Als vierte große Rallye im Jahr war die Rallye du Valais, zu Deutsch Wallis, in der Schweiz geplant. Sie gehört nun schon im dritten Jahr zum Mitropa-Cup und erfüllt eine der Voraussetzungen, um zum Cup zu gehören mit Leichtigkeit. Alle Rallyes müssen mindestens 100 WP-Kilometer haben, die du Valais hat 180 WP-Kilometer. An drei Tagen fahren, sozusagen vier Rallye 35 am Stück und das auf diesen Strecken und in traumhafter Landschaft, wo hat man das schon? Wobei wir von der grandiosen Landschaft nicht viel gesehen haben, aber dazu kommen wir noch.
Eigentlich wollten wir schon letztes Jahr fahren, aber da haben uns die Zollformalitäten geärgert und als wir das dann gelöst hatten, hat es zeitlich nicht mehr gepasst. Nachdem die Schweiz nicht Europa ist, also schon, aber nicht Mitglied der Europäische Union und im Grenz- und Warenverkehr, braucht es eigentlich ein „Carnet de Passage“, welches manch einer noch von ganz früher kennt. Es ist nötig, um unseren ganzen Rallye-Krempel in die Schweiz ein- und wieder auszuführen. Mittlerweile gibt es vereinfachte Zollverfahren mit der Schweiz, aber da muss man erst draufkommen, für uns den „Vormerkschein 11.61“. Das war die Erkenntnis nach umfangreicher Recherche im letzten Jahr und dieses Ding werde ich wohl nicht so schnell vergessen, denn es macht alles sehr viel einfacher. Wir haben es uns aber noch einfacher gemacht, wir sind an der Grenze einfach durchgefahren, denn der Schweizer Zollbeamte hat in dem Moment gnädigerweise gerade weggeschaut. Nicht nur beim Rein- sondern auch beim Rausfahren!
Die 180 WP-Kilometer sind auf 7 verschiedene WPs verteilt, wovon 6 doppelt gefahren werden, in Summe also 13. Start ist am Donnerstagabend mit einer 9 Kilometer langen Zuschauerprüfung im Industriegebiet von Martigny. Beim Besichtigen war das noch eine vermeintlich einfache Aufgabe, die sich bei Nacht, im strömenden Regen und bei nicht vorhandener Straßenbeleuchtung als nicht ganz so einfach erwies. Die Abzweige und Bremspunkte waren schwer zu sehen.
So richtig los ging es dann am Freitag in der Früh. Die Reifenwahl war eindeutig, da es mehr oder weniger andauernd regnete. Allerdings hingen in den Bergen die Regenwolken fest und so war die Sicht, vor allem in den letzten Prüfungen, bei Dämmerung und Dunkelheit sehr schlecht.
Die WPs sind teilweise schmal, mit Kehren und vielen Kurven, so wie man das von Rallyes in Bergregionen kennt, aber sie haben auch sehr breite und weite Straßen, wo man dann im 6. Gang sehr schnell unterwegs ist. Das Mittelstück der WP 2 und 5 wird auch als Bergrennstrecke gefahren, allerdings bergauf und wir bergab.
Gut war, dass die Allradler vor uns nicht viel cutten konnten, so wurden die Straßen nicht dreckiger als sie eh schon waren. In vielen Waldpassagen war das Laub schon gefallen und so war auf der Straße oft nur eine Spur, die laubfrei war. Davon abkommen sollte man besser nicht.
Wichtig war uns, zunächst einen guten Schrieb zu erstellen, denn wenn man teilweise nur zweimal drüberfahren kann und es 90 Kilometer sind, dann überfordert das meine Festplatte zwischen den Ohren deutlich. Ich bin dann abhängig vom Schrieb. Unser eigentliches Ziel war, zwei Tage durch zu fahren und ins Ziel zu kommen.
Für Freitag waren es drei verschiedene Prüfungen, die zweimal befahren wurden, dazwischen ein ausgiebiger Service. Um es kurz zu machen, bei uns verlief es nach Plan und glücklicherweise ereignisarm. Es war aber alles andere als einfach. Oben in den Bergen lag zwar kein Schnee auf der Straße, aber eben neben der Straße, es war so kalt, dass die Regenreifen nicht mehr funktionierten. Wer konnte, fuhr Winterreifen. Mit dem Zeitplan hatte der Veranstalter unverschuldet Probleme, da es immer wieder unfallbedingte Verzögerungen gab. Die schwierigen Strecken zollten Tribut. Die vorletzte Prüfung fuhren wir schon in der Dämmerung, glücklicherweise hatten wir unser Nachtgesicht (Scheinwerfer) im Kofferraum und vor der letzten WP sind wir fast eine Stunde gestanden. Immer wieder Start und dann wieder Abbruch. Irgendwann kam die Entscheidung, die WP wurde neutralisiert. Das war richtig und wir nicht unglücklich darüber. Die Prüfung bei Nacht, im Regen und bei den Bedingungen…. Die letzten Kilometer ins Ziel wäre es bei Nacht und Regen in 4er und 5er Kurven bergab gegangen, mit nur einer freien Spur auf ansonsten laubbedeckter Fahrbahn.
Am Samstag war das Wetter wie schon am Vortag. Wir machten uns Sorgen, ob die Regenreifen durchhalten würden. Die Königsprüfung der Rallye geht über 29 Kilometer, hinauf auf 1.650 Metern Höhe, über einen Pass und drüben wieder hinunter. Oben sind es 8 Kilometer auf Schotter und das Bergabstück ist extrem einladend, sich irgendwo zu verbremsen und rauszuhauen. Nachdem oben alles von einer 10 Zentimeter dicken Schneeschicht bedeckt war, hat sich der Veranstalter dazu entschieden, nur das Bergaufstück bis zum Beginn des Schotters zu fahren. Die Argumentation war, lieber die verkürzte WP durchzubekommen, als die lange abbrechen zu müssen. Und das wäre sicher so gekommen. Irgendeiner hätte rausgeworfen und mit Startnummer 82 wären wir sicher nicht mehr gefahren.
Auf dem Plan standen ebenfalls drei WPs (eine verkürzt), die ebenfalls zweimal zu durchfahren waren. Auch hier lief es für uns insgesamt problemfrei, wenngleich es nicht einfacher wurde. Mit jeder gefahrenen WP wurde der Wunsch größer es bis ins Ziel zu schaffen. Auch an diesem Tag war es so, dass wir in der vorletzten Prüfung in die Dämmerung kamen und die letzte stockfinster war. Diese letzte wurde nicht neutralisiert, sondern gefahren. Die Bedingungen und die Sicht waren so schlecht, dass keiner es mehr gewagt hat zu viel zu riskieren. Alle wollten nur noch ins Ziel. Eigentlich fuhren wir nicht im Regen, sondern in den Regenwolken. Es hatte NULL Sicht, ich habe alle Scheinwerfer ausgeschaltet und sind mit Abblendlicht da durch. Der untere Teil ging noch einigermaßen, hier hat es viele Kehren bergauf, die wir, soweit ein rote Warnbake vorhanden war, als „rechts zwo plus Kehre bei rot“ geschrieben hatten. Da hinauf haben wir noch einen modernen Porsche 911 überholt, was man mit meinem Auto normalerweise nicht schafft. Ganz ohne Zwischenfall kamen wir auch nicht durch. In einer links 3 war plötzlich mal wieder null Gripp, vielleicht schon überfrierende Nässe und schon hat es uns eingedreht. Wir verloren sicher 20 Sekunden oder mehr bei diesem 180° Dreher und dem dadurch nötigen Wendemanöver. Die letzten Kilometer ins Ziel geht es auf einer breiten, zweispurigen Straße zu einem Parkplatz eines Skigebietes. Da oben war noch weniger als null Sicht, allerdings waren jetzt Kurven mit 4 plus und 5 angesagt, ab und zu auch mal eine 3. Glücklicherweise gab es hier kleine orange Täfelchen, die wir geschrieben hatten. An denen entlang hangelten wir uns ins Ziel.
Nachdem wir die Saison 2025 nun beschließen, darf ich ein Fazit ziehen. Vier große Rallyes im Rahmen des Mitropa Cup hatten wir geplant, vier sind wir gefahren. Drei davon waren komplett neu und entsprechend trainingsaufwändig. Bei allen vieren hat es mehr oder weniger geregnet, oder besser gesagt gekübelt (das Rebenland nenne ich nur noch Regenland). Bei drei von vier Rallyes hatten wir größere Herausforderungen zu überwinden, um ins Ziel zu kommen. Aber bei allen vier Rallyes sind wir ins Ziel gekommen. Am Ende sind wir damit vierter in unserer Gruppe im Mitropa Cup und dritter bei den Zweiradgetriebenen geworden. Wir gehen sehr zufrieden in die Winterpause!
Hier gibt es noch ein Video in Action: https://www.youtube.com/shorts/dOLIjlPidH8
Christoph
