„100 Jahre ADAC Bergrekord“
Wenn man am Anfang des Jahres seine Pläne macht, ist auch das voraussichtliche Wetter zum Zeitpunkt der Rallye kein ganz unwichtiges Detail. Am 1. August war also nicht unbedingt damit zu rechnen, dass es zeitweise schütten würde, wie aus Kübeln. Tat es aber, bei 15 – 18 Grad, also Hochsommer im Schwarzwald! Das führte auch dazu, dass der rechte Scheibenwischer am Ferrari 208 GTS Turbo Intercooler (ich liebe diesen Namen!) aus Überforderung oder Lustlosigkeit mehrfach versuchte, abzuhauen und wir ihn durch mehrere Lagen Tape an seinem Arbeitsplatz festbinden mussten.
Vom Wetter nicht abschrecken ließen sich 147 Teams in einer ganz breiten Palette von Oldtimern von 1930 bis 1995, vom offenen 30er-Jahre Mercedes über die üblichen Porsches und Jaguars aller Baujahre bis zu schönen Lancia Delta Integrale – und Montecarlo-Replikas, und unseren einzigen Ferrari in der Starterliste. Sie trafen sich in Halle 4 der Messe Freiburg. Bei diesem Hundswetter taten mir die Passagiere in den diversen offenen Vorkriegssportwagen schon in der Halle leid. In der ersten WP gleich auf dem Messegelände ging ein Regenguss nieder, der die Sitze wohl in Badewannen verwandelte und die Frisuren der Beifahrerinnen stark veränderte. Sehr bewundernswert, dieser Ehrgeiz und das Durchhaltevermögen!
18 Wertungsprüfungen in 2 Tagen sollten erfolgreich zu meistern sein, war unser Gedanke. Bei der Vorbereitung der Strecke wurde mir allerdings auch klar, dass da einige anspruchsvolle und trickreiche Aufgaben vor uns lagen. Und so war unser Ziel wieder einmal, am Schluss einen Platz in der ersten Hälfte der Teilnehmer zu erreichen. Zumal wir beim Blick in die Fahrzeuge natürlich alle Arten von elektronischen Ausrüstungen und Helferlein erkannten, gegen die wir uns mit unseren zwei mechanischen Uhren wenig ausrechneten. Aber so wollen wir es halt!
Wenn dann noch mangelnde Routine auf Kommunikationsprobleme zwischen den beiden Fahrzeuginsassen sowie erhebliches Fehlverhalten auf beiden Seiten trifft, ist der Frust am ersten Abend schon mal garantiert. Den konnten wir dann mit einem leckeren, selbst am Vorabend mit allen möglichen Zutaten angesetzten Gin einigermaßen wieder in Richtung Optimismus drehen. Gut war dabei für uns auch, dass der Veranstalter nicht in der Lage war aus den Daten des ersten Tages ein Zwischenergebnis bis dahin rauszugeben, sondern nur die jeweiligen WP-Strafpunkte. Sonst hätte der Gin wahrscheinlich auch nichts mehr genutzt.
Es konnte also am zweiten Tag nur alles besser werden, wie üblich. Und tatsächlich, mit der Einstellung „Jetzt is eh scho ois wurscht“, kamen wir immer mehr in die Spur und wurden von WP zu WP zufriedener mit uns. Dass der Veranstalter nichts fürs Wetter konnte, war klar, und dass diese wunderschönen, landschaftlich extrem reizvollen Sträßchen durch den Schwarzwald bei schönem Wetter einfach ein Traum gewesen wären, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Verbindungsetappen zwischen WPs von über einer Stunde Fahrzeit bei einer solchen Veranstaltung deutlich zu lang waren. Das führte am ersten Tag dazu, dass wir mit Startnummer 126 erst um 21.30 Uhr am Münsterplatz in Freiburg im Dunkeln und Regen einliefen, das Grillbuffet mehr oder weniger ausfiel, und der Gin dann der einzige Trost war.
Als 59. im Gesamt und 16. von 39 Gewerteten in der Klasse hatten wir dann schließlich doch noch unsere Ziele erreicht. Übung macht den Meister, nächstes Jahr!
Heico
