Rebenland-Rallye (A) 28. – 29.3.2025

Nachdem alles für den Start bereit und noch etwas Zeit war, haben wir die Fahrwerkseinstellung korrigiert und so ich bin dabei ein paar Mal auf und ab gefahren, um zu prüfen, ob das Lenkrad auch wirklich gerade ist. Da bin ich ein Tüpferlscheißer, das muss wirklich gerade stehen! Plötzlich Qualm unter der Motorhaube und eine Lichtmaschine, die Funken sprüht. Na bravo, aber immerhin noch zwei Stunden bis zum Start und Ersatz im Servicezeug. Eigentlich wollten wir jetzt noch entspannt was essen. Also Lichtmaschine tauschen. Geht nicht ganz einfach, die Servopumpe muss weg und ein paar verdeckte Schrauben hinter dem Auspuffkrümmer müssen gelöst werden.

Bei der Besichtigung der WPs am Donnerstag war es zwar bedeckt, aber noch kein Regen. Noch! Das sollte sich ändern! Die Rebenland ist der erste Lauf zum Mitropa-Cup und der zweite zur Österreichischen Meisterschaft. Vorbereitet waren 162 WP-Kilometer, an zwei Tagen, davon nicht wenig in der Nacht. Da wir die Rebenland zum ersten mal fuhren, mussten wir alle Prüfungen schreiben. So einigermaßen haben wir es geschafft dreimal drüber zu kommen. Beim ersten Mal schreiben, dann zweimal kontrollieren. Definitiv ein Nachteil gegenüber allen, die schon hier waren, denn die Prüfungen seien wohl immer mehr oder weniger die gleichen. Aber egal, irgendwann ist immer das erste mal.

Alle WPs sind sehr kompakt rund um Leutschach an der Weinstraße, also Weingegend, deshalb heißt die Rallye Rebenland. Wenn nicht größere Hindernisse das Cutten unmöglich machen, wird es sehr ausgiebig angewandt. Frei nach dem Motto, „die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist eine Gerade“. Das war schon beim Besichtigen so und der Veranstalter fühlte sich genötigt, ein Bulletin herauszugeben, dass beim Cutten wenigstens eine Radseite auf der Straße bleiben muss. Gehalten haben sie sich daran nicht.

Am Freitag, noch deutlich vor dem Start, war der angekündigte Regen da. Das Gute war, über die Reifenwahl musste man nicht nachdenken, es hat nicht mehr aufgehört, bis wir alle im Ziel waren. Geregnet hat es immer, zeitweise aus Kübeln. An der Ausfahrt vom Service musste man über einen Bach. Der wurde von Mal zu Mal größer und reißender.

Nach getauschter Lichtmaschine ging es in die 7 WPs vom Freitag, davon 3 in der Nacht. Durch den Dauerregen und dem Cutten, waren die Strecken glatt wie Schmierseife. Natürlich nicht überall, sondern in den Kurven mit Cut und dann mehr oder weniger lang danach. Vor allem in der Nacht war es extrem schwierig zu sehen, ob die Strecke nur nass, oder eben nass und bazig war. In youtube ist gnadenlos dokumentiert, die Startnummer 3, Hermann Neubauer ist nach dem Ziel abgeflogen, einen Wiesenhang ca. 50 Meter runter und ist da nur wieder rauf gekommen, weil 30 Zuschauer mit einem langen Seil ihn da wieder rauf gezogen haben. Wie wir an der Stelle vorbeigekommen sind, hat es ausgesehen, als hätte da ein Landwirt seinen Acker gepflügt, weil die meisten die „R4 in L3, Ziel“ nicht getroffen haben. Manch einer ist außen an der Lichtschranke vorbei gerodelt, hat es also nicht ins Ziel geschafft.

Die WP 2 wurde aufgrund eines Unfalls und der nötigen Hubschrauberlandung neutralisiert. Auch die WP 5 wurde aufgrund eines Unfalls neutralisiert. Überhaupt gab es sehr viele Ausfälle.

Wir haben versucht uns an die Bedingungen zu gewöhnen, einen guten Rhythmus zu finden und keine unnötigen Risiken einzugehen, auch weil in den höheren Lagen zunehmend Nebel dazu kam. Einmal waren wir mit dem Heck auch in der Wiese, aber glücklicherweise stand da nichts.

In der WP 7, der letzten WP des Tages, sind wir unsere beste Zeit gefahren. Wir hatten da ein gutes Gefühl entwickelt und sind mit dem Ding recht gut zu Recht gekommen, obwohl auf gut 1,5 Kilometer dann der Nebel, oder besser die Regenwolken so dicht waren, dass man nichts aber auch gar nichts gesehen hat. Ausgerechnet das war eine der schnellen Stellen. Das Licht hatten wir vorher schon stellenweise komplett ausgeschaltet. Da oben war es trotz Schrittgeschwindigkeit kaum möglich der Straße zu folgen. Danach hatten wir schnell wieder unseren Rhythmus gefunden, aber eigentlich dachte ich, dass es wir da oben bei null Sicht vermasselt hätten, aber offensichtlich hatten die anderen auch kein besseres Rezept gegen den Nebel.

Am Samstag regnete es ausgiebig weiter und die Strecken wurden noch baziger. Vor allem der zweite Durchgang einer WP war katastrophal. Einmal sind wir untersteuernd rausgerutscht, aber die Böschung war gnädig und hat uns zurück auf die Strecke geleitet.

Das gute Gefühl vom Freitag hat sich fortgesetzt, aber von den gefahrenen Zeiten her ging gar nichts mehr zusammen. Da ich während der Rallye keine Zeiten anschaue, habe ich das erst nach der Rallye gemerkt. Wie gesagt, das Gefühl war in Ordnung, aber die Uhr sagt was anderes. Meine Erklärung ist, dass die Strecken so glatt geworden sind, dass unser Asphalt-Fahrwerk schlicht viel zu hart für die Bedingungen war. Ein weiches Schotterfahrwerk wäre wohl ideal gewesen. Verändern kann ich an der Fahrwerkseinstellung nichts, ist ja kein modernes Auto, wo man da am Stoßdämpfer rumdrehen und das Auto weicher machen kann, aber ich hätte probeweise den Stabilisator aushängen können. Geschadet hätte es sicher nicht. Die letzten zwei WPs waren dann wieder bei Dunkelheit zu fahren, die haben wir dann nur noch hinter uns gebracht.

Aber egal, wir sind im Ziel, wo viele andere gerne hingekommen wären. Und außerdem muss ich mit meinem 1600er sowieso bei den Zwei-Liter-Autos fahren, da ich den Ansaugkrümmer vom Peugeot 206 Super1600 drin habe, also sind wir ein KitCar und Kit-Car`s müssen eine Hubraumklasse höher fahren. Da gab es eine Fortbildung bei den Technischen Kommissaren und seitdem wissen das alle.

Zum Schluss sei der Service lobend und dankend erwähnt! Insgesamt waren es 9 Service, die wurden gar nicht mehr richtig trocken und kurz vor Schluss wären ihnen beinahe Schwimmhäute gewachsen. Um überhaupt arbeiten zu können musste bei jedem Service erst mal kiloweise Schlamm aus den Radhäusern, aus den Felgen, der Bremse und aus allen Ritzen herausgeholt werden. Es hat mich stark an die Bilder der Safari oder der Elfenbeinküste erinnert.

Christoph

Rebenland-Rallye (A) 28. - 29.3.2025