Eigentlich hat die diesjährige Rallye Velenje schon letztes Jahr begonnen. Aber der Reihe nach. Velenje ist eine kleine Stadt im Norden von Slowenien, grob gesagt zwischen Ljubiljana und Maribor. Die dort ansässige, gleichnamige Rallye gehört zum Mitropa-Cup und ist vom Charakter ähnlich den Rallyes in Norditalien. Gebirgig, mal eng, mal flüssig, die Straßen folgen dem Gelände, alles Asphalt. Theoretisch jedenfalls, aber dazu kommen wir noch.
Im Jahr 2022 gab es am Freitag zum Auftakt eine elfeinhalb Kilometer lange Prüfung, mit vielen 3er und 4er Kurven bergauf, die zweimal zu befahren war. Dazwischen jeweils einen Servicepunkt. Eine gute Gelegenheit mal mit Reifen und Reifenluftdruck zu spielen. Nachdem es am Freitag fast 30 Grad heiß war, kühlte es über Nacht mit einem Riesen-Gewitter gewaltig ab und es regnete in Strömen.
Ernüchterung in der ersten WP am Morgen! Die für teuer Geld erstandenen Regenreifen eines renommierten französischen Markenherstellers erwiesen sich als ziemlich großer Mist. Aquaplaning war kein Problem, aber der Gummi hat nullkommanull Haftung aufgebaut. Fast war ich schon erleichtert, dass die zweite WP am Samstag neutralisiert wurde, da ein junger Deutscher seinen Opel Adam in einer „L4 lang bergab, Achtung auf Kuppe sofort R2“ in die Böschung gesteckt hat und dann über Kreuzweh gejammert hat. In der nächsten WP war dann für uns Schluss. Den 6. Gang eingelegt und Kracks, Getriebe im Eimer. Und zwar richtig, es war gründlich kaputt.
Daran angeschlossen hat sich das restliche Jahr mit: Es sind nicht alle Teile lieferbar! Keiner kann sagen, ob und wann sie jemals wieder lieferbar sind. Gibt es andere Lieferanten? Was gibt es in den französischen Teileforen? Ein anderes Getriebe kaufen? Aber welches? Und können die liefern? Letztlich kamen im Winter dann doch noch die bestellten Teile für unser Getriebe. In dem Zuge haben wir die Gesamtübersetzung und den 6. Gang etwas kürzer gemacht. Das scheint dem Auto gut zu tun, gerade weil wir im Vergleich zur Konkurrenz bei der Motorleistung eher zurückhaltend sind.
So gerüstet konnten wir ein Jahr später die Velenje nochmal angehen. Angerichtet waren drei WPs die dreimal gefahren werden sollten. Einiges kannten wir schon aus dem Vorjahr.
Diesmal war es komplett trocken und nicht so heiß wie am Freitag letzten Jahres. Neu war, dass dieses Jahr in vielen Kurven Warnbaken standen, um das Cutten der Kurven zu beschränken, was die Allradler vor uns ja so gerne tun. Eigentlich cutten sie nicht, sie fahren neben der Straße. Wir mussten aber feststellen, dass diese Maßnahme ziemlich wirkungslos war. Vor allem die erste WP war entgegen unserem Schrieb eine Schotter WP geworden und alles und überall hat es nur so gerollt. Beim zweiten Durchgang wurde es besser, da sich allmählich eine Spur herausgefahren hat, die man halt immer treffen und niemals verlassen durfte. Dennoch sind viele ab- und rausgeflogen, von 86 Startern haben es nur 57 ins Ziel geschafft. Da wollten wir aber nach dem Seuchen-Jahr unbedingt hin. Um so schöner war es, dass uns das gelungen ist, und wir das Auto ohne Schaden im Parc-Fermé abstellen konnten.
Christoph
