigte uns unsere Grenzen auf. Es geht halt nichts über Routine, die wir bei den wenigen Starts im Jahr nie kriegen werden.
Wenn dann der Beifahrer, Ich, beim 2. Ziel verpennt, die zweite Uhr für die nächsten Ziele zu starten, ist doch gleich Stimmung in Auto. Glücklicherweise hat mein Bruder dann die WP4 komplett versemmelt, als er nicht erkannte, dass ein reguläres Ziel mit dem Ziel einer geheimen Prüfung zusammenfiel und er fälschlicherweise der Überzeugung war, die nächste Lichtschranke mit maximaler Beschleunigung noch erreichen zu müssen. Und schon hatten wir die zwei Streicher, die eigentlich für die ganze Veranstaltung gedacht waren, ganz früh eingesammelt.
Der 1. Tag war also sportlich komplett zum Vergessen. Dafür waren aber die Strecken am Kaiserstuhl (wo es den leckeren Wein gibt!) und dann auch der Einlauf abends am Etappenziel auf dem Münsterplatz in Freiburg einfach grandios. Menschenmassen begrüßten uns bei trockener Abendstimmung und in bester Laune, anders als letztes Jahr, als es schon dunkel und am schütten war.

Mit der „jetz is eh schon wurscht“-Einstellung lief es am zweiten Tag dann schon viel besser, auch wenn sich immer wieder bedauerliche Fehler einschlichen, Gott sei Dank gleichmäßig verteilt. Bei einer von den insgesamt 17 WPs habe ich dann das Fly Back (Rückstellen auf Null) an der Uhr nicht gedrückt und einfach nach Gefühl die letzten beiden Ziele der WP runtergezählt. Danach haben wir uns überlegt ob, wir nicht einfach generell zukünftig ohne Uhren einfach nach Gefühl fahren sollten, denn die Zeiten waren hier für unsere Verhältnisse super. Man muss auch mal Glück haben!
Die Schleife am zweiten Tag führte dann in den Schwarzwald, wo es temperaturmäßig wesentlich angenehmer war und wir bei unserem Ferrari 208 GTS den ganzen Tag das Dach offen lassen und fantastische Bergstrecken genießen konnten, unter anderem auch die Schauinsland-Bergrennstrecke. Auch verrückte Radrennfahrer und Wohnmobilschnarcher konnten die gute Stimmung kaum trüben.
Die Routine kehrte wieder etwas ein und sorgte für eine gewisse Zufriedenheit der Crew darüber, dass wir in den WPs auch einiges richtig machen konnten. Wenn wir schon zu Anfang so hätten abliefern können, wären wir in der Endabrechnung sicherlich wesentlich weiter vorn gelandet als schließlich auf dem 66. Gesamt und 23. in der Klasse.
Schon unterwegs kamen wir ins Grübeln, ob der Stress mit den Uhren und die zwangsläufig unpräzise und fehlerbehaftete Kommunikation zwischen Beifahrer und Fahrer noch zeitgemäß sind. So wird es wohl auch für uns Zeit, mit elektronischem Equipment im nächsten Jahr aufzurüsten. Als Beifahrer freue mich da schon drauf, hoffe aber, dass nicht plötzlich irgendeine KI auf meinem Platz sitzt.
HeiCo