Oh, wie wunderbar, dachte ich, wir fahren zur Rally Valle del Tevere in die Toskana. Michael und Gerhard vergnügen sich dort mit dem Aufschreiben von Wertungsprüfungen, über die bereits in den 80er Jahren die Teilnehmer der damaligen San Remo Rally gefahren waren. Ich dagegen plante einen Stadtbummel in Arezzo, Anghiari oder Sansepolcro, wollte dort schön gemütlich in Straßenkaffees sitzen und anschließend zur vorgegebenen Zeit die angereisten Rallyeautos, über 100 moderne und eine Handvoll wunderschöner historischer, bei ihren staubigen Drifts beobachten. Das dachte ich!
Aber dann kam die Info, dass bei dieser Rallye kein Service unserer Bassano-Freunde vor Ort ist. Aha! Also ich wäre ja da! Könnte den Reifenservice übernehmen. Dazu noch den Taxidienst, denn das Hotel, der Serviceplatz und das Übernacht-Parc-Ferme waren weit auseinander gelegen. Problem gelöst!
Da hab ich mich tagsüber dann auch gleich mal ins gut geheizte Trainingsauto gesetzt, hinten natürlich, und die herrliche Aussicht von hoch droben auf Arezzo genossen. Zum Spazierengehen in den alten toskanischen Städten war es nämlich viel zu kalt, immer deutlich unter null Grad. Noch nie hab ich in der Toskana so gefroren. Dass uns zwei WPs bis auf knapp 1000 Höhenmeter führten und dort oben tatsächlich noch Schnee lag irritierte etwas, aber was soll’s, wir wünschten uns eine Hitzewelle und hofften das Beste. Die folgenden Tage wurden wirklich ein klein wenig wärmer und bis zum Start der WP 4 am Sonntag war der Schnee wieder verschwunden. So weit, so gut. Doch zuvor musste nur noch der Safari Porsche die Abnahme und die neun Schotter-Prüfungen gut überstehen! Das war der Plan. Aber dann …
Was sonst noch so los war, erzählt euch Michael, oder vielleicht Pfluftl, demnächst, hier im Anschluss: Zum Beispiel was der Veranstalter mit der WP 3 bei einbrechender Dunkelheit gemacht hat, was Michael mit dem platten Reifen nach WP 4 angestellt hat und auch wohin die Seitenscheibe der Fahrertür verschwunden ist. Oder die Geschichte über die Beifahrertüre, die Pfluftl einfach nicht mehr einsteigen ließ. Natürlich gibts auch einige Zeilen über liederliche Gänge zu lesen, die einfach so in den Tiefen des Getriebes verschwanden. Aber: Das Ziel war das Ziel und dieses wurde erreicht! Glückwunsch!
Kommentar Team Bassano:
A completare il quartetto del Team Bassano sono stati i tedeschi Michael Stock e Gerhard Weiss con l’inconfondibile Porsche 911 SC Gruppo in configurazione “Safari” che hanno portato sul gradino numero 13 della generale, mancando la top-ten per soli 8 secondi ma comunque appagati dalla vittoria di classe.
Bis hier her… Moni
Nach langer Zeit mal wieder eine komplette Meisterschaft fahren – das ist das Ziel für das Jahr 2023. Nachdem sowohl mein Rallyeauto als auch ich auf Schotter einfach schneller sind als auf Teer, gibt es nicht viele Optionen. Unser Rallye-Vorzugsland Italien hat allerdings etwas anzubieten: Campionato Italiano Rally Terra Storico, kurz CIRTS (https://www.acisport.it/it/CIRTS/home). Zu dieser Meisterschaft zählen 5 Schotter-Läufe, die alle in Norditalien angesiedelt und von uns aus gut zu erreichen sind:
o Rally Storico Valle del Tevere (Arezzo)
o Rally Storico Valtiberina Terra (Arezzo)
o San Marino Historic Rally (Südlich von San Marino)
o Rally Vermentino Historicu (Sardinien)
o Rally del Brunello Storico (Montalcino)
Bei der Wertung wird zudem sinnvollerweise streng zwischen zweirad- und vierradangetriebenen Fahrzeugen unterschieden. Damit war die Entscheidung gefallen, und so begann die Saison für Pfluftl und mich schon Anfang Februar mit der Valle del Tevere. Mit dabei war Monika, denn auch für nur 9 WPs mit insgesamt 60km ist für eine Schotterrallye Serviceunterstützung unumgänglich. Zudem versprach das Wetter schön zu werden, mit Temperaturen von bis zu 15 Grad, also gab es die Aussicht auf etwas “dolce vita”.
Interessanterweise ist die Region um Arezzo deutlich gebirgiger, als wir dachten, und so wurden wir beim Abfahren einer Prüfung kurz vor dem Ziel von einer geschlossenen Schneedecke überrascht. Nachdem die Außentemperatur dort -10 Grad betrug, waren wir uns auch sicher, daß uns der Schnee während der Rallye erhalten bleiben sollte. Der Streckenzustand in dieser Prüfung war zudem recht schlecht, so daß unsere Euphorie deutlich gedämpft wurde …. Letztlich wurden die Temperaturen aber deutlich höher, und der Schnee verschwand fast vollständig. Da die modernen Fahrzeuge (viele Skodia Fabia R5 und Mitsubishi), die ihre eigene Rallye fuhren, hinter uns starteten, war die Streckenbeschaffenheit zu Beginn auch noch akzeptabel. Einige WPs wurden allerdings dreimal gefahren, so daß insbesondere der letzte Durchgang für die historischen Fahrzeuge deutlich zu hart war.
Los ging es am Freitag um 15:00 mit drei Prüfungen, wobei wir allerdings mit unseren Kumho-R800-Reifen bei den kalten Temperaturen nicht so gut zurechtkamen. Letztlich stellte sich auch noch heraus, daß die Vorderreifen verkehrt herum auf den Felgen montiert waren, was zu einem deutlichen Untersteuern geführt hat. Mit Platz 10 und 8 in den ersten beiden Prüfungen war es noch erträglich, aber die dritte Prüfung wurde neutralisiert, da in Italien historische Fahrzeuge nicht nachts auf Schotter fahren dürfen. Aus irgendwelchen Gründen hatte der Veranstalter sich in dieses Problem selbst hineinmanövriert ….
Weiter ging es am nächsten Tag für uns mit zahlreichen technischen Problemen, was schon mit einem Platten in WP4 begann. Der Reifenwechsel am Ziel dauerte recht lang, und den defekten haben wir einfach hinter einem Schneehaufen deponiert. Der Reifenwechsel hätte schon das Ende der Rallye für uns einläuten können, wenn wir nicht in der langen Verbindungsetappe so viel Zeit hätten gutmachen können, daß wir drei Minuten vor unserer Stempelzeit an der nächsten ZK ankamen. Die folgende WP war gekennzeichnet durch das schlechte Fahrverhalten aufgrund des Ersatzrades, so daß wir froh waren, daß Monika am Service mit vier neuen Michelin auf uns wartete. Mittlerweile waren wir auf Platz 12 im Gesamt zurückgefallen und hofften auf eine Aufholjagd. Wir schafften es in den nächsten beiden Prüfungen wieder auf Platz 10, aber in der Zwischenzeit fiel durch die schlechten Strecken auch noch meine Seitenscheibe in die Tür, was beinahe schon wieder einen Ausfall hätte begründen können: Mit offener Seitenscheibe darf man in keine Wertungsprüfung starten. Gottseidank trafen wir unterwegs wieder Monika, und mit einigem Aufwand gelang es uns, die Seitenscheibe vor der nächsten Prüfung wieder in ihre Position zu bringen und dort festzukleben.
Rechnen in der Zwangspause: Die Reifen paßten, und es fehlten nur wenige Sekunden, also hatten wir die Chance, uns noch auf Platz 8 vorzuarbeiten, was in der Zweiradwertung Platz 5 bedeutet hätte. Nachdem wir auch noch Pfluftls Türgriff reparieren konnten (ein kleiner Stein hatte die Türklinke blockiert) und wir mit großer Motivation zu den beiden letzten WPs gestartet waren, hatten wir dann allerdings noch einmal Pech: Das Getriebe ließ sich nicht mehr richtig schalten, die Gangwechsel dauerten ewig, und wir dümpelten mit einem lustlosen Auto ohne Vortrieb über die Prüfungen. So wurden wir dann ausgehend von Platz 10 nicht etwa 8., sondern im Gegenteil 13. Gesamt, und 10. in der Zweiradwertung.
Nun ja. Das letztlich schöne Wetter, die sehr freundlichen Veranstalter und anderen Teilnehmer, und die wirklich sehenswerte Umgebung hat uns davon überzeugt, die anderen CIRTS-Veranstaltungen ebenfalls zu fahren. In der Meisterschaft liegen wir momentan zusammen mit einigen anderen auf Platz 7, und da geht sicher noch was.
Fortsetzung folgt – am 14. April steht die Rally Storico Valtiberina Terra auf dem Programm, wieder in der Region Arezzo, aber dann im Tal und mit weniger harten Prüfungen (laut unseren italienischen Freunden). Wir werden berichten!
stomi
