Nach langer Corona bedingter Rallyepause freuten wir, mein Bruder und ich, uns sehr auf diese Rallye mit einer größeren Anzahl Gleichmäßigkeitsprüfungen, auf der wir seinen Ferrari 208 GTS Turbo von 1987 mal wieder artgerecht bewegen wollten. Das erhoffte Sonnenscheinwochenende, immerhin Anfang August, fiel aber dann doch weitestgehend ins Wasser, wie so vieles in diesem „Sommer“.
Die Veranstaltung fand natürlich unter Corona-Bedingungen als Light-Version statt, was bedeutete eine auf ca. 210 km verkürzte Strecke, keine sonst übliche Vorstellung der Teams und Autos am Start, keine Siegerehrung und so weiter. Aber egal, Hauptsache schön durch den Schwarzwald cruisen. Tolle Fahrzeuge waren jede Menge da, vom Porsche 904 GTS über Renault Alpine Turbo, diverse Jaguar E-Types, Mercedes Benz 190 E 2,3-16 V bis zur üblichen Armada von Porsches bis Baujahr 1994.
Bei einer Gleichmäßigkeitsveranstaltung ist es äußerst hilfreich, wenn man einen funktionierenden Tacho hat, mit dem man den geforderten Schnitt auf den einzelnen Abschnitten der Strecke möglichst genau einhalten kann. Dem Ferrari war das aber offensichtlich nicht so wichtig, die Tachonadel war scheinbar über die lange Standzeit eingerostet oder verärgert, jedenfalls sprang sie lustig rauf und runter, ganz nach Temperatur und Laune. Also mussten wir uns eine Alternative über Drehzahlmesser und Gang, Trip, Uhr und Taschenrechner erarbeiten, um bestmöglich gerüstet zu sein. Das war zwar zeitaufwändig und ich war, nachdem wir die Unterlagen abgeholt hatten, einige Stunden damit beschäftigt, die geforderten Schnitte über die gesamte Veranstaltung und vor allem auf den Wertungsprüfungen in Gang und Drehzahl umzurechnen. Das hat sich aber im Nachhinein sehr ausgezahlt.
Wir fahren aus Überzeugung in der sogenannten „Sanduhrklasse“, die aber nicht in jeder Rallye separat ausgeschrieben wird, bei der man keinerlei elektronischen Helferlein wie Tablets, Berechnungssoftware, Counter etc. verwenden darf, um die Schnitte fortlaufend exakt zu berechnen und die Lichtschranken möglichst auf 1/100 s genau zu erreichen. Wir haben nur den Trip und 2 bis drei mechanische Uhren an Bord, aber damit auch kein verschandeltes Armaturenbrett, das eines Ferraris nicht mehr würdig wäre. Beim Anblick der vollgepackten Armaturenbretter vieler anderer Teilnehmerfahrzeuge war uns von Anfang an klar, dass wir hier sicher nicht im Vorderfeld landen würden, weder von der Ausrüstung noch von der Erfahrung her.
Die Rallye war in 3 Abschnitte mit insgesamt 6 Wertungsprüfungen aufgeteilt, wobei je Wertungsprüfung mehrere Ziele zum Teil aneinandergehängt und überlappend exakt erreicht werden mussten. Im Bordbuch sah das dann so aus wie unten in der Galerie zu sehen ist.
Alles kein Drama, wenn man die Zeiten und Abstände vorher analysiert und die Methode begriffen hat. Das Problem ist dann eher auf der Strecke die Zielzeit auf 1/100 s genau zu treffen. Jedes Hundertstel daneben gibt Strafzeit. Da spielen dann so Kleinigkeiten wie die Höhe der Lichtschranke oder der seitliche Abstand des Fahrzeugs zur Lichtschranke beim Anpeilen durch den Fahrer über das Seitenfester eine gewichtige Rolle. Bei dem Ferrari ist es leider so, dass bei einer Höhe der Lichtschranke von ca. 60 cm diese irgendwo an der Fronthaube auf einer Länge von ca. 80 cm ausgelöst wird. Und schon sind es wieder ein paar Hundertstel, die daneben sind. Der Rolls Royce, der mitgefahren ist, hat dieses Problem sicher nicht.
Auch ein Thema kann bei aneinander gehängten WP-Zielen sein, dass ein anderes Team noch unerfahrener ist als man selbst. So wurden wir beim Anfahren einer Ziel-Lichtschranke von einem anderen Team blockiert, das nun wirklich gar nicht wusste, welche Zielzeit es erreichen sollte und sich lieber entschieden hatte, vor der Lichtschranke fast stehen zu bleiben. Damit war unsere Zielzeit im Eimer und wir mussten bei der Fahrtleitung einen Einspruch einlegen. Dieses Ziel wurde aber dann später eh rausgenommen, weil wohl einige Andere auch keinen Plan hatten.
Bei dieser Veranstaltung waren die Schnitte zwischen den einzelnen WPs großzügig bemessen, so dass man relativ gemütlich, trotz teilweise sehr enger Sträßchen und vieler Kehren, typisch Schwarzwald halt, die Zeitkontrollen gut erreichen konnte. Das ist nicht immer so. Und so konnten wir, auch bei teilweise heftigem Regen, die tolle Landschaft genießen und den alten Ferrari vor allem auf den alten Bergrennstrecken Schauinsland und Eggberg etwas laufen lassen. Da stört ein funktionierender Tacho eher psychologisch.
Während der WPs ist die Kommunikation zwischen Fahrer und Beifahrer das alles entscheidende Element, zumindest für uns, um das exakte Anfahren der Lichtschranken sicherzustellen. Der Fahrer konzentriert sich auf die Lichtschranke, Beifahrer sagt die Uhr an, zählt runter. Wir haben auch eine Zeit lang gebraucht, um unsere Methode zu finden. Trotzdem geht natürlich immer mal wieder etwas schief. Nachdem auch wir ein paar üble Böcke geschossen haben (wie kann sich ein Knopf der Uhr am Uhrenhalter blockieren und damit keine Zeit zurückstellen für das nächste Ziel? GRRR!), hatten wir keine großen Erwartungen mehr für das Gesamtergebnis, waren aber gespannt, wie die Ergebnisse der einzelnen WPs aussehen würden. Und da können wir bei den „normalen“ Ergebnissen sehr zufrieden sein. Und auch ein Gesamtplatz 42 mit Böcken hat uns gezeigt, dass wir ganz gut mithalten konnten, trotz „Sanduhrklasse“. Wie sich die „Strafe gesamt“ und damit die Platzierung aus den WP-Strafen errechnet, habe ich immer noch nicht begriffen, aber beim Veranstalter um Aufklärung gebeten.
Schließlich wollen wir ja weiter lernen, und wir haben definitiv wieder viel gelernt für das nächste Mal. Die Silvretta-Klassik 2022 wäre ein Traum!
