Die Rallye Casentino ist der Saisonhöhepunkt des Mitropa-Cups. Wie uns gesagt wurde, ist die Casentino eine der wichtigsten, schwierigsten und namhaftesten Rallyes in Italien. Auf dem Papier ist es eine typische italienische Rallye, mit 102 WP- und 320 Gesamt-Kilometern, rund um Bibbiena, östlich von Florenz, alles auf Asphalt.
WP 1 war ein ein (!) Kilometer langer Mickymaus Rundkurs Freitag nachts, auf einem Parkplatz, zur Freude (?) der Zuschauer. Die eigentliche Rallye wurde dann am Samstag gefahren. Für das erste Auto war um 11 Uhr Start und um 22.30 Uhr Ziel, für uns alles eineinhalb Stunden später. Die WPs sind, wie eigentlich immer in Italien, sehr anspruchsvoll und für Italien teilweise auch ziemlich schnell, mit nur einer Schikane, die echt und nicht virtuell war.
Den Abschluss der Rallye bildet die WP 7, sie geht über fast 30 Kilometer durch die Nacht. Hier wurde das Ergebnis schon oft auf den Kopf gestellt, hieß es im Vorhinein. Um es kurz zu machen, wir sind ins Ziel gekommen, aber mit grottigen Zeiten, auch weil wir mehrere Minuten neben der Strecke verbracht haben. Eine Prüfung durften wir mit harten Trockenreifen im strömenden Regen fahren, eine Aufgabe, die ich schon sehr lange nicht mehr hatte und ich als äußerst schwierig in Erinnerung habe. In der WP war ich sicher viel zu vorsichtig.
In der Analyse nehme ich mehrere Punkte mit nach Hause. Mit unserem über 20 Jahre alten Youngtimer können wir mit den modernen Autos der R-Klassen nicht mehr mithalten. Die Autos sind in allen Belangen wesentlich besser. Auch werden die Nicht-R-Autos bei den Modernen zahlenmäßig immer weniger. Dazu kommt, dass in Italien, im Gegensatz zu anderen Ländern, die Oldtimer nach Anhang K in einer separaten Rallye fahren. Das wären eigentlich eher unsere Gegner.
Neu war, dass unser Auto ein sehr ungewöhnliches und nicht zu beherrschendes Fahrverhalten an den Tag legte. In Linkskurven ging schlagartig das Heck weg und das Auto wollte sich ein drehen. Schon in der zweiten Kurve der WP 1 ging es los. Folglich bin ich sicher viel zu vorsichtig gefahren und dennoch haben wir bei einem Dreher die Fahrbahn verlassen und sind eineinhalb Meter die Böschung runter. Dass wir da wieder rauf gekommen sind, hat mich gewundert, aber mehrere Minuten Zeit und einige kleinere Karosserieschäden gekostet.
Am nächsten Tag haben wir von unserem Ausritt ein Video bekommen, das gleich einen Verdacht in mir aufsteigen ließ und mich auf die richtige Fährte geführt hat. Wir haben ein gravierendes technisches Problem mit der Hinterachse!
Die Rallye aber ist superschön! Wenn es unser Kalender hergibt, werden wir die sicher noch einmal fahren.
Christoph
