Nach längerer Pause durfte der Safari-Porsche endlich mal wieder zum Rallyefahren raus – In das Land, welches dem Rallyesport so zugeneigt ist wie kein anderes. An der Rallye Elba Storico hatte ich mit Matthias im Jahr 2013 schon einmal teilgenommen, leider waren wir aber schon am ersten Tag mit einem Getriebedefekt ausgeschieden. Dieses Jahr sollte alles besser werden, und so kam es dann auch.
Schon die Anreise nach Italien ist immer wieder ein Vergnügen, und auch dieses Mal wurden die Temperaturen sofort nach der Überquerung des Brenners deutlich höher. Der Sommer war wieder da, und wir hatten uns offensichtlich für die richtigen Reifen entschieden (Michelin TB5+ in 23/62-15 und 18/60-15). Auf der Fähre von Piombino nach Portoferraio kam schon fast Urlaubsstimmung auf, und unsere Ferienwohnungen auf einem pinienbewachsenen Campingplatz nahe am Meer entpuppten sich als ideale Unterkunft für die Rallyewoche. Pfluftl, ich und unsere “Teamchefin” Monika genossen das italienische Lebensgefühl ohne Corona-Irrsinn und Masken.
Trotz eines sehr hohen Aufkommens an Touristen sperren die Italiener zeitweise gnadenlos umfangreiche Teile ihrer kleinen Insel für die Rallye. Der Sport geht in diesem Fall vor, und die Touristen müssen dann eben Umwege fahren, oder warten, bis eine Wertungsprüfung beendet ist. So ist das in Ländern, in denen dem Motorsport noch eine Bedeutung beigemessen wird. Nennung, Papierabnahme und technische Abnahme unterscheiden sich deutlich von unseren Veranstaltungen in Bayern, wo das gesamte Prozedere als kollektives “Sado-Maso-Ereignis” (inklusive Stockholm-Syndrom) zelebriert wird. In Italien ist das grundsätzlich anders, dort ist es von Höflichkeit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft geprägt, und im Vordergrund steht das Ermöglichen, nicht das Verhindern. Die innere Einstellung der Funktionäre zum Motorsport macht den Unterschied.
Die Rallye Elba Storico umfasste neun Wertungsprüfungen mit 133 km bei einer Gesamtlänge von 444 km. Letztlich waren es nur 4 verschiedene Prüfungen mit unterschiedlichen Anfangs- und Endunkten sowie kleineren Streckenabschnitten, die sich etwas unterschieden. Für das Abfahren der Prüfungen waren nur der Mittwoch und der Donnerstagvormittag vorgesehen, was angesichts der vielen Touristen nicht ausreichend war: Die ganze Insel ist eine Aneinanderreihung von Kurven, und entsprechend langsam kommt man voran, wenn Reisebusse und holländische Pkws mit Wohnwägen unterwegs sind. Wir planten daher deutlich mehr Zeit ein und begannen mit dem Abfahren schon am Montag. Mangels hinreichend genauer Unterlagen hatten wir einige Fehler in den Streckenverläufen, aber das stellte sich erst nach der offiziellen Ausgabe der Bordbücher am Mittwochmittag heraus. Letztlich waren wir aber doch froh, schon das meiste im Kasten zu haben, so dass sich der zusätzliche Trainingsaufwand in Grenzen hielt.
Die Rallye begann am Donnerstagabend mit einer Nacht-WP, die in Deutschland undenkbar wäre: Von Innamorata im Süden der Insel hoch nach Capoliveri, mitten durch die Innenstadt über die Piazza Garibaldi. Einer Unzahl von begeisterten italienischen Fans standen entsetzte deutsche Touristen gegenüber, die ihr “2-Grad-Ziel” im Mittelmeer versinken sahen. Die Armada von 200 Autos tobte mit infernalischem Lärm und Feuerbällen an den Auspuffendrohren durch die Gassen und verschwand so schnell wieder, wie sie erschienen war. Unten am Meer endete die Prüfung, in der unser Abschneiden für einen 3l-Porsche recht bescheiden war. An die neuen TB5 musste ich mich erst noch gewöhnen, und ich wollte zu Beginn kein Risiko eingehen.
Am nächsten Tag wurden um Rio Nell’Elba herum die Prüfungen 2, 3 und 4 mit Ziel in Cava gefahren. Die Länge der Prüfung reduzierte sich auf identischer Strecke von Durchgang zu Durchgang. WP2 war mit 27 km die längste WP der gesamten Rallye. Am Ziel angekommen waren Pfluftl und ich „Fix und Foxi“, denn nach vier Jahren Rallyepause empfanden wir dies als einen extremen Kaltstart. Ich habe im Nachhinein, zum ersten Mal überhaupt, die Anzahl der Kurven im Aufschrieb gezählt: Es waren 322, also im Verlauf der 27 km im Schnitt alle 84 Meter eine Kurve ….
Im weiteren Verlauf erholten wir uns allerdings schnell, und am Abend des Tages hatten wir uns unter den 74 Teilnehmern der italienischen Meisterschaft auf den 20. Platz gefahren. Es lief immer besser. Leider hatten Sepp und Monika Schölderle in der WP 2 ein Missgeschick, und sie mussten den Gruppe-2-Kadett abstellen. Thomas Zuppardi mit Beifahrerin Marina schlug sich außerordentlich gut, und Peter mit Elke Göckel konnten trotz vieler Spitzkehren bergauf eine ganze Reihe deutlich hubraumstärkerer Autos hinter sich lassen. So begannen wir den zweiten Tag, der im Westteil der Insel gefahren wurde. Drei Prüfungen (5/7/9) liefen über den höchsten Berg (Monte Perone). Durch das sich verschlechternde Wetter hatten wir bei allen Durchgängen im oberen Teil auf einer Länge von etwa 3 km zum Teil sehr dichten Nebel.
Dieser Nebel hatte es in sich, denn er legte sich auch auf die Straße, und das war anfangs nicht offensichtlich. So verloren wir auf rutschigem Untergrund diverse Gruppenkonkurrenten durch an Bäumen abgescherte Räder und Ähnlichem, und wir konnten unsere beste WP-Zeit der Rallye einfahren. Die Prüfung “Due Colli”, die jeweils dazwischen in der Ebene gefahren wurde, war hinsichtlich des Kurvenreichtums eine wahre Erholung, und enthielt mit einer Länge von 200 m die längste Gerade der gesamten Rallye.
Am Ende kamen drei von vier MAGRA-Teams ins Ziel, wobei Thomas Zuppardi mit Beifahrerin Marina Kratzin und Platz 13 im Gesamtklassement des FIA-Laufs das beste Ergebnis erzielte. Wir landeten im italienischen Lauf auf Platz 14 (und auf Platz 21 im FIA-Lauf), Peter/Elke Göckel auf Platz 28, wobei sie den 1300er-Kadett in ihrer Gruppe mit Platz 11 von 25 Startern außerordentlich weit nach vorne brachten. Alles in allem hat sich die SCUDERIA MAGRA auf Elba gut geschlagen. Und dass die Italiener den Rallyeautos applaudieren, wenn sie durch die Ortschaften fahren, sorgt für Lebensfreude. Wir kommen wieder, trotz Muskelkater in den Oberarmen!
stomi
(Das Titelfoto stammt von © Alessandro Zini – PhotoZini)
