.. der Wettergott fuhr mit
Nachdem die Bavaria Classic im April mangels Teilnehmern abgesagt worden war, fehlte uns leider jede Übung und Routine, als wir uns nach 2022 zum zweiten Mal auf die Reise zur Silvretta Classic mit Startort in Partenen aufmachten. Die erste Prüfung war schon wieder das Aufladen des Ferrari 208 GTS Turbo Intercooler aus dem Jahr 1997 (was für ein Name für ein tolles Auto). Trotz Kipphänger mit Auffahrrampen benötigten wir diverse Brettln und Hölzer, um durch Verlängern der Rampe ein Abraspeln des Frontspoilers zu verhindern. Beim Abladen in Gaschurn hörte es dann gerade rechtzeitig auf zu regnen. Und es sollte tatsächlich bis zur Siegerehrung kein Tropfen mehr fallen, was für ein Glück. In irgendeinem Auto saß wohl der Wettergott. Es wäre auch zu schade gewesen, wenn alle diese 180 fantastischen Old- und Youngtimer, von Baujahr 1937 bis 2002, nass geworden wären.
Wir hatten hinsichtlich des Ergebnisses keine allzu großen Erwartungen und nahmen uns vor, in der ersten Hälfte des Teilnehmerfeldes zu landen. Immerhin war die ganze Rallye mit ca. 600 km Gesamtlänge und 18 Wertungsprüfung nur für die Sanduhrklasse ausgeschrieben, also nur mechanische Uhren erlaubt, kein elektronischer Schnickschnack, das kam uns sehr entgegen. Schon in den ersten Prüfungen am Donnerstagnachmittag wurde uns aber klar, dass da so einiges bei uns noch nicht richtig funktionierte. Statt um Zehntel bzw. Hundertstel kämpften wir eher um Sekunden. Die Abstimmung zwischen meinem Bruder und mir bzw. die Genauigkeit beim Durchfahren der Lichtschranken oder Überfahren der Schläuche war schlicht mies. Das Ergebnis war ein niederschmetternder Platz 131 am ersten Tag, wobei genau die Prüfungen, bei denen wir gut waren, aus uns unerfindlichen Gründen neutralisiert wurden. Da half nur noch Galgenhumor und was Leckeres zum Essen und Trinken.
Und das half offensichtlich. Die Prüfungen am zweiten Tag waren noch anspruchsvoller und „gemeiner“, stark verschachtelte Mehrfachprüfungen, wo alleine das Vorbereiten und Ausknobeln, wie diese wohl am nächsten Tag am besten zu meistern seien, ein ausgefülltes Abendprogramm darstellte. Wir hatten aber am ersten Tag einiges dazugelernt, die Zeiten stabilisierten sich, es kehrte langsam mehr Ruhe und Routine ein. Allerdings wurden wir dann auch mit einigen geheimen, also nicht im Bordbuch stehenden Prüfungen konfrontiert, die wir schlicht alle vergeigten. Trotzdem war der 2. Tag mit Platz 52 eine gute Motivation für den dritten Tag.
Der war dann noch mal richtig heftig mit schwierigen Mehrfachprüfungen bestückt. Und die Zeiten zwischen den Prüfungen waren auf diesen engen und kurvigen Bergstraßen schon knackig, aber zu schaffen. Doch auch hier wurden Wertungen neutralisiert, weil angeblich wegen Verkehrsbehinderungen zu viele Autos die Zeiten nicht schafften. Merkwürdig, wir hatten sie alle, Mist. In den letzten Prüfungen war dann doch bei uns auch etwas die Luft raus und die Konzentration schwand, so dass wir mit einem 63 Platz am dritten Tag noch ziemlich zufrieden waren. Und mit dem Gesamtrang 73 hatten wir unser Ziel auch gut erreicht.
Was diese Veranstaltung ausmacht, sind die fantastischen Strecken im gesamten Silvretta-Gebiet, Bergwelt in ihrer schönsten und fast unberührten Form, die grandiosen Fahrzeuge, vom Käfer Cabrio über unzählige Porsches aus allen Baujahren, Exoten wie Aston Martin DB5, sogar ein F40 war dabei, viele wunderschöne BMWs oder eben auch ein City Kadett oder ein toll restaurierter Escort RS im Tourenwagenoutfit. Aber auch die Organisation ist einfach klasse und die Abendveranstaltungen sind – hier mit der Gondel auf das Hochjoch zur Siegerehrung – gelungene Gelegenheiten, um die Kollegen besser kennenzulernen und sich über die Prüfungen gemeinsam die Köpfe heiß zu reden.
Nach der Siegerehrung erlebten wir bei strömendem Regen in einer gut besetzten Gondel und dem Busshuttle zurück ins Hotel eine denk- und erinnerungswürdige Rückfahrt, nachdem sich die siegreichen Tschechen und einige andere Teilnehmer wohl als letztes Ziel die Vernichtung sämtlicher alkoholischer Restbestände vorgenommen hatten. Ein würdiges Ende einer superschönen Rallye!
Heico
